Abstract

Die nordamerikanische Snipe Hunt gilt in der folkloristischen Literatur als Scherzjagd und Initiationsritual, das spätestens im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten belegt ist und im 20. Jahrhundert insbesondere durch Ferienlager und die Boy-Scout-Bewegung verbreitet wurde. Weniger beachtet wird die Möglichkeit, dass dieser Brauch nicht unabhängig aus der angloamerikanischen Kultur hervorging, sondern auf eine ältere Tradition deutschsprachiger Einwanderer zurückgeht. Die Pennsylvania-Deutschen kannten die Elbedritschjagd, eine fingierte Jagd auf ein imaginäres Wesen, deren Handlungsmuster der später dokumentierten Snipe Hunt auffallend ähnelt. Der Beitrag entwickelt die Hypothese, dass englischsprachige Nachbarn diesen Brauch im mehrsprachigen Pennsylvania übernahmen, ihn sprachlich und kulturell anpassten und dass die Pfadfinder- und Lagerkultur anschließend zu seiner Verbreitung und Standardisierung beitrug. Die Übertragungsrichtung ist bislang nicht durch eine lückenlose historische Belegkette gesichert. Die Kombination aus Migrationsgeschichte, regionaler Überlieferung, struktureller Übereinstimmung und der amerikanischen Verbreitungsgeschichte begründet jedoch ein eigenständiges Forschungsprogramm.

Schlüsselwörter: Elbedritsch, Elwedritsche, Snipe Hunt, Pennsylvania Germans, Pennsylvania Dutch, Boy Scouts, Kulturtransfer, kulturelle Evolution, Initiationsritual, Folkloristik

1. Einleitung: Eine ungeklärte Übertragungsrichtung

In der englischsprachigen Folklore wird die Snipe Hunt gewöhnlich als amerikanischer Scherzbrauch beschrieben. Ein unerfahrener Teilnehmer wird nachts mit einem Sack und gegebenenfalls einem Stock oder einer Laterne in den Wald geschickt, um ein vermeintliches Tier zu fangen. Die übrigen Beteiligten kennen die Täuschung, verlassen den Neuling und kehren später ohne Beute zurück. Die Jagd dient als Streich, als Mutprobe und als Aufnahmehandlung innerhalb einer Gruppe. In der amerikanischen Ferienlagerkultur wurde sie zu einem verbreiteten Initiationsritual (Marsh, 2015; Mechling, 1996).

Diese Darstellung wirft jedoch eine grundlegende historische Frage auf: Ist die Snipe Hunt tatsächlich eine eigenständige angloamerikanische Tradition, der die Elbedritschjagd lediglich als regionale Parallele zugeordnet werden kann? Oder wurde ein älterer deutschsprachiger Brauch in Nordamerika übernommen, umbenannt und anschließend über größere soziale Netzwerke verbreitet?

Die zweite Möglichkeit bildet die Ausgangsthese dieses Beitrags. Sie kehrt die übliche Perspektive um: Nicht die Elbedritschjagd ist als regionale Variante der Snipe Hunt zu verstehen, sondern die amerikanische Snipe Hunt könnte eine anglophone Transformation der Elbedritschjagd sein.

Dabei geht es nicht allein um zwei ähnliche Scherze. Zu untersuchen ist vielmehr, ob ein regional gebundener Brauch durch Migration und interkulturellen Kontakt in eine überregionale amerikanische Tradition überführt wurde.

2. Die Elbedritschjagd im pennsylvaniadeutschen Kontext

Die Pennsylvania-Deutschen, deren Vorfahren seit dem späten 17. und besonders im 18. Jahrhundert in großer Zahl nach Nordamerika einwanderten, brachten ihre Dialekte, Erzählungen, religiösen Vorstellungen und Bräuche mit. Diese Überlieferungen blieben nicht unverändert. Sie wurden an die neue Umwelt angepasst und entwickelten sich innerhalb einer mehrsprachigen Gesellschaft weiter.

Zu den überlieferten Gestalten gehört die Elbedritsch, auch in Varianten wie Elbedritschel oder Elbedritschelcher. Sie erscheint in der Pennsylvania-deutschen Überlieferung als schwer fassbares, nicht eindeutig bestimmbares Tier. Die Jagd auf dieses Wesen ist ein fingiertes Unternehmen, bei dem ein ahnungsloser Teilnehmer mit einem Sack und weiteren Hilfsmitteln an einen abgelegenen Ort geschickt wird. Die übrigen Beteiligten lassen ihn schließlich allein.

