| 13./14. Jh. | Münchener Nachtsegen, Clm 615 | bairisch/oberdeutscher Raum | alb, elbelin, albes mutir, trute, mar(e) | nächtliche Bedrohungswesen | „Noc mich dy mare druche“, „Noc mich dy trute zciche“ | Alb, Elbelin, Trute und Mare gemeinsam | Einer der frühesten Belege für einen zusammenhängenden Komplex nächtlicher Druck- und Bedrängniswesen | A – Primärquelle |
| 1520–1525 | Lucas Cranach d. Ä., Der Heilige Antonius als Eremit | Sachsen / deutscher Raum | dämonische Nacht-/Versuchungswesen | Dämonen bedrängen den Heiligen | körperliche Bedrängnis als Bildmotiv | ikonographisch an Alb-/Dämonenkomplex anschließbar | Frühneuzeitlicher ikonographischer Kontext; Ähnlichkeit mit späteren Elwedritschdarstellungen jedoch nur analogisch | C – Kontext/Analogie |
| 1616 | Georg Henisch, Teutsche Sprach und Weißheit | Augsburg | Alb/Alp, Nachtmännsel, Wichtel, Nachtrutte, Schrätle, Scherzel, Mahr | Nachtgeister | Krankheit, bei der man meint, im Schlaf gedrückt zu werden; incubus, daemon insultor, ephialtes | ausdrücklich gemeinsamer Artikel „Alb“ | Außerordentlich wichtiger Beleg dafür, dass verschiedene Namen als Varianten eines gemeinsamen Nachtphänomens erscheinen | A – Primärquelle |
| 1616 | Henisch, gleicher Artikel | Augsburg | Katzenglaub | Begriff für Aberglauben | kein spezifischer Schlafdruck | kein direkter Katzendämon | Wichtig für die Begriffsgeschichte, aber kein Beleg für einen katzenartigen Elwedritsch | A – Primärquelle, aber nur Kontext |
| 1664 | Isbrand van Diemerbroeck, Observationes Medicae | Niederlande | nächtlicher Angriff durch Teufel/Hund/Dieb | vermeintlicher Angreifer auf der Brust | Druck, Atemnot, Bewegungs- und Sprechunfähigkeit | dämonische Interpretation eines körperlichen Erlebnisses | Früher detaillierter medizinischer Fall, der phänomenologisch stark an Schlafparalyse erinnert | A – Primärquelle / historische Fallbeschreibung |
| 1668 | Johannes Praetorius, Blockes-Berges Verrichtung | Mitteldeutschland | Alb, Mahr, Ephialtes | Nachtgespenst | Druck, Atemnot, Sprechunfähigkeit, Angst | Alb/Mahr als Gespenst, aber „natürliche Ursachen“ | Übergang von rein dämonologischer zu konkurrierender natürlicher und dämonologischer Erklärung | A – Primärquelle |
| 1668 | Praetorius, gleicher Zusammenhang | Mitteldeutschland | Katzenverwandlung | Hexe/Katze | — | dämonologischer Kontext | Praetorius bezweifelt, dass Hexen sich tatsächlich in Katzen verwandeln; wichtig für die Geschichte der Katzenikonographie | A – Primärquelle |
| 1691–1693 | Balthasar Bekker, De betoverde wereld | Niederlande | Nachtdrücker, Nachtmerrien | nächtlicher Druckgeist | Druck, Atemnot, Angst, sexuelle Erlebnisse, scheinbare Verletzungen | natürliche Erklärung statt dämonischer Verursachung | Sehr wichtiger Schritt der Naturalisation des Nachtmahr-Erlebnisses und Kritik dämonologischer Erklärung | A – Primärquelle |
| 1701 | Christian Thomasius, De crimine magiae | Leipzig | Incubus/Succubus, Teufel, Hexerei | dämonologische Kategorien | körperliche Erscheinung des Teufels wird bestritten | Alb-/Dämonenkomplex wird rationalistisch delegitimiert | Übergang von der Naturalisierung einzelner Phänomene zur Delegitimierung des gesamten Rechtsbegriffs der Hexerei | A – Primärquelle |
| 1731–1754 | Zedler, Universal-Lexicon | Leipzig/Halle | Nachtmahr / Mahr / Alp | Nachtwesen bzw. körperliches Phänomen | nächtliche Bedrängnis | medizinisch-dämonologisches Zwischenfeld | Dokumentiert die fortdauernde lexikalische Existenz des Nachtmahr-Komplexes im 18. Jh. | A/B – zeitgenössisches Lexikon |
