Eine Quellenchronologie (Stand: September 2026)

JahrAutor / QuelleRaumForm / BegriffGestalt / FunktionNacht / Schlaf / DruckElb/Alb/Trud-BezugBedeutung für die EntwicklungEvidenztyp
13./14. Jh.Münchener Nachtsegen, Clm 615bairisch/oberdeutscher Raumalb, elbelin, albes mutir, trute, mar(e)nächtliche Bedrohungswesen„Noc mich dy mare druche“, „Noc mich dy trute zciche“Alb, Elbelin, Trute und Mare gemeinsamEiner der frühesten Belege für einen zusammenhängenden Komplex nächtlicher Druck- und BedrängniswesenA – Primärquelle
1520–1525Lucas Cranach d. Ä., Der Heilige Antonius als EremitSachsen / deutscher Raumdämonische Nacht-/VersuchungswesenDämonen bedrängen den Heiligenkörperliche Bedrängnis als Bildmotivikonographisch an Alb-/Dämonenkomplex anschließbarFrühneuzeitlicher ikonographischer Kontext; Ähnlichkeit mit späteren Elwedritschdarstellungen jedoch nur analogischC – Kontext/Analogie
1616Georg Henisch, Teutsche Sprach und WeißheitAugsburgAlb/Alp, Nachtmännsel, Wichtel, Nachtrutte, Schrätle, Scherzel, MahrNachtgeisterKrankheit, bei der man meint, im Schlaf gedrückt zu werden; incubus, daemon insultor, ephialtesausdrücklich gemeinsamer Artikel „Alb“Außerordentlich wichtiger Beleg dafür, dass verschiedene Namen als Varianten eines gemeinsamen Nachtphänomens erscheinenA – Primärquelle
1616Henisch, gleicher ArtikelAugsburgKatzenglaubBegriff für Aberglaubenkein spezifischer Schlafdruckkein direkter KatzendämonWichtig für die Begriffsgeschichte, aber kein Beleg für einen katzenartigen ElwedritschA – Primärquelle, aber nur Kontext
1664Isbrand van Diemerbroeck, Observationes MedicaeNiederlandenächtlicher Angriff durch Teufel/Hund/Diebvermeintlicher Angreifer auf der BrustDruck, Atemnot, Bewegungs- und Sprechunfähigkeitdämonische Interpretation eines körperlichen ErlebnissesFrüher detaillierter medizinischer Fall, der phänomenologisch stark an Schlafparalyse erinnertA – Primärquelle / historische Fallbeschreibung
1668Johannes Praetorius, Blockes-Berges VerrichtungMitteldeutschlandAlb, Mahr, EphialtesNachtgespenstDruck, Atemnot, Sprechunfähigkeit, AngstAlb/Mahr als Gespenst, aber „natürliche Ursachen“Übergang von rein dämonologischer zu konkurrierender natürlicher und dämonologischer ErklärungA – Primärquelle
1668Praetorius, gleicher ZusammenhangMitteldeutschlandKatzenverwandlungHexe/Katzedämonologischer KontextPraetorius bezweifelt, dass Hexen sich tatsächlich in Katzen verwandeln; wichtig für die Geschichte der KatzenikonographieA – Primärquelle
1691–1693Balthasar Bekker, De betoverde wereldNiederlandeNachtdrücker, Nachtmerriennächtlicher DruckgeistDruck, Atemnot, Angst, sexuelle Erlebnisse, scheinbare Verletzungennatürliche Erklärung statt dämonischer VerursachungSehr wichtiger Schritt der Naturalisation des Nachtmahr-Erlebnisses und Kritik dämonologischer ErklärungA – Primärquelle
1701Christian Thomasius, De crimine magiaeLeipzigIncubus/Succubus, Teufel, Hexereidämonologische Kategorienkörperliche Erscheinung des Teufels wird bestrittenAlb-/Dämonenkomplex wird rationalistisch delegitimiertÜbergang von der Naturalisierung einzelner Phänomene zur Delegitimierung des gesamten Rechtsbegriffs der HexereiA – Primärquelle