Eine wichtige schriftliche Quelle ist Edith M. Thomas’ Mary at the Farm and Book of Recipes Compiled During Her Visit among the “Pennsylvania Germans”. Das Werk erschien erstmals 1915. Im Kapitel „An Elbadritchel Hunt“ schildert Thomas eine Jagd auf einen imaginären Vogel im ländlichen Bucks County. Mehrere Jungen holen Fritz Schmidt zu einer nächtlichen Jagd ab. Er glaubt an die Existenz des Tieres und erkennt nicht, dass er zum Opfer eines Streichs ausgewählt wurde (Thomas, 1915).

Noch früher als dieser ausführliche Bericht verweist Henry K. Fisher in Olden Times: Or, Pennsylvania Rural Life, Work, and Play von 1888 auf eine entsprechende Tradition. Ein 1969 in The Morning Call veröffentlichter Rückblick auf die Pennsylvania-deutsche Überlieferung zitiert Fishers Gedicht „Catching Elves“ und bezeichnet die Jagd auf die Elbedritsch als alte Tradition der Pennsylvania Germans. Der Rückblick stellt außerdem eine Verbindung zu deutschstämmigen Siedlern im Shenandoah Valley her, die den Brauch im 18. Jahrhundert weitergeführt hätten.

Diese Quellen belegen eine eigenständige Pennsylvania-deutsche Tradition. Sie beweisen allerdings nicht, dass die Jagd bereits im 18. Jahrhundert in ihrer später dokumentierten Form praktiziert wurde. Die Annahme einer solchen Kontinuität ist eine historische Rekonstruktion, die sich aus der Migrationsgeschichte und den späteren Überlieferungen ergibt.

3. Die chronologische Frage: Was war zuerst?

Die Chronologie ist für die Übertragungshypothese entscheidend.

Die pfälzische Auswanderung nach Pennsylvania setzte in größerem Umfang zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein. Damit bestand über mehrere Generationen hinweg die Möglichkeit, regionale Bräuche in eine neue kulturelle Umgebung einzubringen und mit englischsprachigen Nachbarn zu teilen.

Ein früher deutschsprachiger Hinweis auf den Elpentrötsch findet sich im Umfeld von Friedrich Nicolais Reise durch Deutschland und die Schweiz von 1781, veröffentlicht 1795. Dort wird die Wendung „den Elpentrötsch jagen“ mit „einen zum Besten haben“ erklärt. Friedrich David Gräter erwähnt 1813 die „Sage von dem Jagen des Elpen-Drötsch“. Diese Belege stammen nicht aus Pennsylvania und beschreiben nicht eindeutig die später bekannte Vogelgestalt. Sie zeigen aber, dass die Verbindung von Elb- beziehungsweise Elpenwesen und Jagd bereits im deutschen Sprachraum thematisiert wurde.

Für die amerikanische Snipe Hunt nennt die Forschung Nachweise seit den 1840er-Jahren. Ein konkret identifizierter Zeitungsbericht aus Dallas, Texas, vom 5. April 1876 beschreibt die Scherzjagd. Die Elbadritchel Hunt ist 1888 bei Fisher und ausführlicher 1915 bei Thomas dokumentiert.

Die zeitliche Abfolge ist mit einer Übertragungshypothese vereinbar. Sie erlaubt aber noch keine sichere Feststellung der Richtung: Ein früherer schriftlicher Beleg ist nicht automatisch der Ursprungsbeleg eines Brauchs. Entscheidend ist, dass die Pennsylvania-deutsche Tradition und die amerikanische Snipe Hunt bereits im späten 19. Jahrhundert als eigenständige, strukturell eng verwandte Überlieferungen greifbar sind.

Die Hypothese lautet deshalb nicht, dass eine direkte schriftliche Quelle die Übertragung bereits bewiesen hätte. Sie lautet, dass ein im 18. Jahrhundert von deutschsprachigen Auswanderern mitgebrachtes Ritual im Laufe des 19. Jahrhunderts von englischsprachigen Nachbarn übernommen worden sein könnte.

