Von Michael Werner (2024)

Die Elwedritsch – auch Elwetrittche, Elbedritsch, Ilwedritsch; in der Mehrzahl Elwedritsche(n) – ist ein imaginäres vogelähnliches Geschöpf, von dem in Südwestdeutschland (und hier vor allem in der Pfalz und angrenzenden Regionen) berichtet wird. Das Verbreitungsgebiet ist im Wesentlichen deckungsgleich mit der historischen Kurpfalz. Mit Auswanderern gelangte der Glaube an die Existenz von Elwedritschen im 18. Jahrhundert auch nach Osteuropa und Nordamerika (Pennsylvania) sowie im 19. Jahrhundert nach Südamerika (Brasilien).
Die Elwedritsch ist als lokale Ausprägung zu vergleichbaren imaginären Geschöpfen anderer Regionen anzusehen (vgl. Wolpertinger).
Wie die Elwedritsch aussieht
Elwedritsche werden als im weitesten Sinne hühnerähnlich beschrieben. Sie sollen flugunfähig sein und werden oft mit langem Schnabel abgebildet. In Pennsylvania zeigen Darstellungen oft einen katzenartigen Kopf. Manchmal haben sie in Abbildungen auch ein Hirschgeweih, oft sechs Beine. Den Darstellungen gemein ist, dass Elwedritsche Bestandteile verschiedener Tiere in sich vereinen.
Warum die Elwedritsch entstanden ist
In früheren Zeiten hatten die Menschen Angst vor der Nacht. Sie war dunkel und unheimlich. Geräusche und Bewegungen wurden aufmerksam verfolgt, denn es konnte Gefahr drohen. Auch starben viele Menschen während der Nacht – Alte an Herzinfarkten, Säuglinge an plötzlichem Kindstod, Schwangere und Wöchnerinnen. In dieser Situation beobachteten manche Menschen an sich selbst ein Phänomen, das man heute „Schlafparalyse“ (Schlaflähmung) nennt. Schlafende sind bewegungsunfähig – hierbei handelt es sich um einen Schutzmechanismus der Evolution. Die Schlafparalyse entsteht, wenn Betroffene im Aufwachprozess zu früh das Bewusstsein erlangen und damit die Lähmung bewusst wahrnehmen. Dies wird als Kontrollverlust empfunden. Während einer Schlafparalyse sind die Augen geöffnet. Schlafende können nur ihre Atmung kontrollieren und nicht sprechen. Häufig nehmen sie auch Geräusche oder Bilder wahr und haben bisweilen das Gefühl, jemand Fremdes sei im Raum. Betroffene berichten in diesem Zusammenhang von Ängsten und Schmerzen. Erste Symptome einer Schlafparalyse treten meist in der Kindheit oder Jugend auf, nehmen jedoch mit voranschreitendem Alter ab. Während in früheren Zeiten ein Druckdämon verantwortlich gemacht wurde, sprechen Kinder heute eher von „Monstern unter dem Bett“, Erwachsene verweisen in seltenen Ausnahmefällen auf eine „Entführung durch Aliens“. Um die Angst zu bearbeiten und zu verarbeiten, wurde sie externalisiert – das heißt, sie wurde einem Dämon zugeschrieben, der für das alle verantwortlich sein sollte. Die Vorstellung war, dass sich „nächtlicher Druckdämon“ sich auf die Brust von Schlafenden setzt und ihnen die Luft zum Atmen nimmt. Im deutschen Sprachraum gaben die Menschen ihm unterschiedliche Namen: Mahr, Nachtmahr, Alb, Drude, Albdrude, Druddekopp, Trotterkopf, Schrettele und andere mehr. Dieses Phänomen tritt weltweit auf, so dass auch überall auf der Welt unterschiedliche Angstverarbeitungsstrategien nachweisbar sind. In vielen Fällen entstand ein Dämon.
Wie die Elwedritsch entstanden ist
Urängste wie der Kontrollverlust während des Schlafes können bearbeitet werden, indem man dem vermeintlichen Dämon zunächst einen Namen und eine Gestalt zuweist. Ist dies vollzogen, wird der Dämon „geschrumpft“, was sich menschlichen Gesellschaften unbewusst und über einen langen Zeitraum vollzieht. Im Fall der Elwedritsche geschah dies einerseits, indem die Menschen den Begriff „Albdrude“ über Zwischenformen wie „Albdrudche“ und „Elbentrötsch“ schließlich zu „Elbedritsch“ und „Elwedritsch“ sprachlich miniaturisierten. Dies geschah möglicherweise unter Einwirkung des – wie im Falle der Drude mindestens seit dem ausgehenden Mittelalter bekannten – Begriffs „Drutschel“ (bzw. „Drütschel“), der sowohl „unansehnliche Frau“ als auch „kleines Kind“ (dann als Kosewort) bedeuten kann. Ein alternativer Weg von pfälzisch „Albdricke“ (Albdrücken) führte von „Albdruck“ über „Albdrickche“ und „Albedrickche“ bzw. „Albedrickelche“ letztlich zum selben Ergebnis. Andererseits wurde die übermächtige Gestalt selbst verkleinert, indem man den Dämon auf einen hühnerartigen Vogel reduzierte. Bei alldem kann ein zusätzlicher semantischer Einfluss von fhnd. „albern“ („vernunftlos handeln“, 16. Jh.) im Transformationsprozess nicht ausgeschlossen werden.
Die Abspaltung der Elwedritsch von der Albdrude hat sich zeitlich vermutlich im 17. Jahrhundert vollzogen. Als pfälzische Auswanderer 1709 in Irland und ab diesem Zeitpunkt über mehrere Jahrzehnte in Pennsylvania ankamen, war die Elwedritsch bereits auf Hühnergröße geschrumpft und im „kulturellen Reisegepäck“. Die Angst vor der Albdrude bestand in sehr ländlichen Regionen (z.B. im Pennsylvania Dutch Country in der Bezeichnung “Druddekopp”) parallel bis ins 20. Jahrhundert hinein weiter.
