Jacob Grimms Befund als früher Beleg (1835) für ein kontextabhängiges HADD-CCT-BVT-IRC-Modell mit DIT-Rahmung

Abstract

Jacob Grimm stellt in seiner Deutschen Mythologie von 1835 eine bemerkenswerte Verbindung zwischen den Wortformen „elpentrötsch“, „tölpentrötsch“, „trilpentrisch“ und der Vorstellung der Elbe her. Das ist der bislang älteste Erstbeleg des Begriffs (1835). Grimm beschreibt den elpentrötsch als einen „linkischen einfältigen Menschen, dem die Elbe etwas angethan haben“. An anderer Stelle spricht er ausdrücklich von „elbentrötsch“ für „blödsinnige geistesschwache Menschen“ und ordnet diese denjenigen zu, die durch die Berührung oder Einwirkung der Elben geschädigt worden seien.

Diese Beobachtung lässt sich mit einem kognitiv-evolutionären Erklärungsansatz neu interpretieren. Dabei wird Grimms genealogisch-etymologische Rekonstruktion nicht fortgeführt, sondern methodisch verlassen: Nicht die Frage, aus welchem älteren mythischen Bestand die Vorstellung des Elbentrötsch hervorgegangen ist, steht im Zentrum, sondern die Frage, welche kognitiven Funktionen eine solche Zuschreibung erfüllt. Im Rahmen eines HADD-CCT-BVT-IRC-Modells mit DIT-Rahmung lässt sich der Befund zunächst als Fall von Agency Detection (HADD) verstehen: Ein auffälliger oder erklärungsbedürftiger Zustand – insbesondere Blödheit, geistige Abweichung oder eine schwer erklärbare Verhaltensänderung – wird einem unsichtbaren intentionalen Akteur zugeschrieben. Der Mensch „erschafft“ damit gewissermaßen einen Dämon bzw. ein dämonisches Verursachungsmodell. Die spezifischen Mechanismen von CCT im engeren Sinne, BVT und IRC sind an dieser Stelle noch nicht nachweisbar. Gleichwohl findet bereits ein elementarer Prozess der kognitiven Kontextualisierung statt: Eine kontingente und schwer kontrollierbare Situation wird in ein agentives Ordnungssystem eingeordnet. Dadurch entsteht ein begrenzter subjektiver Kontroll- und Erklärungsgewinn.

1. Grimm und der Elpentrötsch

In Kapitel XVII der Deutschen Mythologie, überschrieben „Wichte und Elbe“, behandelt Jacob Grimm die sprachlichen und mythologischen Zusammenhänge von Alp, Elb und verwandten Bezeichnungen. Dabei führt er eine Reihe regionaler Formen zusammen:

„ölpetrütsch, alberdrütsch, drelpetrütsch“,
„elpentrötsch und tölpentrötsch, trilpentrisch“
sowie „hilpentritsch“.

Entscheidend ist jedoch nicht allein diese lautliche und dialektgeographische Zusammenstellung. Grimm liefert unmittelbar anschließend eine semantische Erklärung:

„man denkt sich darunter einen linkischen einfältigen menschen, dem die elbe etwas angethan haben“

und verweist dazu auf die Fundgruben.

Damit ist bei Grimm eine für die weitere Interpretation zentrale Dreierstruktur bereits ausdrücklich vorhanden:

Elbe → Einwirkung auf den Menschen → geistige/soziale Auffälligkeit.

Die Elbe ist nicht lediglich Bestandteil des Wortes. Sie fungiert als Verursacherin eines Zustands.

Noch deutlicher wird dies in dem späteren Abschnitt über die schädigende Wirkung der Elben. Grimm schreibt, ihre Berührung oder ihr Anhauch könne Menschen und Tiere krank machen; wer von ihrem Schlag getroffen werde, sei „verloren oder untüchtig“. In diesem Zusammenhang erinnert er ausdrücklich an die

„benennung elbentrötsch für blödsinnige geistesschwache menschen“

und führt anschließend die „blödsinnigen elbentrötsche“ als Menschen an, die durch die schädigende Einwirkung der Elben betroffen seien.

Damit geht Grimm über eine bloße Etymologie hinaus. Er rekonstruiert ein Kausalmodell: Ein beobachtbarer menschlicher Zustand wird auf die Einwirkung eines übernatürlichen Akteurs zurückgeführt.