4. Die englische Gegenprobe: Ein amerikanischer Brauch ohne nachgewiesene englische Herkunft

Ein zusätzliches Argument ergibt sich aus der regionalen Verteilung des Ausdrucks snipe hunt. Die Schnepfe ist ein realer Vogel und in Großbritannien bekannt. Die nächtliche Scherzjagd auf ein imaginäres Tier ist dagegen vor allem als nordamerikanische Tradition dokumentiert.

Der britische Sprachbeobachter Michael Quinion diskutierte 2010 in einer Korrespondenz der American Dialect Society, dass ihm die Snipe Hunt als britischer Streich nicht bekannt sei. Er ging aufgrund der Hinweise amerikanischer Gesprächspartner davon aus, dass die Bezeichnung in diesem Sinn amerikanischen Ursprungs sei. Die Korrespondenz ist kein umfassender Beweis dafür, dass es in Großbritannien niemals vergleichbare Scherzjagden gab. Sie stützt jedoch die Annahme, dass snipe hunt als Bezeichnung für dieses konkrete Initiationsritual vor allem nordamerikanisch geprägt ist.

Damit entsteht eine erklärungsbedürftige Konstellation: Englischsprachige Siedler brachten zwar die englische Sprache und die Bezeichnung eines realen Vogels mit, doch eine entsprechende britische Tradition der Scherzjagd ist bislang nicht nachgewiesen. Die Möglichkeit, dass sie das Ritual erst in Nordamerika von ihren deutschsprachigen Nachbarn kennenlernten, verdient deshalb besondere Beachtung.

Die Argumentation aus dem Fehlen eines englischen Belegs bleibt allerdings begrenzt. Nicht dokumentierte Traditionen können existiert haben, und ein Brauch kann unabhängig entstehen. Die regionale Verteilung liefert somit ein Indiz, keinen Beweis.

5. Kulturtransfer in Pennsylvania: Vom Elbedritsch zum Snipe

Pennsylvania bietet einen historisch plausiblen Raum für die Übertragung. Deutschsprachige und englischsprachige Siedler lebten über Generationen hinweg in unmittelbarer Nachbarschaft. Bräuche konnten über Familienkontakte, Arbeit, Märkte, gemeinschaftliche Veranstaltungen und die gemeinsame Erziehung von Kindern und Jugendlichen weitergegeben werden.

Ein solcher Kulturtransfer muss nicht bedeuten, dass die übernehmende Gruppe auch die ursprüngliche mythologische Vorstellung übernimmt. Es genügt, wenn das Handlungsmuster attraktiv und leicht reproduzierbar ist.

Die Elbedritschjagd bietet dafür günstige Voraussetzungen:

  • Ein imaginäres Tier wird als reale Jagdbeute präsentiert.
  • Die Initiatoren behaupten, über besonderes Wissen zu verfügen.
  • Der Neuling erhält eine vermeintlich geeignete Fangmethode.
  • Die Jagd findet in einer Umgebung statt, in der Geräusche und Dunkelheit die Täuschung unterstützen.
  • Die Gruppe löst die Situation durch das Ausbleiben der Beute auf und erzeugt ein gemeinsames Erlebnis.

Bei einer Übernahme durch englischsprachige Nachbarn hätte der Name Elbedritsch durch snipe ersetzt werden können. Das englische Wort bezeichnet bereits einen realen Vogel. Gerade diese scheinbare zoologische Plausibilität kann die Täuschung unterstützen, während die Gestalt des vermeintlichen Tieres variabel bleibt.

Eine solche Umbenennung wäre ein typischer Fall kultureller Anpassung: Das Ritual wird übernommen, aber seine sprachliche und mythologische Oberfläche verändert sich. Ob dieser konkrete Namenswechsel tatsächlich so stattgefunden hat, muss durch historische Zwischenbelege noch überprüft werden.

6. Die Boy Scouts als Verbreiter und Standardisierer

Die Boy Scouts of America wurden 1910 gegründet. Die Snipe Hunt ist jedoch bereits im 19. Jahrhundert belegt und kann daher nicht ursprünglich durch die Pfadfinderbewegung entstanden sein.

Ihre Rolle könnte vielmehr in der späteren Verbreitung und Standardisierung liegen. Die Pfadfinderbewegung und die amerikanische Ferienlagerkultur schufen soziale Räume, in denen Jugendliche aus unterschiedlichen Familien und Regionen regelmäßig zusammenkamen. Ein leicht reproduzierbarer Initiationsstreich konnte sich dort rasch verbreiten, ohne dass die Beteiligten seine regionale Vorgeschichte kennen mussten.