Frühe Quellen
Die wichtigste frühe Textquelle für das Verständnis der dämonischen Vorläufer der Elwedritsch ist der Münchener Nachtsegen aus dem 13./14. Jahrhundert. In dieser mittelhochdeutschen Beschwörungsformel werden verschiedene Nachtwesen wie Albe, Druden und die „Mare“ (Nachtmahr) angerufen, um sie vom Schlafenden fernzuhalten.
Warum die Elwedritsch aussieht, wie sie aussieht
Die Fähigkeit einer sich wandelnden Gestalt wird deutlich gemacht, indem das auf diese Weise entstandene Wesen Körperteile verschiedener Tiere in sich vereinigt: Schwimmfüße von Enten sowie Flügel von Vögeln. Die Botschaft heißt hier: Der Dämon kann laufen, fliegen und schwimmen – damit ist er kaum aufzuhalten. Der Aspekt einer unendlich hohen Geschwindigkeit, mit der sich die Elwedritsch bewegen kann und sie für Menschen letztlich unsichtbar macht, wird oft durch die Abbildung von sechs Beinen dargestellt. Schon in germanischer Zeit wurde Wodans (im Nordischen: Odin) Fähigkeit, unendlich schnell reisen zu können und damit allumfassend und allgegenwärtig zu sein, unter anderem durch die acht Beine seines Pferdes “Sleipnir” visualisiert.
Besonders bedeutsam für die Ikonographie der Elwedritsch ist die Passage: „alb mit diner crummen nasen“ im Münchener Nachtsegen. Diese Beschreibung eines Albs mit einer „krummen Nase“ kann als ikonographischer Vorläufer des charakteristischen gebogenen Schnabels der Elwedritsch interpretiert werden. Zudem zeigt der Segen, dass man sich diese Wesen damals in sozialen Strukturen (mit Vätern, Müttern und Schwestern) vorstellte, was die spätere Erzähltradition über Elwedritschen-Sippschaften prägte. Ganz nebenbei zeigt sich hier, dass der christliche Glaube ebenso wie der gemeine Volksglaube (Aberglaube) hochwirksame Werkzeuge der Angstverarbeitung waren. Strukturell können sie als gleichwertig gelten, weil beide in der Lage waren, Kontrollgewinn zu produzieren.
Wohin die Elwedritsch verjagt wurde
Schlussendlich wurde das nun „lächerliche“ Geschöpf in Bereiche verbannt, die fern vom Wirkungsbereich der Menschen entfernt waren: In den Wald, in die Nacht, in die winterliche Kälte. Dort, in den Randbereichen der menschlichen Existenz, fand sie ihre Nische.
Wie die Elwedritsch dauerhaft abgewehrt wird
Abwehrmaßnahmen gegen Dämonen auf dem Bauernhof erfolgten weit überwiegend unter Nutzung von Symbolen. Diese wurden über Fenstern und Türen angebracht, um das Böse am Eindringen zu hindern. Die Vorstellung war, dass Symbole wie ein Hexagramm (Hexafoil) oder ein „Drudenfuß“ (Pentagramm), die keinen Anfang und kein Ende haben und damit „unendlich“ und „perfekt“ sind, das Dämonische („Unperfekte“) abhalten kann. Das Böse sollte sich in der unendlichen Linienstruktur wie in einem Spinnennetz verfangen. Nur in wenigen Fällen sind z.B. in Pennsylvania bildliche Darstellungen von Albdruden überliefert. Diese finden sich dann im Umfeld von Getreidespeichern oder direkt an Fruchtkammertüren und stellen Sonderfälle dar. Man erwartete hiervon am wichtigsten Gut der Bauersfamilie – Ernte und Vorräten – eine besonders apotropäische (abwehrende) Wirkung. Die Darstellungen zeigen die Gestaltwandlerin mit Flügeln, Klauen und Hörnern. Beim Kopf gibt es sowohl vogelartige als auch katzenartige Versionen. Bei diesen eher selten dokumentierten Fällen soll der Dämon durch sich selbst abgehalten – das Böse also mit dem Bösen vertrieben – werden. Dieser Sachverhalt ist von besonderer Bedeutung, weil es zeigt, dass die Elbedritsch mit dieser Maßnahme vom Haus ferngehalten werden sollte. Sie war eine Gefahr, die man abwehren musste – sie war kein Phänomen des Waldes (wie heute), sondern eines, das sich im Umfeld von Haus und Hof manifestierte. In den Wald kam sie erst mit der Verbannung.

Warum die Elwedritsch auch gejagt wird
Der Brauch der Elwedritsche-Jagd hat seine Wurzeln im sogenannten „Trotterkopf“-Spruch („Druddekopp-Schpruch“). Hierbei handelt es sich um eine alte magische Beschwörungsformel, die helfen sollte, Druden (Hexen) zu bannen. Sie entspringt der Tradition des Gesundbetens, das in den südlichen Regionen Deutschlands „Braucherei“ genannt wurde. Mit Worten, Kräutern und Gegenständen (oft Seilen) wurden Kranke behandelt und Schutzhandlungen durchgeführt. Im Trotterkopf-Spruch erhielt der Dämon Aufgaben zugewiesen, die ihn lange Zeit in Anspruch nehmen und räumlich in weit entfernte Länder führen sollte. Letztlich wurde er vor fast unlösbare Aufgaben gestellt und damit zumindest für eine längere Zeit gebannt. Auch bei der Elwedritsche-Jagd werden unlösbare Aufgaben verteilt. Ein Unwissender soll, ausgestattet mit Sack und Laterne, auf einer Lichtung stehend Elwedritsche fangen, die es nicht gibt. So wird der mit dem Brauch nicht Vertraute ebenfalls – zumindest für einen längeren Zeitraum – gebannt. Die Jagd stellt gleichsam eine Umkehr der Machtsituation dar: War es zuvor die Albdrude, die einen während der Nacht heimsuchte, wird die Elwedritsch jetzt von den Menschen gejagt. Durch all die beschriebenen Mechanismen – Namensgebung, Gestaltgebung, Miniaturisierung plus Jagd – wird die Urangst vor dem absoluten Kontrollverlust während des Schlafes gebannt. Am Ende steht Kontrollgewinn, was zu einer Verbesserung der Lebenssituation der Menschen beiträgt.