1731–1754Zedler, Universal-LexiconLeipzig/HalleNachtmahr / Mahr / AlpNachtwesen bzw. körperliches Phänomennächtliche Bedrängnismedizinisch-dämonologisches ZwischenfeldDokumentiert die fortdauernde lexikalische Existenz des Nachtmahr-Komplexes im 18. Jh.A/B – zeitgenössisches Lexikon
1791Johann Heinrich Füssli, Der NachtmahrLondon / deutschsprachige KulturNachtmahrdämonische Figur auf dem SchlafendenSchlaf, Brustdruck, Bedrängnisikonographischer Alb-/Mahr-KomplexBedeutender ikonographischer Beleg für die Persistenz des Nachtmahr-Motivs unmittelbar vor den Elpentrötsch-Belegen; kein Elpentrötsch-BelegA/C – Ikonographie
1795Johann Christoph Schmidt, Schwäbisches WörterbuchSchwabenElpentrötsch, Tölpentrötsch, TrilpentrischWort-/Personenbezeichnungkein gesicherter direkter Schlafbezug aus dem Beleg selbstElpen-/Elb-Bezug in ElpentrötschSehr früher lexikographischer Beleg des Elpentrötsch-Komplexes; entscheidend vor Gräter und GrimmA – Primärquelle
1800Nicolai Abraham Abildgaard, Der NachtmahrDänemark / europäischer KulturraumNachtmahrDämon auf SchlafendemSchlafbedrängnisAlb-/Mahr-KomplexZweiter ikonographischer Beleg unmittelbar vor Gräter; kein Elpentrötsch-BelegA/C – Ikonographie
1814Friedrich David Gräter, Idunna und Hermode, S. 102Schwäbisch/deutscher RaumElpendrötschzunächst nur Wortbelegaus dem knappen Beleg nicht sicher erschließbarElpen-/Elbenbezug sprachlich sichtbarFrühester von uns nachgewiesener konkreter Beleg „Elpendrötsch“; wichtiger als bisher angenommenA – Primärquelle
1835Jacob Grimm, Deutsche MythologieDeutschlandölpetrütsch, alberdrütsch, drelpetrütsch, elpentrötsch, tölpentrötsch, trilpentrisch„linkischer einfältiger Mensch“kein unmittelbarer SchlafbezugElbe → Einwirkung → MenschGrimm stellt die Formen systematisch zusammen und erklärt: Menschen, „dem die elbe etwas angethan haben“A – Primärquelle, aber interpretierend
1827–1837Johann Andreas Schmeller, Bayerisches WörterbuchBayernAlb/Alp, Elbe, Trud/DrudTrud als weiblicher DruckgeistTrud sitzt auf Schlafenden, Alp/AlpdruckTrud = Alp/AlpdruckParallelbeleg für die semantische Identität von Trud und Alb im süddeutschen RaumA – Primärquelle
1853Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Nr. 150 „Die Mahr“DeutschlandAlp, Trud, MahrNachtgeistBedrängnis im Schlafexplizite Gleichsetzung bzw. ParallelisierungBestätigt den großen überregionalen Alb–Trud–Mahr-Komplex im 19. Jh.A/B – zeitgenössische Sammlung
1858/1860Grimm, Deutsches Wörterbuch, Artikel TrudDeutschlandTrud / AlpDruckgeist„daß die trud dich nit drückt, und der alp nit erstickt“Trud und Alp gemeinsamLexikographische Bestätigung der gemeinsamen DruckfunktionA – zeitgenössisches Lexikon
1867Ludwig Schandein, Bavaria, RheinpfalzPfalzAlb, Drückmännchen, Trud, Nachtmare; ElbedritschchenAlb als „Drückmännchen“; Trud/Nachtmaredrücken und treten im SchlafAlb ↔ Trud/NachtmareBesonders wichtig, weil hier pfälzischer Elbedritsch-Komplex und Alb-/Drückmännchen-Kontext erstmals zeitnah nebeneinander stehenA – Primärquelle
1869PalatinaPfalzDrückmännchen, AlbdrudeNachtmahr / Hausgeistnächtliche BedrängnisAlbdrude, DrückmännchenZeigt die Verschmelzung verschiedener Nachtgeisttypen im pfälzischen VolksglaubenA/B – zeitgenössische Quelle