Die Lagerliteratur des frühen 20. Jahrhunderts dokumentiert die Snipe Hunt als etablierten Brauch. Carl Saxons Blackie Thorne at Camp Lenape behandelt sie 1931 als Teil der Lagerkultur. Ein autobiografischer Bericht über ein Scout-Camp in Iowa beschreibt die Durchführung in den 1960er-Jahren: Ein Neuling erhält einen Jutesack und einen Stock und soll allein im Wald auf die vermeintlichen Vögel warten.

Diese Quellen zeigen, wie das Ritual über Generationen weitergegeben werden konnte. Ältere Teilnehmer führen jüngere in die Tradition ein; wer selbst getäuscht wurde, kann später die Rolle des Eingeweihten übernehmen. Auf diese Weise wird der Brauch unabhängig von seinem ursprünglichen regionalen Kontext reproduziert.

Die Boy Scouts sind deshalb als möglicher Verstärker und Standardisierer zu untersuchen. Die Behauptung, sie hätten die Snipe Hunt in den gesamten USA verbreitet, wäre allerdings erst durch eine systematische Auswertung regionaler Lagerberichte, Scout-Zeitungen und mündlicher Erinnerungen zu belegen.

7. Ein ethnografischer Schlüsselbefund

Besonders wichtig ist das Grußwort von Patrick J. Donmoyer auf elwedritsch.de. Donmoyer, Direktor des Pennsylvania German Cultural Heritage Center in Kutztown, berichtet aus seiner eigenen Kindheit von einer nächtlichen Suche nach einem geheimnisvollen Wesen beim Zelten im Wald.

Er beschreibt ein Wesen, dessen Gestalt als Mischung aus Säugetier und Vogel vorgestellt wurde und sich mit jeder Erzählung veränderte. Die Kinder hörten Schreie in der Dunkelheit, begleitet von etwas, das wie menschliches Lachen klang. Als sie von der Jagd zurückkehrten, fanden sie lediglich einen Stein in der Tasche. Donmoyer identifiziert das gesuchte Wesen ausdrücklich als Elbedritsch.

Dieser Bericht ist von besonderem Wert, weil er nicht lediglich die Ähnlichkeit mit einer amerikanischen Scherzjagd feststellt. Er verbindet die konkrete Jagdhandlung, das generationsübergreifende Gruppenerlebnis und den Pennsylvania-deutschen Namen unmittelbar miteinander.

Donmoyer nennt allerdings keine Boy-Scout-Gruppe. Die Vermutung, dass es sich bei dem nächtlichen Waldlager um ein Scout-Camp handelte, ist plausibel, aber bislang nicht gesichert. Der Bericht belegt die Fortdauer des Elbedritschrituals in Pennsylvania; er beweist nicht den historischen Übertragungsweg zur Snipe Hunt.

8. Ein Modell kultureller Evolution

Die Übertragungshypothese lässt sich in drei Phasen gliedern.

Phase 1: Regional gebundene Überlieferung. Ein Jagdritual um ein imaginäres Wesen wird von deutschsprachigen Auswanderern nach Pennsylvania mitgebracht und innerhalb der Pennsylvania-deutschen Gemeinschaft weitergegeben. Ein Beginn im 18. Jahrhundert ist aufgrund der Migrationsgeschichte plausibel, aber nicht unmittelbar belegt.

Phase 2: Interkulturelle Transformation. Englischsprachige Nachbarn übernehmen möglicherweise das Handlungsmuster und passen es an ihre Sprache und Kultur an. Der regionale Name und die mythologische Bedeutung treten zurück; snipe wird zur neuen Bezeichnung der vermeintlichen Beute.

Phase 3: Überregionale Standardisierung. Ferienlager und Pfadfindergruppen verbreiten das Ritual im 20. Jahrhundert. Die soziale Funktion bleibt stabil, während Aussehen, Fangregeln und konkrete Inszenierung variieren können.

Dieses Modell unterscheidet zwischen dem Ursprung eines Brauchs, seiner Übertragung und seiner späteren Verbreitung. Es vermeidet damit die Annahme, die am weitesten verbreitete Form müsse zwangsläufig die älteste sein.

9. Quellenkritische Grenzen und Forschungsbedarf

Die Hypothese ist plausibel, aber noch nicht bewiesen. Insbesondere fehlen bislang:

  1. ein zeitgenössischer Beleg aus dem 18. Jahrhundert, der die Elbedritschjagd in Pennsylvania unmittelbar dokumentiert;
  2. ein früher Bericht, in dem englischsprachige Nachbarn ausdrücklich eine deutschsprachige Jagdtradition übernehmen;
  3. eine belastbare regionale Chronologie der frühen Snipe Hunts;
  4. eine systematische Untersuchung der Verbreitung durch Boy Scouts und Ferienlager;
  5. ein umfassender Vergleich mit britischen Scherz- und Initiationsbräuchen.

Die Forschung sollte deshalb historische Zeitungen, Lagerchroniken, Dialektwörterbücher, Familienüberlieferungen und frühe ethnografische Sammlungen systematisch auswerten. Besonders ergiebig wäre die Suche nach Belegen, in denen Elbedritsch, Elbedritschel oder vergleichbare Formen in englischsprachigen Kontexten auftreten.

Auch die Möglichkeit unabhängiger Entstehung muss geprüft werden. Eine fingierte Jagd ist ein sozial relativ einfaches Ritual, das in verschiedenen Gruppen entstehen kann. Die strukturelle Übereinstimmung allein beweist deshalb keine Abstammung. Für die Übertragungshypothese sprechen jedoch die konkrete Pennsylvania-deutsche Tradition, die historische Nachbarschaft der Sprachgemeinschaften und die nordamerikanische Verbreitung der Snipe Hunt.

10. Schlussfolgerung

Die Snipe Hunt könnte eine anglophone Transformation eines älteren deutsch-pennsylvanischen Jagdrituals sein. In diesem Modell wäre die Elbedritschjagd die mögliche Vorläufertradition. Englischsprachige Nachbarn hätten das Ritual im 19. Jahrhundert übernommen und unter einer neuen Bezeichnung weitergeführt. Die Boy-Scout-Bewegung und die amerikanische Ferienlagerkultur hätten anschließend dazu beigetragen, den Brauch überregional zu verbreiten und sein Handlungsmuster zu standardisieren.

Die Abwesenheit einer bislang nachgewiesenen britischen Tradition der imaginären Snipe Hunt unterstützt die Frage nach einem nordamerikanischen Entstehungszusammenhang, beweist aber für sich genommen keinen deutschen Ursprung. Ebenso bleibt der genaue Übertragungszeitpunkt offen.

Der wissenschaftliche Ertrag der Hypothese liegt darin, die historische Richtung der kulturellen Übertragung ausdrücklich zum Gegenstand der Forschung zu machen. Statt die Elbedritschjagd als bloße Variante einer amerikanischen Tradition zu behandeln, wird gefragt, ob eine regionale Überlieferung durch Migration, Sprachkontakt und institutionelle Weitergabe in eine überregionale Form transformiert wurde.

Damit eröffnet sich eine konkrete Forschungsaufgabe: die Rekonstruktion des Weges von der pennsylvania-deutschen Elbedritschjagd zur amerikanischen Snipe Hunt. Die These ist noch nicht bewiesen, aber sie ist durch überprüfbare historische Fragen präzisiert und kann an neuen Quellen bestätigt, differenziert oder widerlegt werden.

Literatur und Quellen

Fisher, H. K. (1888). Olden Times: Or, Pennsylvania Rural Life, Work, and Play.

Gräter, F. D. (1813). Uebersicht der Alterthümer der ehemaligen Reichsstadt Hall. In Idunna und Hermode: Eine Alterthumszeitung (2. Jg., S. 65–72).

Marsh, M. (2015). Practically Joking. Utah State University Press.

Mechling, J. (1996). Snipe hunt. In American Folklore: An Encyclopedia. Garland Publishing.

Nicolai, F. (1795). Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz, im Jahre 1781 (Bd. 9, Beilage VIII: Versuch eines schwäbischen Idiotikon). Berlin und Stettin.

The Morning Call. (1969, 25. Januar). Bericht zur Pennsylvania-deutschen Tradition der Elbedritschjagd.

Wikipedia contributors. (o. J.). Snipe hunt. https://en.wikipedia.org/wiki/Snipe_hunt

Wikipedia contributors. (o. J.). Elwetritsch. https://en.wikipedia.org/wiki/Elwetritsch

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