Was Tritschologie ist
Aus der Unkenntnis der kulturhistorischen Zusammenhänge entstand im Verlauf des 20. Jahrhunderts die sehr vergnügliche pseudo-wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema „Elwedritsche“, die “Tritschologie” genannt wird. Allerlei vermeintliche Entstehungsgeschichten wurden erfunden, die imaginäre Spezies des geheimnisvollen Tiers liebevoll beschrieben und um immer weitere Varianten erweitert. Im Grunde handelt es sich hierbei um eine Fortsetzung des Prozesses, der sich mit dem Übergang von der Albdrude zur Elwedritsch vollzogen hat. Das Unbekannte macht Angst. Deshalb sollen erfundene Geschichten das Unerklärliche letztlich erklärbar machen – auch wenn hier jeder tritschologische Ansatz letztlich scheitern muss. Tritschologie ist Tritschologie – und Wissenschaft ist Wissenschaft. Der Satz “Tritschologie ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit Elwedritsche”, den man manchmal liest, ist aber schlicht falsch. Die Technik der Elwedritsche-Jagd ist immer weiter verfeinert worden. Heute spielt in vielen Fällen der Genuss von Alkohol eine Rolle, was wiederum gut zum wirklichen kulturhistorischen Hintergrund passt. Geht es doch darum, die Urangst vor der Nacht und dem Kontrollverlust während des Schlafes aktiv zu verarbeiten.
In der Pfalz kann man den Elwedritschen auf die Spur kommen. Besonders bekannt sind der “Elwetritsche-Brunnen” in Neustadt an der Weinstraße und der “Elwetritsche-Weg” (Wanderweg) im Dahner Felsenland. Vermeintliche Elwedritsch-Gehege sind in den Zoos von Landau und Kaiserslautern zu sehen. Das Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim zeigt seinen Gästen in einer Vitrine eine präparierte Elwedritsch.
Warum man das Elwedritsch-Phänomen in einem europäischen Kontext sehen muss
Das deutsche Wort „(Nacht-)Mahr“ findet sich überall in Europa: In Frankreich als „cauchemar“ (Albtraum), in England als „nightmare“ (Albtraum) und im slawischen Raum als „Mora“. Es liegt nahe, dass eine sprachliche Verwandtschaft besteht, die auch eine kulturelle Verwandtschaft umfasst. Dafür spricht, dass sich auf „erfolglose Spaßjagden“ überall in Europa nachweisen lassen. Nachgewiesen sind humorvolle „Mora/Mara-Fänge“ im Slawischen sowie Jagden auf die „Gatta Mora“ (Italien), den „Dahu“ (Frankreich) und den „Gamusinos“ (Spanien, Portugal). Es finden sich auch überall dieselben Abwehrsymbole und ähnliche Bannsprüche. Was im germanischen, slawischen und romanischen Raum bekannt ist, könnte sich im Rahmen des Kulturaustauschs zwischen diesen Gruppen verbreitet haben – möglicherweise in der Eisenzeit im ersten Jahrtausend vor Christus. Man muss aufgrund einer nur lückenhaften Belegkette auch einkalkulieren, dass all diese kulturellen Muster unabhängig voneinander entstanden sind und sie nichts miteinander zu tun haben. Dies ist aber aufgrund der vorhandenen Indizien nur wenig wahrscheinlich.
Warum man das Elwedritsch-Phänomen auch in einem indoeuropäischen Kontext sehen kann
Die Vorstellung eines nächtlichen „Druckdämons“ (Schlafparalyse-Dämon), der sich auf die Brust des Schlafenden setzt und Atemnot sowie Panik erzeugt, ist in fast allen indoeuropäischen Kulturen mit auffallend ähnlichen Namen und Merkmalen belegt. Die Indoeuropäer sind Menschen, deren ursprüngliche Heimat südlich des Kaukasus und im nördlichen Iran verortet wird. Von dort aus breiteten sie sich im Rahmen der Sesshaftwerdung (Neolithische Revolution) vor etwa 8000 Jahren nach Westen (Europa) und Osten (Indien) aus. Deshalb besteht heute zwischen 445 indoeuropäischen Sprachen eine Verwandtschaft, die sich in Ähnlichkeiten in Wortschatz und Grammatik ausdrückt.
Die indoeuropäische Linguistik hat eine proto-indoeuropäische weibliche Dämonin *mór-eh₂ / *mr̥-h₂ „die Quälerin, die Erdrückende“ identifiziert und verortet ihren Ursprung in der indoeuropäischen Yamnaya-Kultur (ca. 3300-2600 v. Chr.). Die Ähnlichkeiten mit „Mora“ bzw. „Mahr“ sind evident. Folgt man diesem Indiz, so kann man die Entstehung der Elwedritsch auch in einem indoeuropäischen Kontext sehen. Damit würden ihre Ursprünge im Kontext der Sesshaftwerdung liegen, als es erstmals wichtig wurde, das eigene Heim dauerhaft gegen den nächtlichen Einfluss des Bösen zu schützen. Wichtig ist, dass bei dieser Perspektive nur noch mit Indizien argumentiert werden kann. Eine lückenlose Belegkette wird nicht zu finden sein. Damit ist ein Nachweis im wissenschaftlichen Sinn auch nicht möglich. Weil die Geschichte aber mit Argumenten plausibel erzählt werden kann, soll sie hier im Folgenden auch dargestellt werden. In allen Fällen sind Übernahmen von einer Kultur in eine andere nicht als simple Kontinuität zu verstehen, sondern eher als Transformation, Umdeutung oder auch Diffundierung. Dies ist vor allem für den germanisch-christlichen Kontakt relevant. Der Motor des Prozesses ist die Memetik.