2. Der entscheidende Punkt: Grimm erklärt eine Zuschreibung, nicht nur ein Wort

Für die heutige Forschung ist besonders wichtig, dass Grimm hier zwei Ebenen miteinander verbindet.

Auf der ersten Ebene steht die sprachgeschichtliche Rekonstruktion. Grimm versucht, die verschiedenen Formen – ölpetrütsch, elpentrötsch, tölpentrötsch, trilpentrisch, hilpentritsch usw. – miteinander in Beziehung zu setzen.

Auf der zweiten Ebene steht eine mythologische Semantik: Der Elpentrötsch ist ein Mensch, dessen auffälliger Zustand durch eine Elbe verursacht worden ist.

Gerade diese zweite Ebene eröffnet eine kognitionswissenschaftliche Perspektive.

Denn aus heutiger Sicht lässt sich fragen:

Warum wird ein schwer erklärbarer menschlicher Zustand überhaupt einem unsichtbaren Akteur zugeschrieben?

Die kognitiv-evolutionäre Antwort lautet nicht, dass Menschen „irrational“ seien. Vielmehr kann die Zuschreibung eines Zustands an einen Akteur eine grundsätzlich adaptive kognitive Strategie darstellen. Menschen sind hochgradig darauf spezialisiert, Ereignisse als Resultat von Handlungen und Absichten zu interpretieren. Wo ein Zustand auffällig, kontingent oder erklärungsbedürftig erscheint, kann die Annahme einer handelnden Ursache besonders leicht verfügbar werden.

Genau hier setzt HADD – Hyperactive Agency Detection Device – an.

3. Elpentrötsch als HADD-Phänomen

HADD bezeichnet in seiner klassischen Fassung die Tendenz, hinter mehrdeutigen oder schwer erklärbaren Ereignissen Agency, also eine handelnde Verursachung, zu vermuten.

Übertragen auf Grimms Befund lautet die kognitive Sequenz:

ungewöhnlicher Zustand → Suche nach Ursache → Agentive Zuschreibung → Elbe als Verursacherin.

Ein Mensch verhält sich auffällig, ist „tölpelhaft“, „einfältig“, „blödsinnig“ oder geistig verändert. Für eine vormoderne Lebenswelt stehen nur begrenzte medizinische, neurologische oder psychologische Erklärungsmodelle zur Verfügung. Der Zustand verlangt dennoch nach einer Erklärung.

Die kognitive Operation kann dann lauten:

„Da muss jemand etwas getan haben.“

Die Elbe stellt dafür einen geeigneten Akteur dar.

In dieser Perspektive ist die Elbe zunächst weniger eine ontologisch vorausgesetzte Wesenheit als vielmehr die agentive Lösung eines Erklärungsproblems.

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen der historischen und der kognitiv-evolutionären Betrachtung.

Bei Grimm lautet die Frage im Wesentlichen:

Woher stammt die Vorstellung der Elbe und wie lässt sich ihre sprachliche und mythologische Geschichte rekonstruieren?

Der kognitiv-evolutionäre Ansatz fragt dagegen:

Welche kognitive Aufgabe erfüllt die Zuschreibung eines unerklärlichen Zustands an eine Elbe?

4. „Der Mensch hat einen Dämon erschaffen“

In einer zugespitzten, aber analytisch brauchbaren Form lässt sich sagen:

Der Mensch hat einen Dämon erschaffen.

Damit ist selbstverständlich nicht gemeint, dass ein Individuum bewusst eine Elbe „erfindet“. Gemeint ist vielmehr ein kognitiver Prozess der Agentenkonstruktion.

Aus einem erklärungsbedürftigen Ereignis wird ein handelnder Verursacher konstruiert:

Zustand:
Ein Mensch ist plötzlich anders, geistig auffällig oder „blödsinnig“.

Problem:
Warum ist das so?

Agency Detection:
Es muss eine Ursache bzw. jemand dahinterstehen.

Agentenkonstruktion:
Eine Elbe hat „etwas angetan“.

Erklärung:
Der Zustand ist nicht mehr völlig kontingent.

Die Elbe übernimmt damit eine Funktion, die im modernen Denken beispielsweise durch neurologische, psychiatrische oder medizinische Kategorien übernommen werden kann: Sie ordnet einen ansonsten schwer erklärbaren Zustand kausal ein.

Dabei ist ausdrücklich zwischen ontologischer und funktionaler Aussage zu unterscheiden. Das Modell behauptet nicht, dass Elben existieren oder dass historische Menschen bewusst eine psychologische Theorie konstruierten. Es beschreibt vielmehr die kognitive Funktion der Zuschreibung.