| 1791 | Johann Heinrich Füssli, Der Nachtmahr | London / deutschsprachige Kultur | Nachtmahr | dämonische Figur auf dem Schlafenden | Schlaf, Brustdruck, Bedrängnis | ikonographischer Alb-/Mahr-Komplex | Bedeutender ikonographischer Beleg für die Persistenz des Nachtmahr-Motivs unmittelbar vor den Elpentrötsch-Belegen; kein Elpentrötsch-Beleg | A/C – Ikonographie |
| 1795 | Johann Christoph Schmidt, Schwäbisches Wörterbuch | Schwaben | Elpentrötsch, Tölpentrötsch, Trilpentrisch | Wort-/Personenbezeichnung | kein gesicherter direkter Schlafbezug aus dem Beleg selbst | Elpen-/Elb-Bezug in Elpentrötsch | Sehr früher lexikographischer Beleg des Elpentrötsch-Komplexes; entscheidend vor Gräter und Grimm | A – Primärquelle |
| 1800 | Nicolai Abraham Abildgaard, Der Nachtmahr | Dänemark / europäischer Kulturraum | Nachtmahr | Dämon auf Schlafendem | Schlafbedrängnis | Alb-/Mahr-Komplex | Zweiter ikonographischer Beleg unmittelbar vor Gräter; kein Elpentrötsch-Beleg | A/C – Ikonographie |
| 1814 | Friedrich David Gräter, Idunna und Hermode, S. 102 | Schwäbisch/deutscher Raum | Elpendrötsch | zunächst nur Wortbeleg | aus dem knappen Beleg nicht sicher erschließbar | Elpen-/Elbenbezug sprachlich sichtbar | Frühester von uns nachgewiesener konkreter Beleg „Elpendrötsch“; wichtiger als bisher angenommen | A – Primärquelle |
| 1835 | Jacob Grimm, Deutsche Mythologie | Deutschland | ölpetrütsch, alberdrütsch, drelpetrütsch, elpentrötsch, tölpentrötsch, trilpentrisch | „linkischer einfältiger Mensch“ | kein unmittelbarer Schlafbezug | Elbe → Einwirkung → Mensch | Grimm stellt die Formen systematisch zusammen und erklärt: Menschen, „dem die elbe etwas angethan haben“ | A – Primärquelle, aber interpretierend |
| 1827–1837 | Johann Andreas Schmeller, Bayerisches Wörterbuch | Bayern | Alb/Alp, Elbe, Trud/Drud | Trud als weiblicher Druckgeist | Trud sitzt auf Schlafenden, Alp/Alpdruck | Trud = Alp/Alpdruck | Parallelbeleg für die semantische Identität von Trud und Alb im süddeutschen Raum | A – Primärquelle |
| 1853 | Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Nr. 150 „Die Mahr“ | Deutschland | Alp, Trud, Mahr | Nachtgeist | Bedrängnis im Schlaf | explizite Gleichsetzung bzw. Parallelisierung | Bestätigt den großen überregionalen Alb–Trud–Mahr-Komplex im 19. Jh. | A/B – zeitgenössische Sammlung |
| 1858/1860 | Grimm, Deutsches Wörterbuch, Artikel Trud | Deutschland | Trud / Alp | Druckgeist | „daß die trud dich nit drückt, und der alp nit erstickt“ | Trud und Alp gemeinsam | Lexikographische Bestätigung der gemeinsamen Druckfunktion | A – zeitgenössisches Lexikon |
| 1867 | Ludwig Schandein, Bavaria, Rheinpfalz | Pfalz | Alb, Drückmännchen, Trud, Nachtmare; Elbedritschchen | Alb als „Drückmännchen“; Trud/Nachtmare | drücken und treten im Schlaf | Alb ↔ Trud/Nachtmare | Besonders wichtig, weil hier pfälzischer Elbedritsch-Komplex und Alb-/Drückmännchen-Kontext erstmals zeitnah nebeneinander stehen | A – Primärquelle |
| 1869 | Palatina | Pfalz | Drückmännchen, Albdrude | Nachtmahr / Hausgeist | nächtliche Bedrängnis | Albdrude, Drückmännchen | Zeigt die Verschmelzung verschiedener Nachtgeisttypen im pfälzischen Volksglauben | A/B – zeitgenössische Quelle |