Warum der Stammbaum der Elwedritsch vielleicht 8000 Jahre zurückreicht: Eine mögliche Geschichte
Beim Glaube an Elwedritsche handelt es sich um ein kulturelles Muster, dessen Wurzeln in der Zeit der Neolithischen Revolution liegen könnten. Der Prozess, in dessen Verlauf aus Jägern und Sammlern über einen längeren Zeitraum hinweg Bauern und Viehhirten wurden, vollzog sich räumlich zuerst im „fruchtbaren Halbmond“ Vorderasiens zwischen 9500 und 7000 vor Christus. Die Wurzeln der Indoeuropäer reichen bis etwa 6000 v. Chr. zurück. Mit der sesshaften Lebensweise entstanden neue Anforderungen: der Schutz des Eigentums und die Sicherung des eigenen Lebens gegen schädliche äußere Einflüsse wie Hunger, Krankheiten und Tod an einem konstanten Ort. Während der erste Aspekt zum Entstehen des Patriarchats beitrug, begünstigte der zweite Aspekt das Entstehen von differenzierten Götterwelten. Für jede Unbill des Lebens wurden andere Gottheiten angebetet und durch Opfergaben gnädig gestimmt. In den späteren Kulturen der Babylonier, Sumerer und Assyrer lassen sich Nachweise hierfür finden. Gleichzeitig gingen die Menschen davon aus, dass Handlungen und Worte eine magische Wirkung entfalten konnten, was zum Glauben an Schutz- und Schadzauber führte. Spuren davon finden sich auch in christlichen, jüdischen und islamischen Texten.
In diesem Kontext ist die spezielle Absicherung des eigenen Hauses und der Schlafstätten gegen schädliche äußere Einflüsse während der Nacht zu sehen, wenn die Menschen schliefen. Von den Gottheiten glaubte man, dass sie zur Strafe eines Menschen selbst oder durch von ihnen geschickte Boten als Gestaltwandler in die Schlafstuben gelangen konnten – sei es geflügelt durchs Fenster, als Nebelhauch durch Türritzen oder auch als Feder von der Decke schwebend. Auf dem Bett, so der Glaube, hockten sie sich auf die Brust eines Schlafenden und drückten ihn – das Ergebnis konnte ein Albtraum sein, im schlimmsten Fall jedoch auch der Tod. Manche sehen die sumerische Dämonin Lilith, deren volksetymologische Namensdeutung „die Nächtliche“ bedeutet, als Verantwortliche für nächtliche Herzinfarkte und plötzlichen Kindstod. Andere sehen eine Verbindung zur sumerischen Muttergöttin Lamashtu. Verbindungen gibt es auch zum mesopotamischen Dämon Alû. Vermutlich hatte das Phänomen mehrere Wurzeln. Man sicherte sich ab, indem man bestimmte Symbole an Betten, Türen und Fenster malte und abwehrende Beschwörungsformeln aufsagte.
Der Glaube an strafende Gottheiten oder deren schädigende Abgesandte verbreitete sich mit den Wanderungsbewegungen der indoeuropäischen Völker ab etwa 6000 v. Chr. ausgehend von einer Region im fruchtbaren Halbmond (heute im nördlichen Iran gelegen) nach Westen in Richtung Europa und nach Osten in Richtung Indien.
In der Eisenzeit – in Mittel- und Nordeuropa etwa zwischen 750 v. Chr. und dem Jahr 0 – manifestierte sich das hier beschriebene kulturelle Muster bei den germanischen Stämmen im Glauben an eine Götterwelt, in der die Götter ebenfalls Strafen an Menschen vollzogen, die die geltenden Regeln missachteten. Sie konnten selbst als Gestaltwandler jede Form annehmen, durch die Luft fliegen und als Nebelhauch durch die kleinsten Ritzen gelangen. Sie konnten aber auch sogenannte Dunkelalben aus dem Wurzelwerk des germanischen Weltenbaums „Yggdrasil“ beauftragen, diese Aufgabe zu erfüllen. Gottheiten wie Alben hockten sich auf schlafende Menschen und drückten sie, so dass sie keine Luft mehr bekamen.
Mit der Christianisierung der Germanen zwischen dem 4. Jahrhundert und der Zeit Karls des Großen im 8. Jahrhundert trat der Glauben an Alben sukzessive in den Hintergrund. Die Albträume jedoch blieben. Im Verlauf der nachfolgenden Jahrhunderte entwickelte sich aus der ursprünglichen Gottesstrafe ein Menschenfluch. Jetzt sollten Mitglieder des Dorfes – meist Menschen, die am Rande der Gesellschaft standen und besonders oft Frauen – für nächtliche Albträume verantwortlich sein. Der Glaube an hexenartige Wesen breitete sich aus, die der Volksmund „Trut/Drud“ (männlich) bzw. „Trude/Drude“ (weiblich) nannte. Auch sie sollten gestaltwandelnd zu ihren Opfern gelangen, durch die Luft fliegen und durch Ritzen des Hauses zu ihren Opfern gelangen, um sie zu schädigen. Symbole wie Pentagramme und Hexagramme sowie Beschwörungsformeln sollten sie abhalten.
Während dem Volksglauben nach Hexen sich willentlich dem Teufel ergeben hatten und deshalb nicht erlöst werden konnten, wurden Menschen zum Beispiel durch Missgeschicke wie einem Versprecher des Pfarrers bei der Taufe zur Drude. Deshalb konnte die Drude erlöst werden, zum Beispiel indem man ihr ein Huhn übergab, das sie totdrücken konnte. Der Höhepunkt der Hexenverfolgungen lag in Europa in den Jahren zwischen 1550 und 1650.
Über viele Generationen entwickelte sich aus dem älteren Glauben an Alben und dem jüngeren Glauben an Druden in den Regionen entlang des Rheins letztlich neben den Begriffen „Albdruck“ bzw. „Albdrücken“ auch das Wort „Albdrude“ (in der Schweiz und Österreich wie auch in Norddeutschland oft „Mahr“ bzw. „Nachtmahr“ genannt, vgl. engl. „nightmare“). Ein entsprechender weiblicher Vorname („alb“ = weiß, „trud“ = stark) ist in frühen Urkunden des Klosters Weissenburg (Elsass) in den Varianten „Albthruda“ (774 n. Chr.) und „Albdrud“ (788 n. Chr.) belegt. Der Begriff „Alptrude“ findet ab dem 19. Jahrhundert auch in literarischen Texten, etwa im „Deutschen Sagenbuch“ (1853) von Ludwig Bechstein. Im Pfälzischen Wörterbuch sind die Einträge „Albdricke“ bzw. „Alwedricke“ vermerkt.