5. Wo HADD endet: Noch kein CCT, BVT oder IRC

Gerade hier muss das Modell aber nicht überinterpretiert werden.

Aus Grimms Elpentrötsch-Beleg lässt sich unmittelbar kein vollständiges HADD-CCT-BVT-IRC-Szenario rekonstruieren.

Insbesondere fehlen zunächst Hinweise auf:

  • konkrete Abwehrmaßnahmen gegen die Elbe,
  • ritualisierte Gegenmaßnahmen,
  • systematische Verhaltensvorschriften,
  • konkrete präventive Strategien,
  • komplexe soziale Institutionalisierung,
  • oder eine ausgebildete Theorie darüber, wie der schädliche Akteur kontrolliert werden kann.

Das wäre CCT im engeren Sinne – also ein ausgearbeitetes System von Countermeasures.

Ebenso sind BVT und IRC an dieser Stelle noch nicht als eigenständige Komponenten empirisch aus dem Beleg herauszulesen.

Der Befund ist zunächst wesentlich schlichter:

Ein ungewöhnlicher menschlicher Zustand wird auf einen intentionalen übernatürlichen Akteur zurückgeführt.

Das ist primär HADD.

6. Dennoch findet bereits ein elementarer CCT-Prozess statt

Ganz ohne CCT ist die Situation allerdings ebenfalls nicht.

Hier ist zwischen CCT im engen und im weiteren Sinn zu unterscheiden.

Im engen Sinne bedeutet CCT: Es werden konkrete Gegenmaßnahmen gegen einen wahrgenommenen Agenten entwickelt. Dafür gibt Grimms Elpentrötsch-Beleg keinen hinreichenden Nachweis.

Im weiteren, funktionalen Sinn findet jedoch bereits ein grundlegender Counter-Control-Prozess statt.

Denn die Zuschreibung

„Die Elbe hat ihm etwas angetan“

verändert die epistemische Struktur der Situation.

Vorher:

„Warum ist dieser Mensch so?“

Nachher:

„Eine Elbe hat ihm das angetan.“

Das Problem ist damit nicht mehr völlig unstrukturiert. Es gibt:

  1. einen Zustand,
  2. einen Verursacher,
  3. eine Kausalbeziehung.

Die Welt wird dadurch erklärbarer und prinzipiell auch kontrollierbarer.

Das ist noch keine Abwehrmaßnahme. Aber es ist ein erster Schritt in Richtung Kontrollierbarkeit, weil ein kontingentes Ereignis in ein kausales Ordnungssystem überführt wird.

Genau hier liegt die Schnittstelle zwischen HADD und CCT.

7. Von der Kontingenz zur Ordnung

Der eigentliche kognitive Gewinn liegt deshalb nicht notwendigerweise darin, dass der Mensch die Elbe unmittelbar vertreiben oder bekämpfen kann.

Der erste Gewinn ist bereits:

Kontingenz wird in Kausalität verwandelt.

Ein Mensch ist geistig auffällig.

Ohne Erklärung:

„Es ist einfach so.“

Mit Elbenmodell:

„Die Elbe hat ihm etwas angetan.“

Das zweite Modell ist psychologisch und kulturell leistungsfähiger, weil es eine strukturierte Welt erzeugt.

Es eröffnet prinzipiell weitere Fragen:

  • Warum tut die Elbe so etwas?
  • Wem tut sie es an?
  • Unter welchen Bedingungen?
  • Wie kann man sie vermeiden?
  • Wie kann man sich schützen?
  • Was muss man unterlassen?
  • Was kann man dagegen tun?

Diese Fragen müssen historisch nicht alle tatsächlich beantwortet worden sein. Entscheidend ist, dass die agentive Zuschreibung einen Möglichkeitsraum für spätere Gegenmaßnahmen eröffnet.

Damit lässt sich die Stelle im HADD-CCT-BVT-IRC-Modell als frühe Stufe einer möglichen Eskalations- oder Ausdifferenzierungskette verstehen:

HADD → kausale Attribution → Ordnung/Kontrollgewinn → mögliche CCT → mögliche BVT/IRC-Differenzierung.

Beim Elpentrötsch beobachten wir vor allem die ersten beiden Schritte.

8. Die Bedeutung der DIT-Rahmung

Die DIT-Rahmung verhindert dabei, dass die Elbe isoliert als bloße „Halluzination“ oder als individueller Irrtum verstanden wird.