| 1879 | K. Christ, „Die Elben (Elfen) als Irrlichter und Wassergeister“ | Westdeutschland | Elbendritsch | „neckender Alb“ | „weil es die Menschen im Schlafe drückt“ | Elbendritsch = Alb = Drückmännchen | Bislang der stärkste direkte Primärbeleg für die Verbindung von Elbendritsch und Albdruck-Komplex | A – Primärquelle |
| 1885–1892 | Meyers Konversations-Lexikon, „Drude“ | Deutschland | Drude | weibliches elbisches Wesen / Nachtgeist | Nachtbedrängnis | Elbenwesen → Unhold/Hexe/Nachtgeist | Zeitgenössische Synthese der Elb–Drude–Nachtgeist-Transformation | A/B – Lexikon |
| 1902 | C. Kleeberger, „Volkskundliches aus Fischbach i. d. Pfalz“ | Pfalz | Elfentritschen / Elbetrütsche / Elfentrüdchen | Volkswesen | — | ausdrücklich Elfen + Truden als mögliche Erklärung | Einer der explizitesten älteren Versuche, Elb/Elf und Trud sprachlich zusammenzuführen | A – Primärquelle |
| 1925 | Albert Becker, Pfälzer Volkskunde, S. 121 | Pfalz | Elbetritsch | Fabel-/Volkswesen | — | „mhd. alp, elbe und trute“; Trude = Alp, Mahr, Alpdruck, Ephialtes | Besonders wichtig: Becker formuliert bereits eine Alb/Elb + Trud-Deutung, die wesentliche Elemente der heutigen Theorie vorwegnimmt | A/B – Forschungsliteratur |
| 1936 | Fritz Heeger, Volksheilkunde, S. 121 | Deutschland | Alpdrücken / Alpmythus | körperlicher Angstzustand | Angst, Beklemmung, Angstträume | mythologische Erklärung aus körperlicher Erfahrung | Explizite medizinisch-psychologische Erklärung des Alpmythos aus nächtlichen Zuständen | A/B – Forschungsliteratur |
| 1990 | Leander Petzoldt, Lexikon der Dämonen und Elementargeister | deutschsprachiger Raum | Elbentritsch | Neckgeist / Fabelvogel | ursprünglicher Dämon im Hintergrund | Elb/Alp + Trut/Trutsch | Explizite Vorstellung einer Transformation vom Dämon zum Neckgeist | B – Sekundärliteratur |
| 2007 | Karin Jung | Deutschland | Trüdchen / Trude / Trute / Drude | kleine Trude / Hexe | historisch Nachtgeist | Trude = Hexe | Unterstützt die historische Trud–Drude–Hexen-Linie | B – Sekundärliteratur |
| 2020 | Banater Deutsches Wörterbuch, Bd. 2, D–F, S. 240–241 | Banater Schwaben | Elbentrütsch | Fabeltier, Gespenst, Schreckgestalt | Kinder werden damit bedroht | Verweis auf Drude | Bedeutend für die Diaspora-Überlieferung und die Fortdauer einer schreckenden/dämonischen Bedeutung | A – Wörterbuchquelle |
| 20./21. Jh. | Südhessisches Wörterbuch, Wöllstein | Rheinhessen | Elbendritsch | Schreckgestalt für Kinder | indirekter Angst-/Bedrohungskontext | Elb-/Elbendritsch | Zeigt die Fortdauer der Schreckgestalt außerhalb der pfälzischen Standardform | A – Dialektquelle |
| 20./21. Jh. | Südhessisches Wörterbuch, Ober-Hilbersheim | Rheinhessen | Elfetrutschel | regionale Schreck-/Fabelgestalt | — | sprachliche Nähe zu Elfe + Trud | Besonders interessante regionale Form; etymologische Ableitung bleibt hypothetisch | A – Dialektquelle |
| Pennsylvania, 19.–20. Jh. | Pennsylvania-Dutch-Überlieferung | Pennsylvania | Elbedritsch / Elbedritsch | häufig katzenartig / Mischwesen, später auch vogelartig | ältere Schreck-/Nachtgeistdimension möglich | Elb-/Elbedritsch | Wichtig für die Diaspora- und Ikonographiegeschichte; Katzenform möglicherweise konservativer, aber „älter“ darf daraus nicht automatisch geschlossen werden | A/B – volkskundliche Überlieferung |
| 20./21. Jh. | pfälzische moderne Überlieferung | Pfalz | Elwedritsch / Elwetritsch | Fabelvogel / Mischwesen | kein ernsthafter Nachtmahr mehr | historische Elb-/Alb-Assoziationen verblasst | Humorisierung, Miniaturisierung, Entdämonisierung und Ritualisierung zum Jagdwesen | B/C – Rekonstruktion |