Zusätzlich stimuliert wurde diese Entwicklung möglicherweise durch die Gründung jüdischer Gemeinden ab dem 10. Jahrhundert in Mainz, Worms und Speyer (SchUM-Städte). Lilith spielte auch hier in Verbindung mit Toden von Säuglingen eine Rolle. Man schützte sich vor dem Dämon mit Symbolen, Amuletten und Sprüchen. In einigen Gemeinden erreichte der Anteil jüdischer Mitbürger im 19. Jahrundert sogar fast 30%. Insgesamt lag die Quote mit 2% – 4% deutlich höher als in den meisten Gegenden des Deutschen Reiches. Christliche und jüdische Nachbarn fürchteten sich vor demselben schädigenden Einfluss und pflegten Abwehrmaßnahmen. Man darf hier aber auch nicht die Augen vor einer anderen – allerdings rein hypothetischen – Deutungsmöglichkeit verschließen: Dem Einfluss der antisemitischen Ritualmordlegende. Der auch als „Blutanklage“ bekannte Vorwurf entstand im Mittelalter und wurde von der Kirche verbreitet. Die ersten bekannten Vorwürfe stammen aus dem 12. Jahrhundert in England. Die Legenden behaupteten, dass Juden insbesondere während des Pessachfestes christliche Kinder entführten und ermordeten, um deren Blut für die Zubereitung von Matzen zu verwenden. Die Behauptungen waren falsch, grausam und führten zu massiven Gewalttaten gegen jüdische Gemeinschaften. Die Ritualmordlegende führte zu Pogromen und Verfolgungen ebenso wie zur Verbannung – also dem Ausschluss und der Vertreibung – von Juden aus den städtischen bzw. dörflichen Gemeinschaften. Nun muss zusätzlich berücksichtigt werden, dass der klassische Judenhut des Mittelalters nach Pestereignissen im 14. Jahrhundert zum Stigma wurde und sich ikonographisch zum Erkennungszeichen z.B. von Zauberern entwickelte. Von hier war es nur noch ein kleiner Schritt zum heute bekannten spitzen Hexenhut.
Die Veränderung von städtischen zu eher ländlich geprägten Siedlungsstrukturen setzte bei jüdischen Gemeinden – stimuliert durch Pogrome – ab dem 15. Jahrhundert ein. Das Landjudentum entstand vornehmlich in kleinen Grafschaften, die sich den Schutz der jüdischen Gemeinden mit entsprechendem Schutzgeld bezahlen ließen. Hier lebten Juden nicht mehr in gesonderten städtischen Bezirken, sondern Tür an Tür mit christlichen Nachbarn.
Mit der Reformation gerieten jüdische Gemeinden zusätzlich unter Druck. Martin Luther war im Alter definitiv kein Judenfreund. Er empfahl, ihre Synagogen anzuzünden und die Menschen auszuweisen. 1543 verfasste er die Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ und 1546 predigte er vier Tage vor seinem Tod zum Thema „Vermahnung wider die Juden„.
Dies alles wirft noch einmal ein anderes Licht auf das Thema Elwedritsche: Möglicherweise entstand die Elwedritsch im Verlauf des 17. Jahrhunderts nicht als gemeinschaftliches Abwehrverhalten von christlichen und jüdischen Nachbarn im Rheintal, sondern unter Einfluss des Judentums als christliches Abwehrverhalten, welches das Böse aus der Dorfgemeinschaft verbannen wollte. In dieser Interpretation wäre mit der Verbannung der Albdrude bzw. Lilith in Form der Elwedritsch gleichzeitig die Verbannung jüdischer Gemeinden – also des vermeintlich Fremden – aus der örtlichen Gesellschaft mit konnotiert.
„Incubus“ und „Succubus“ sind mit dem Nachtalb verwandte Konzepte, bei denen der erotische Aspekt dominiert. Als „Incubus“ (von lateinisch: incubare für „oben liegen“, „ausbrüten“), wird in der Mythologie ein Albträume verursachender Dämon bezeichnet, der sich nachts mit einer schlafenden Frau paart, ohne dass diese etwas davon bemerkt. Das weibliche Gegenstück wird „Succubus“ Ein Succubus stiehlt unbemerkt den Samen des schlafenden Mannes. Die ältesten Erwähnungen von Phänomenen dieser Art stammen aus Mesopotamien. Bereits im sumerischen Gilgemesch-Epos (entstanden zwischen 2100 und 1600 v. Chr.) tauchen Belege für einen weiblichen Dämon mit Namen „Lilu“ bzw. „Lilutu“ auf. Dieser Dämon steht einerseits für Verführung, andererseits für Krankheit und Tod. Besonders Schwangere und Frauen im Wochenbett sind gefährdet, weil die ungeborenen bzw. gerade geborenen Kinder das Ziel der Angriffe sind. Die ebenfalls in Mesopotamien beheimatete „Lamashtu“ (ca. 2000 – 1600 v. Chr.) agierte als Gefährderin von Schwangeren, Wöchnerinnen und Säuglingen. Sie tötete Kinder, sobald sie ihrer habhaft wurde.
Einordnung
Elwedritsche waren – jedenfalls ursprünglich – keine Fabeltiere oder fantastische Tierwesen. Zu Letzterem haben sie sich erst seit der Veröffentlichung der Harry-Potter-Bücher entwickelt (vgl. J.K. Rowling: „Phantastische Tierwesen & wo sie zu finden sind, 2001). Dieses Faktum ist ein Argument dafür, dass dieses kulturelle Muster auch heute einem ständigen Wandel unterliegt. Ursprünglich jedoch waren Elwedritsche “Personifikationen vom Menschen gebändigter Urängste“, die in den Wald verbannt worden sind.
Statt von einem „kulturellen Muster“ spricht die Wissenschaft auch von einem „Mem“. Hierbei handelt es sich um ein im Gehirn gespeichertes, ins Bewusstsein rufbares Informationsmuster (z.B. ein Gedanke, ein Lied, ein Märchen, ein Brauch). Das Mem kann durch Kommunikation weitergegeben werden – über Generationen hinweg und große Distanzen. Meme unterliegen hierbei einer soziokulturellen Evolution. Im Weitergabeprozess kommt es zu „Mutationen“. Meme teilen sich, verändern sich im Anschluss an verschiedenen Orten in unterschiedlicher Weise und bilden auf diese Weise über die Zeit ein Geflecht von Mustern, bei denen die Verwandtschaft zum Teil nur noch schwer erkennbar ist. So können Elwedritsche im Alpenraum des 16. und 17. Jahrhunderts etwas anderes sein als im Pennsylvania des 18. und 19. Jahrhundert – und in der Pfalz des 20. und 21. Jahrhunderts. Und doch sind sie durch einen gemeinsamen Kern verbunden. Will man zu diesem Kern durchdringen, muss man sich zeitlich und räumlich „rückwärts“ bewegen und damit der indoeuropäischen Migration zu ihrem Ursprung im fruchtbaren Halbmond folgen. Dort ist entstanden, was wir heute als Elwedritsch kennen. Das zugrundeliegende Ur-Mem des Phänomens lautet: „Wie besiege ich die Urangst vor dem Kontrollverlust während des Schlafs?“ Alles, was sich entwickelt hat, ist letztlich eine Antwort auf diese Frage.

Methodik
Um zu dieser Beweisführung zu gelangen, wurden die Disziplinen Medizin, Psychologie, Linguistik und Volkskunde integrativ miteinander verbunden. Mit Hilfe der Theorie der Memetik, die in diesem Fall linguistisch gesicherte Verwandtschaftsbeziehungen zwischen indoeuropäischen Sprachen auf andere kulturelle Muster überträgt, konnte die Spur der Elwedritsche räumlich und zeitlich zurückverfolgt werden. Dieser psychologisch-memetische Ansatz war der Schlüssel zur Lösung des ewigen Rätsels. Die wesentlichen Punkte seien abschließend nochmal gelistet:
- Elwedritsche sind kein reines Fabelwesen, sondern die kulturelle Manifestation universeller Urängste – insbesondere der Schlafparalyse.
- Die Erklärung verbindet neurophysiologische Beschwerden (z.B. Lähmung, Druck im Brustbereich) mit kognitiven Mechanismen wie Agentendetektion und Projektion, so dass Menschen Empfindungen dieser Art als „bewusst erfassbares Wesen“ deuten.
- In einem kulturellen Transformationsprozess wurde der Dämon geschrumpft und in einen Bereich verbannt, der nicht den Menschen zugeordnet war (hier: in den Wald).
- Bei der Beweisführung wird ein memetisches Modell angewandt: Mit den Wanderungsbewegungen der Indoeuropäer breiteten sich Sprache und kulturelle Muster („Meme“) vom nördlichen Iran nach Westen und Osten aus. Damit bewegte sich auch die Vorstellung von nächtlichen Druckdämonen durch Raum und Zeit. Die kulturellen Muster – Meme – veränderten sich, variierten, wurden selektiert und stabilisierten sich durch Einführung mit ihnen verbundener Bräuche und Rituale. (Wichtig: Dieser Teilaspekt ist aufgrund seiner Komplexität und der aufgrund des langen Zeitraums auch notwendig langen Belegkette kaum wissenschaftlich zu validieren. Er bleibt eine plausible Hypothese – nicht mehr, aber auch nicht weniger).
Abschließend sei erwähnt, dass es als Beweis Ansatzes „Elwedritsch = Nachfahrin eines nächtlichen Druckdämons“ sogar ein „smoking gun“ gibt, das heißt einen schriftlichen Quellenbeleg, der die Elwedritsche eindeutig als gefährliche Wesen charakterisiert, die in der Nacht zur Gefahr werden. Die Zitate finden sich im „Wörterbuch der banaterdeutschen Mundarten“ auf Seite 240-241. Die Belege des Wörterbuches mit dieser auslandspfälzischen Auswanderermundart wurden zwischen 1957 und 1985 gesammelt und damit in einer Zeit, in der Elwedritsche in der Pfalz schon lange als lustiges Fabelwesen betrachtet wurden. Wie in Pennsylvania bei den Pennsylvania-Deutschen hat sich bei den Deutschen im Banat die ursprüngliche Bedeutung der Elwedritsche besser erhalten als in der Pfalz selbst. Hier wird deutlich, dass nicht Menschen Elwedritsche jagen. Im Banat jagen noch immer Elwedritsche Menschen:
"Geh nor ne schlofe, glei kumme die Elbetrische."
"Chinder hen Ängschter vor de Dilbekritsche."
"Gib Obacht, die Elbetritsche krien dich."
"Du aldi Elbetrisch" (Bed. "du alde Hex")
(Wörterbuch der banaterdeutschen Mundarten,
Bd. 2, D-F, München 2020, S. 240-241)
Ober-Olm, 25. November 2024
Zum Weiterlesen:


Podcast 1: Vom Dämon der Nacht zum Fabeltier – Der psychologisch-memetische Ansatz
Podcast 4: Weshalb die Elbedritsche bei den Pennsylvania-Deutschen oft katzenartig aussehen
Podcast 6: Die Elwedritsche-Jagd – Humor als Werkzeug der Angstverarbeitung
© 2024/25 – Alle Rechte vorbehalten. Eine Nutzung von Zitaten und sinngemäßen inhaltlichen Übernahmen darf – sowohl schriftlich als auch mündlich – nur mit Nennung der vollständigen Quelle erfolgen. Bitte zitieren als:
WERNER, Michael (2024): Elwedritsche – Was sie wirklich sind. In: paelzer-elwedritsche.de. Veröffentlicht am 25. November 2024.
In English: Elbedritsche – What they are (short version)
By Michael Werner
The Elbedritsch – also Elwetrittche,m, Ilwedritsch; in the plural Elwedritsche(n) – is an imaginary bird-like creature that is reported in southwest Germany (especially in the Palatinate and neighboring regions). The area of distribution is essentially congruent with the historical Palatinate. With emigrants, the belief in the existence of Elbedritsche also spread to Eastern Europe and North America (Pennsylvania) in the 18th century and to South America (Brazil) in the 19th century.