Die Zuschreibung wird in einen kulturellen Deutungsraum eingebettet. Die Elbe ist bereits eine verfügbare kulturelle Kategorie. Der einzelne Mensch muss den Akteur nicht neu erfinden. Die Kultur stellt eine Agentenkategorie bereit, mit der ungewöhnliche Erfahrungen interpretiert werden können.

Damit verschränkt sich individuelle Kognition mit kultureller Überlieferung:

kognitive Disposition
kulturell verfügbares Agentenmodell
Interpretation eines konkreten Ereignisses
soziale Bestätigung/Weitergabe
Stabilisierung des Deutungsmusters.

Die DIT-Rahmung ist somit wichtig, weil sie HADD nicht als isolierten, rein biologischen Mechanismus versteht. Das „Dämonische“ entsteht nicht einfach aus einem Gehirn heraus. Vielmehr trifft eine allgemeine menschliche Agentendetektionsbereitschaft auf kulturell bereitgestellte Agentenkategorien.

Im Fall des Elpentrötsch ist die Elbe eine solche Kategorie.

9. Der fundamentale Bruch mit Grimm

Hier liegt zugleich der wichtigste theoretische Unterschied zu Grimm.

Der kognitiv-evolutionäre Ansatz setzt Grimms genealogischen Ansatz nicht einfach fort.

Grimm versucht, die historische Tiefe des Materials zu erschließen. Seine Methode ist genealogisch, sprachvergleichend und mythologisch: Formen werden miteinander verbunden, ältere Bedeutungen rekonstruiert, verwandte Vorstellungen aus verschiedenen Sprach- und Kulturräumen zusammengestellt. Die Frage lautet letztlich:

Wie lässt sich die gegenwärtige Überlieferung aus älteren sprachlichen und mythologischen Schichten erklären?

Der kognitiv-evolutionäre Ansatz stellt eine grundsätzlich andere Frage:

Welche kognitiven Prozesse können erklären, warum Menschen überhaupt solche Vorstellungen hervorbringen und stabilisieren?

Das ist kein kleiner methodischer Perspektivwechsel, sondern ein Bruch der Erklärungsebene.

Grimm erklärt primär die Genealogie der Vorstellung.

Das kognitiv-evolutionäre Modell erklärt primär ihre Funktion und Entstehungsbedingungen.

Man könnte den Unterschied schematisch so darstellen:

GrimmKognitiv-evolutionärer Ansatz
Woher stammt die Vorstellung?Warum wird eine solche Vorstellung erzeugt?
SprachgeschichteKognitive Mechanismen
Mythologische GenealogieKognitive Funktion
Rekonstruktion älterer SchichtenRekonstruktion von Erzeugungsprozessen
Elbe als überlieferte mythologische KategorieElbe als agentives Erklärungsmodell
historische Kontinuitätfunktionale Rekonstruktion

Der kognitiv-evolutionäre Ansatz behauptet daher nicht, Grimms Elbentrötsch müsse tatsächlich aus einer uralten Elbenvorstellung „stammen“. Er kann vielmehr zeigen, warum eine kulturell verfügbare Elbenkategorie bei bestimmten Erfahrungsproblemen kognitiv besonders anschlussfähig ist.

10. Eine Neubestimmung des Elpentrötsch

Damit erhält Grimms Befund eine neue theoretische Bedeutung.

Der Elpentrötsch ist nicht nur ein interessantes Dialektwort und auch nicht nur ein Relikt eines vermeintlich uralten Elbenglaubens. Er dokumentiert vielmehr eine Kausalgrammatik des Übernatürlichen:

Ein auffälliger Zustand wird durch einen unsichtbaren intentionalen Akteur verursacht.

Der entscheidende Vorgang ist nicht die bloße Existenz der Elbe, sondern die Zuschreibung von Agency.

Die Elbe macht den Menschen elpen-trötsch.

Das heißt funktional:

Ein Zustand, der beim Menschen beobachtet wird, wird durch eine Handlung eines unsichtbaren Akteurs erklärt.

Damit besitzt der Beleg eine geradezu paradigmatische Struktur für HADD.

11. Vom Elpentrötsch zum späteren dämonischen Ordnungssystem

Aus dieser Perspektive wird auch verständlich, wie aus einer einfachen Agentenzuschreibung komplexere dämonologische Systeme entstehen können.