1879K. Christ, „Die Elben (Elfen) als Irrlichter und Wassergeister“WestdeutschlandElbendritsch„neckender Alb“„weil es die Menschen im Schlafe drückt“Elbendritsch = Alb = DrückmännchenBislang der stärkste direkte Primärbeleg für die Verbindung von Elbendritsch und Albdruck-KomplexA – Primärquelle
1885–1892Meyers Konversations-Lexikon, „Drude“DeutschlandDrudeweibliches elbisches Wesen / NachtgeistNachtbedrängnisElbenwesen → Unhold/Hexe/NachtgeistZeitgenössische Synthese der Elb–Drude–Nachtgeist-TransformationA/B – Lexikon
1902C. Kleeberger, „Volkskundliches aus Fischbach i. d. Pfalz“PfalzElfentritschen / Elbetrütsche / ElfentrüdchenVolkswesenausdrücklich Elfen + Truden als mögliche ErklärungEiner der explizitesten älteren Versuche, Elb/Elf und Trud sprachlich zusammenzuführenA – Primärquelle
1925Albert Becker, Pfälzer Volkskunde, S. 121PfalzElbetritschFabel-/Volkswesen„mhd. alp, elbe und trute“; Trude = Alp, Mahr, Alpdruck, EphialtesBesonders wichtig: Becker formuliert bereits eine Alb/Elb + Trud-Deutung, die wesentliche Elemente der heutigen Theorie vorwegnimmtA/B – Forschungsliteratur
1936Fritz Heeger, Volksheilkunde, S. 121DeutschlandAlpdrücken / Alpmythuskörperlicher AngstzustandAngst, Beklemmung, Angstträumemythologische Erklärung aus körperlicher ErfahrungExplizite medizinisch-psychologische Erklärung des Alpmythos aus nächtlichen ZuständenA/B – Forschungsliteratur
1990Leander Petzoldt, Lexikon der Dämonen und Elementargeisterdeutschsprachiger RaumElbentritschNeckgeist / Fabelvogelursprünglicher Dämon im HintergrundElb/Alp + Trut/TrutschExplizite Vorstellung einer Transformation vom Dämon zum NeckgeistB – Sekundärliteratur
2007Karin JungDeutschlandTrüdchen / Trude / Trute / Drudekleine Trude / Hexehistorisch NachtgeistTrude = HexeUnterstützt die historische Trud–Drude–Hexen-LinieB – Sekundärliteratur
2020Banater Deutsches Wörterbuch, Bd. 2, D–F, S. 240–241Banater SchwabenElbentrütschFabeltier, Gespenst, SchreckgestaltKinder werden damit bedrohtVerweis auf DrudeBedeutend für die Diaspora-Überlieferung und die Fortdauer einer schreckenden/dämonischen BedeutungA – Wörterbuchquelle
20./21. Jh.Südhessisches Wörterbuch, WöllsteinRheinhessenElbendritschSchreckgestalt für Kinderindirekter Angst-/BedrohungskontextElb-/ElbendritschZeigt die Fortdauer der Schreckgestalt außerhalb der pfälzischen StandardformA – Dialektquelle
20./21. Jh.Südhessisches Wörterbuch, Ober-HilbersheimRheinhessenElfetrutschelregionale Schreck-/Fabelgestaltsprachliche Nähe zu Elfe + TrudBesonders interessante regionale Form; etymologische Ableitung bleibt hypothetischA – Dialektquelle
Pennsylvania, 19.–20. Jh.Pennsylvania-Dutch-ÜberlieferungPennsylvaniaElbedritsch / Elbedritschhäufig katzenartig / Mischwesen, später auch vogelartigältere Schreck-/Nachtgeistdimension möglichElb-/ElbedritschWichtig für die Diaspora- und Ikonographiegeschichte; Katzenform möglicherweise konservativer, aber „älter“ darf daraus nicht automatisch geschlossen werdenA/B – volkskundliche Überlieferung
20./21. Jh.pfälzische moderne ÜberlieferungPfalzElwedritsch / ElwetritschFabelvogel / Mischwesenkein ernsthafter Nachtmahr mehrhistorische Elb-/Alb-Assoziationen verblasstHumorisierung, Miniaturisierung, Entdämonisierung und Ritualisierung zum JagdwesenB/C – Rekonstruktion

Posted in

Entdecke mehr von Elwedritsche

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen