01 Willkommen

"Geh nor ne schlofe, glei kumme die Elbetrische." 
"Chinder hen Ängschter vor de Dilbekritsche."
"Gib Obacht, die Elbetritsche krien dich."
"Du aldi Elbetrisch" (Bed. "du alde Hex")

(Wörterbuch der banaterdeutschen Mundarten,
Bd. 2, D-F, München 2020, S. 240-241)

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"schlaf, büble, schlaf,
die mutter gibt acht,
dasz die trud dich nit drückt,
und der alp nit erstickt."


(Deutsches Wörterbuch
von Jacob und Wilhelm Grimm.
Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1453, Z. 1)

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"(...) elbentrütsch m. ‘einfaltspinsel’, eigentlich ‘durch elbischen zauber zum toren gewordener’, (...). den menschen seiner sinne, kräfte und fähigkeiten beraubendes dämonisches wesen (...)"
(Deutsches Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm, Stichwort "Elbe", Band VII (1965), Sp. 1205)

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"(...) gewöhnlich stellt man das Wort "Elbetritsch" zu mhd. alp, elbe und trute; E.H. Meyer vermutet hinter dem fabelhaften Tier einen Winddämon. Anscheinend ist der erste Teil des Wortes mit "Alp", "Elb" verwandt oder gleichbedeutend, der zweite hängt vielleicht mit "Trude" (= alp) zusammen, dem koboldartigen Wesen, das als "Mahr" die Menschen besonders gerne zur Nachtzeit quält, dem uralten Alpdämon, dem Alpdrücken, dem griechischen Ephialtes (...).
(Albert Becker, Pfälzer Volkskunde, 1925, S. 121)

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alb vnde elbelin
Ir sult nich beng' bliben hin
albes svestir vn vatir
Ir sult uz varen obir dē gatir
albes mutir trute vn mar
Ir sult uz zu dē virste varē
Noc mich dy mare druche (= drücke)
Noc mich dy trute zciche (= zücke)
Noc mich dy mare rite
Noc mich dy mare bescrite (= beschreite, bed.: auf mich springe)
Alb mit diner crummen nasen
Ich vorbithe dir aneblasen
(Münchener Nachtsegen, 13./14.Jh. - Ausschnitt)

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Willkommen!

Warum gibt es Elwedritsche? Warum heißen sie, wie sie heißen? Wie kamen sie in den Pfälzer Wald und weshalb werden sie gejagt?

Auf diese Fragen gab es bis jetzt keine kulturwissenschaftlich zufriedenstellende Antwort. Klar ist: Aliens haben sie nicht in der Pfalz abgesetzt! Also muss es andere Gründe für ihre Existenz geben.

Diesen spürt das Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ nach und lädt Sie ein zu einer Reise durch die Kulturgeschichte. Das „Phänomen Elwedritsche“ wird kontextualisiert – und die vermeintlichen Fabeltiere erhalten erstmals ihre ganz eigene Biographie. Damit erscheint auch die verbreitete „Hühner-Enten-Gänse-Kobold-Elfen-These“ in neuem Licht: Ende Legende.

"Jene seltsamen Wesen sollen aus Kreuzungen 
von Hühnern, Enten und Gänsen
mit im Wald lebenden Kobolden und Elfen abstammen.
Wer es glaubt, der ist selber schuld." (pfalz-bewegt.de)

Die Website „elwedritsch.de“ ergänzt die Buchpublikation und stellt zusätzliche Belege, Quellen und weiterführende Links zum Thema zur Verfügung. Sie vertiefen meinen psychologisch-memetischen Ansatz. Aktuell nutzen rund 500 Interessierte im Monat dieses Angebot.

Dass Elwedritsche keine Erfindung des 19. Jahrhunderts sind, wie oft behauptet wird, lässt sich leicht widerlegen: Die zwischen 1683 und etwa 1760 ausgewanderten Pennsylvania-Deutschen kennen sie nämlich ebenfalls.

Insgesamt kristallisiert sich heraus: Es gibt einen medizinischen Grund, weswegen das entstanden ist, was mit der Zeit zur Elwedritsch wurde. Wir müssen die Erkenntnisse der Psychologie nutzen, um zu verstehen, wie aus einem neurologischen Phänomen ein Dämon wurde, der in der Kulturgeschichte miniaturisiert und in den Wald verbannt worden ist. Denn die Elwedritsche sind nicht im Wald entstanden, sondern in den Gehirnen unserer Vorfahren – vermutlich bereits vor vielen tausend Jahren in Mesopotamien.

Es gibt zwei unterschiedliche Routen, auf denen das Konzept aus dem fruchtbaren Halbmond in die Pfalz gekommen ist: sowohl über indoeuropäische Wanderungsbewegungen als auch über die jüdische Kulturgeschichte. Beides traf sich im Rheintal im späten Mittelalter. Der Rest ist Geschichte …

Wenn andere meinen, eine an die Wand gemalte Elwedritsch schütze vor dem Bösen, sage ich: Jein. Die Elwedritsch bzw. die Albdrude als ihre Vorgängerin ist das Böse selbst – also zunächst genau das Gegenteil. Das Malen einer Elwedritsch bzw. Albdrude an die Wand ist aber eine Botschaft an das Böse. „Ich kenne dich“ – das ist es, was eine solche Zeichnung ausdrückt und Schutz entfalten soll. Gerne dürfen Sie an dieser Stelle nach oben scrollen und die Quellen aus dem Banater Wörterbuch und das 100 Jahre alte Zitat Albert Beckers (1925) noch einmal lesen, die die Angst vor der Elwedritsch bestätigen.

"Die bisherigen Theorien zum Ursprung der Elwedritsche 
wirken wie eine Physik vor Newtown:
Man hat die Äpfel fallen sehen (Scherzjagd),
aber das neue HADD-CCT-BVT-Modell
liefert das Gravitationsgesetz dazu." (KI Gemini, 23. März 2026)

Die Elwedritsch ist damit letztlich ein kulturelles Kompensationsphänomen. Sie dient dazu, mittels evolutionärer Wahrnehmungs – und Verarbeitungsmuster und dem Bedürfnis nach psychologischer Ordnung nächtliche Urängste in ein gemeinschaftliches, humorvolles Ritual zu verwandeln.

Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern werden hier veröffentlicht und von Zeit zu Zeit Aktualisierungen vorgenommen. Denn eines ist klar: Die kulturhistorische Biographie der Elwedritsche ist noch lange nicht zu Ende geschrieben … ich wünsche viel Spaß beim Stöbern!

Wenn Ihnen gefällt, was Sie lesen, geben Sie den Link „elwedritsch.de“ gerne in ihrem Familien- und Freundeskreis weiter.

Michael Werner

Ich bedanke mich bei:

Eduard Seger, Oberstudiendirektor
Paul Brands (1941-2021), Oberstudienrat
Prof. Dr. Beate Henn-Memmesheimer, Linguistin
Prof. Dr. Per Sture Ureland (1937-2022), Linguist
Roland Paul (1951-2023), Historiker
Dr. Rudolf Post, Linguist
Prof. C. Richard Beam (1925-2018), Linguist
Prof. Don Yoder (1921-2015), Volkskundler
Prof. Mark L. Louden, Linguist
Wilhelm Hauth (1950-2025), Tritschologe
Patrick Donmoyer, Volkskundler

Den größten Dank aber schulde ich meinen Eltern und meiner Familie, die mich auf meinem Weg über viele Jahre mit Zuneigung, Toleranz und Gelassenheit begleitet haben.

Euch allen ist diese Arbeit gewidmet.