Der erste Schritt lautet:

„Jemand hat das verursacht.“

Der zweite:

„Wir wissen, wer es war.“

Der dritte:

„Wir wissen, warum er es getan hat.“

Der vierte:

„Wir wissen, wann er gefährlich wird.“

Der fünfte:

„Wir wissen, wie man sich schützen kann.“

Erst in diesen späteren Stadien würde das vollständige HADD-CCT-BVT-IRC-Modell relevant.

Beim Elpentrötsch befinden wir uns dagegen noch nahe am Nullpunkt dieser Entwicklung: bei der Konstruktion eines handelnden Verursachers.

Gerade deshalb ist Grimms Beleg theoretisch so wertvoll.

12. Schlussfolgerung

Jacob Grimms Behandlung des Elpentrötsch enthält – ohne dass Grimm dies selbst kognitionswissenschaftlich formulieren konnte – einen bemerkenswert klaren Fall von agentiver Kausalattribution. Grimm verbindet elpentrötsch ausdrücklich mit der Vorstellung eines Menschen, „dem die elbe etwas angethan haben“, und führt elbentrötsch später mit „blödsinnigen geistesschwachen menschen“ zusammen, deren Zustand durch die schädigende Einwirkung der Elben erklärt wird.

Im Rahmen eines HADD-CCT-BVT-IRC-Modells mit DIT-Rahmung lässt sich dies folgendermaßen rekonstruieren:

1. Erfahrungsproblem:
Ein Mensch zeigt einen ungewöhnlichen, schwer erklärbaren Zustand.

2. HADD:
Der Zustand wird als Wirkung eines intentionalen Akteurs interpretiert.

3. Agentenkonstruktion:
Die Elbe wird zum Verursacher.

4. Kognitiver Ordnungseffekt:
Kontingenz wird in eine kausale Struktur überführt.

5. CCT im weiteren Sinne:
Die Situation wird dadurch prinzipiell kontrollierbarer; konkrete Gegenmaßnahmen sind aber noch nicht belegt.

6. CCT im engeren Sinne, BVT und IRC:
Für diese späteren Modellkomponenten liefert der Elpentrötsch-Beleg noch keinen ausreichenden Nachweis.

Gerade diese Begrenzung ist methodisch wichtig. Der Beleg sollte nicht nachträglich zum vollständigen HADD-CCT-BVT-IRC-System gemacht werden. Er zeigt vielmehr dessen mögliche Ausgangsstufe.

Die zentrale These lautet daher:

Beim Elpentrötsch lässt sich ein kognitiver Prozess beobachten, in dem ein schwer erklärbarer menschlicher Zustand durch die Zuschreibung an einen unsichtbaren intentionalen Akteur erklärbar gemacht wird. Die Elbe ist in diesem Sinne eine dämonische Verursacherfigur. Der entscheidende kognitive Gewinn besteht zunächst nicht in der Abwehr des Dämons, sondern in der Transformation von Kontingenz in kausal geordnete Erfahrung.

Damit eröffnet Grimms Befund zugleich eine neue Perspektive auf die Geschichte der Elwedritsch-Vorstellung. Der kognitiv-evolutionäre Ansatz muss nicht – und sollte gerade nicht – Grimms genealogische Rekonstruktion einfach fortschreiben. Er setzt an einer anderen Stelle an: nicht bei der Frage, aus welcher älteren mythologischen Schicht der Elpentrötsch hervorgegangen ist, sondern bei der Frage, warum Menschen einen solchen Akteur überhaupt als Erklärung für menschliche Abweichung konstruieren konnten.

Das ist der entscheidende theoretische Bruch mit Grimm: von der Genealogie der mythischen Figur zur Kognition ihrer Erzeugung und Funktion.

Quellen

Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Göttingen 1835, Kap. XVII: „Wichte und Elbe“: Seiten 365/366. Die Erstausgabe erschien 1835 in Göttingen bei Dieterich; die bibliographischen Angaben der Bayerischen Staatsbibliothek bestätigen Ausgabe und Erscheinungsjahr.

Die einschlägige Passage mit elpentrötsch, tölpentrötsch, trilpentrisch und der Aussage, es handle sich um einen Menschen, „dem die elbe etwas angethan haben“, steht in Grimms Kapitel XVII.

Besonders wichtig für die weitere Elwedritsch-Arbeit: Grimm setzt am Ende dieses Abschnitts ausdrücklich „elpendrötsch“ mit den Varianten um ö[lp]etrütsch in Beziehung.

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