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Im Februar 1864 posierten mitten im amerikanischen Bürgerkrieg diese Truppen der Nordstaaten für ein Gruppenfoto. Als Ortsname wird „Brandy Station“ (Virginia) angegeben. Kein ungewöhnliches Motiv für die Zeit und die noch junge Technik der Fotografie. Bei näherem Hinsehen jedoch ist ein Detail absolut spektakulär:

Link zum Originalbild: https://loc.gov/pictures/resource/cwpb.03945/

Ein Offizier trägt Lederstiefel mit Motiven: Auf dem linken Schuh ist ein Pentagramm abgebildet, auf dem rechten Schuh die sechsstrahlige Rosette (Hexafoil).

Wir wissen, dass Menschen über Jahrhunderte Türen, Fenster und insbesondere Betten und Kinderwiegen mit diesen beiden Motiven schützten, um Albdruden abzuhalten. Wir wissen, dass Fuhrleute, die morgens nicht wussten, wo sie abends schliefen, „Drudenmesser“ als Ritualwerkzeug dabei hatten, um eine ihnen unbekannte Schlafstube zu schützen. Das Drudenmesser wurde ins Schlüsselloch gesteckt. Vermutlich haben die Fuhrleute zusätzlich Motive mit Kreide auf das Bett aufgebracht.

Wir wissen auch, dass Albdruden nur eine einzige Möglichkeit haben, um ins Bett zu kommen: Sie müssen über das Fußteil des Bettgestells zum Schlafenden gelangen, weshalb auch die Fußenden immer besonders gesichert wurden. Manche rammten auch das Drudenmesser in das Fußteil des Bettes, die Klinge nach außen gerichtet.

Was macht aber ein Soldat im Krieg, der in den Nächten kein Dach über dem Kopf und dennoch Angst vor Albdruden hat: Er schützt seine Stiefel, weil er weiß, dass Albdruden immer von den Füßen her auf die Brust steigen. Und weil er sich nicht entscheiden kann, ob ein Pentagramm oder einer sechsstrahlige Rosette das effektivere Abwehrsymbol ist, lässt er einfach beides in seine Lederstiefel eingravieren.

Das nachfolgende Bild zeigt, an was sich der Offizier vermutlich erinnert hat – nämlich, wie man mit Hilfe von Pentagramm und Hexafoil am Fußende eines Bettes oder einer Wiege nächtliche Druckdämonen wie Albdruden effektiv abhält:

Apotropäischer Schutz einer Wiege in Österreich (Quelle)

Besonders die sechsstrahlige Rosette ist seit Jahrtausenden noch immer überall dort zu finden, wo Indoeuropäer hinkamen bzw. sich das Römische Reich ausbreitete. Sie ist Teil der Blume des Lebens, die aber auch in einem Tempel von Osiris in Ägypten (um 500 v. Chr.) gefunden wurde. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf einen intensiven Kulturaustausch zwischen Ägypten und Mesopotamien:

Tempel von Osiris (Abydos, Ägypten), ca. 500 v. Chr.

Leonardo daVinci (1452-1519) war fasziniert von den mathematischen Gesetzen hinter dem Motiv und beschäftigte sich lange mit dem Thema, wie eine Skizze aus dem Jahr 1478 zeigt:

Weitere Informationen zum Motiv, das erst in jüngerer Zeit „Flower of Life“ genannt wird, findet man im Artikel von Marko Manninen (2015). Er listet auch die derzeit frühesten Funde:

Zur kompletten, hoch interessanten Studie gelangt man, wenn man hier klickt. Die sechsstrahlige Rosette hat sich von Ägypten und Mesopotamien über das Römische Reich rund um das Mittelmeer verbreitet. Mit den Auswanderern des 17. und 18. Jahrhundert gelangte sie vom Rhein in die neue Welt. Dort hat sich ab dem 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Gestaltungsvarianten entwickelt.

Pennsylvania Dutch Hex Signs (21. Jahrhundert)