The Elbedritsch is to be seen as a local variation on comparable imaginary creatures from other regions (cf. Wolpertinger).
Appearance
Elbedritsche are described as resembling chickens in the broadest sense. They are said to be flightless and are often depicted with a long beak. Sometimes they are depicted with deer antlers, often with six legs. What the depictions have in common is that Elbedritsche combine parts of different animals.
Origin
The belief in Elbedritsche is a cultural pattern whose roots lie in the time of the Neolithic Revolution. The process by which hunter-gatherers became farmers and pastoralists over a long period of time first took place in the “Fertile Crescent” of the Near East between 9500 and 7000 BC. The sedentary way of life gave rise to new requirements: the protection of property and the safeguarding of one’s own life against harmful external influences such as hunger, disease and death in a constant location. While the first aspect contributed to the emergence of patriarchy, the second aspect favored the emergence of differentiated worlds of gods. Different deities were worshipped for each of life’s adversities and were granted mercy through sacrificial offerings. Evidence of this can be found in the cultures of the Babylonians, Sumerians and Assyrians. At the same time, people assumed that actions and words could have a magical effect, which led to the belief in protective and harmful spells. Traces of this can also be found in Christian and Islamic texts. Some see the Sumerian demoness Lilith, whose popular etymology means “the nocturnal one”, as being responsible for sudden infant death syndrome and nocturnal heart attacks. Others see a connection to the Sumerian mother goddess Lamashtu. The phenomenon probably had several roots.
In this context, the special protection of one’s own house and sleeping quarters against harmful external influences during the night when people slept should be seen. It was believed that the deities could enter the bedrooms as shape-shifters to punish a person themselves or through messengers sent by them – be it winged through the window, as a breath of mist through door cracks or as a feather floating from the ceiling. It was believed that they would crouch on a sleeping person’s bed and press against their chest – the result could be a nightmare or, in the worst case, death. People protected themselves by painting certain symbols on beds, doors and windows and reciting defensive incantations.
Spread and development
The belief in punishing deities or their harmful emissaries spread with the migratory movements of the Indo-European peoples from around 6000 BC, starting from a region in the Fertile Crescent (today located in northern Iran) westwards towards Europe and eastwards towards India. Today, 445 languages are assigned to the Indo-European language group, to which German also belongs. The individual languages are not only similar in terms of vocabulary and grammar. They also contain other archaic relics whose origins lie in the Fertile Crescent.
In the Iron Age – in Central and Northern Europe between around 750 BC and the year 0 – the cultural pattern described here manifested itself among the Germanic tribes in the belief in a world of gods, in which the gods also carried out punishments on people who disobeyed the applicable rules. As shapeshifters, they could take on any form, fly through the air and pass through the smallest cracks as a breath of mist. However, they could also commission so-called dark alves from the roots of the Germanic world tree “Yggdrasil” to fulfill this task. Deities such as alves squatted on sleeping people and squeezed them so that they could no longer breathe.
With the Christianization of the Germanic tribes between the 4th century and the time of Charlemagne in the 8th century, the belief in albums gradually faded into the background. The nightmares, however, remained. Over the following centuries, the original divine punishment developed into a human curse. Now members of the village – mostly people who were on the fringes of society and especially often women – were supposed to be responsible for nightmares. The belief in witches spread, who were popularly known as “Trut/Drud” (male) or “Trude/Drude” (female). They were also said to come to their victims shape-shifting, fly through the air and reach their victims through cracks in the house in order to harm them. Symbols such as pentagrams and hexagrams as well as incantations were used to ward them off.
According to popular belief, witches had willingly surrendered to the devil and therefore could not be redeemed, whereas people became druids through mishaps such as a slip of the tongue by the priest at a baptism. The „Drude“ (engl. „night hag“) could therefore be redeemed, for example by giving her a chicken that she could squeeze to death.
The peak of witch hunts in Europe was between 1550 and 1650.
Over many generations, the older belief in albs and the more recent belief in night hags („Druden“) in the regions along the Rhine ultimately developed into the word “Albdrude” (in Switzerland and Austria, as well as in northern Germany, often called “Mahr” or “Nachtmahr”, cf. nightmare) alongside the terms “Albdruck” or “Albdrücken”. A corresponding female first name (“alb” = white, “trud” = strong) is documented in early documents from the monastery of Weissenburg (Alsace) in the variants “Albthruda” (774 AD) and “Albdrud” (788 AD). The term “Alptrude” can also be found in literary texts from the 19th century onwards, for example in Ludwig Bechstein’s “Deutsches Sagenbuch” (1853). The entries “Albdricke” and “Alwedricke” are recorded in the Palatinate dictionary.
Historical representations
Defense measures against demons on the farm were predominantly carried out using symbols (pentagrams, hexagrams). Only in a few cases, for example in Pennsylvania, have pictorial representations of „Albdruden“ survived. These are found in the vicinity of granaries or directly on fruit chamber doors and represent special cases. They were expected to have a particularly apotropaic (defensive) effect on the farmer’s family’s most important assets – harvest and provisions. The depictions show the shape-shifter with wings, claws and horns. There are both bird-like and cat-like versions of the head. In these rarely documented cases, the demon is supposed to be warded off by itself – in other words, evil is driven away with evil.
Medical background
The idea of a pressure demon that haunts sleepers and squeezes the air out of them could explain cases of nocturnal cardiac death, sudden infant death syndrome and sleep apnoea (cessation of breathing during sleep) in pre-Enlightenment times. However, the medical background to the pressure demon phenomenon is the so-called “sleep paralysis”. Sleeping people are unable to move – this is a protective mechanism of evolution. Sleep paralysis occurs when those affected regain consciousness too early in the waking process and thus consciously perceive the paralysis. Meanwhile, the eyes are open. Sleepers can only control their breathing and cannot speak. They often also perceive sounds or images and sometimes have the feeling that someone else is in the room. In this context, those affected report anxiety and pain. The first symptoms of sleep paralysis usually occur in childhood or adolescence, but decrease with age. Whereas in earlier times a pressure demon was blamed, children today tend to talk about “monsters under the bed”, while adults in rare exceptional cases refer to “abduction by aliens”.
Related concepts
“Incubus” and ‘succubus’ are concepts related to the Night Elf, in which the erotic aspect dominates. In mythology, an “incubus” (from Latin: incubare for “to lie on top”, “to hatch”) is a nightmare-causing demon that mates with a sleeping woman at night without her noticing. The female counterpart is called a “succubus”. A succubus steals the sleeping man’s semen unnoticed. The oldest mention of phenomena of this kind comes from Mesopotamia, known as “Lilu” and “Lilutu”.
Creation of the actual Elbedritsch
Primal fears such as the loss of control during sleep can be dealt with by first assigning the supposed demon a name and a form. Once this has been done, the demon is “shrunk”, which happens unconsciously and over a long period of time in human societies. In the case of the Elbedritsche, this happened on the one hand when people linguistically miniaturized the term “Albdrude” via intermediate forms such as “Albdrudche” and “Elbentrötsch” to “Elbedritsch” and “Elwedritsch”. An alternative path from Palatine “Albdricke” (Albdrücken) led from “Albdruck” via “Albdrickche” and “Albedrickche” or “Albedrickelche” ultimately to the same result. On the other hand, the overpowering figure itself was diminished by reducing the demon to a chicken-like bird. In the end, the creature was banished to the forest – far away from the sphere of influence of humans.
The separation of the Elbedritsch from the Albdrude must have taken place in the 17th century. By the time the 18th century emigrants arrived in Pennsylvania, the Elbedritsch had already shrunk to the size of a chicken. However, the fear of the Albdrude persisted in very rural regions (e.g. in the Pennsylvania Dutch Country in the term “Druddekopp”) right into the 20th century.
The ability of a changing shape is made clear by the fact that the creature created in this way unites body parts from various animals: the webbed feet of ducks and the wings of birds. The message here is: The demon can run, fly and swim. The aspect of infinite speed with which the Elbedritsch can move, ultimately making it invisible to humans, is often represented by the image of six legs. Even in Germanic times, Wodan’s (in Norse: Odin) ability to travel infinitely fast and thus to be all-encompassing and omnipresent was visualized by the eight legs of his horse “Sleipnir”, among other things.
The custom of the Elbedritsche hunt, which has probably also been known since the 17th century, has its roots in the so-called “Trotterkopf” spell (“Druddekopp-Schpruch”). This is an old magical incantation that was intended to help banish druids (witches). It originates from the tradition of praying for health, which was called “Braucherei” in the southern regions of Germany. Words, herbs and objects (often ropes) were used to treat the sick and perform protective acts. In the Trotterkopf spell, the demon was assigned tasks that would take him a long time and take him to distant lands. In the end, he was faced with almost unsolvable tasks and thus banished, at least for a longer period of time. Unsolvable tasks are also assigned during the Elbedritsche hunt. An ignorant person, equipped with a sack and lantern, is supposed to stand in a clearing and catch Elbedritsche, which do not exist. In this way, those unfamiliar with the custom are also banished – at least for a longer period of time. The hunt represents a reversal of the power situation, as it were: Whereas before it was the Albdrude that haunted you during the night, the Elbedritsch is now hunted by humans. Through all the mechanisms described – naming, shaping, miniaturization plus hunting – the primal fear of the absolute loss of control during sleep is banished. The end result is a gain in control, which contributes to an improvement in people’s lives.
Tritschology
Over the course of the 20th century, ignorance of the cultural and historical context gave rise to a very amusing pseudo-scientific preoccupation with the topic of “Elbedritsche”, known as “Tritschology”. All kinds of supposed origin stories were invented, the imaginary species of the mysterious animal was lovingly described and ever more variants were added. Basically, this is a continuation of the process that took place with the transition from the Albdrude to the Elbedritsch. The unknown is frightening. That’s why invented stories are supposed to make the inexplicable ultimately explicable – even if every tritschological approach must ultimately fail here. Tritschology is tritschology – and science is science. The phrase “tritschology is the scientific study of Elbedritsche”, which you sometimes read, is simply wrong.
The technique of hunting Elbedritsche has been continuously refined. Today, the consumption of alcohol plays a role in many cases, which in turn fits in well with the real cultural-historical background. After all, the aim is to actively process the primal fear of the night and the loss of control during sleep.
Customs
In the Palatinate, you can track down the Elbedritsche. The “Elwetritsche-Brunnen” in Neustadt an der Weinstraße and the “Elwetritsche-Weg” (hiking trail) in Dahner Felsenland are particularly well-known. Supposed Elwedritsch enclosures can be seen in the zoos of Landau and Kaiserslautern. The Palatinate Museum of Natural History in Bad Dürkheim displays a taxidermied Elbedritsch in a showcase.
Classification
Elbedritsche were – at least originally – not mythical animals or fantastic creatures. They have only developed into the latter since the publication of the Harry Potter books (see J.K. Rowling: “Fantastic Beasts & Where to Find Them, 2001). This fact is an argument for the fact that this cultural pattern is still subject to constant change today. Originally, however, Elbedritsche were “personifications of primal fears tamed by man” that were banished to the forest.
Instead of a “cultural pattern”, science also speaks of a “meme”. This is a pattern of information (e.g. a thought, a song, a fairy tale, a custom) that is stored in the brain and can be recalled. The meme can be passed on through communication – across generations and great distances. Memes are subject to socio-cultural evolution. “Mutations” occur during the passing on process. Memes divide, then change in different ways in different places and in this way form a network of patterns over time, in which the relationship is sometimes difficult to recognize. Thus, Elwedritsche can be something different in the Alpine region of the 16th and 17th centuries than in Pennsylvania in the 18th and 19th centuries – and in the Palatinate of the 20th and 21st centuries. And yet they are connected by a common core. If you want to penetrate to this core, you have to move “backwards” in time and space and thus follow the Indo-European migration to its origin in the Fertile Crescent. This is where what we know today as Elwedritsch originated. The underlying primal meme of the phenomenon is: “How do I conquer the primal fear of losing control during sleep?” Everything that has developed is ultimately an answer to this question.
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WERNER, Michael (2024): Elwedritsche – What they really are. In: hiwwe-wie-driwwe.com. Published on November 25, 2024.
