
Abstract
Die pennsylvanisch-deutsche Volkskunst, apotropäische Schutzpraktiken und die pfälzische Elwedritschtradition werden gewöhnlich unterschiedlichen Forschungsfeldern zugeordnet: der materiellen Kultur, der historischen Volkskunde und der Dämonen- beziehungsweise Sagenforschung. Der vorliegende Beitrag entwickelt die These, dass sich diese Bereiche vergleichend als unterschiedliche Formen kultureller Bewältigung von Unsicherheit untersuchen lassen. Während apotropäische Praktiken auf die Abwehr als gefährlich wahrgenommener Einflüsse zielen, kann dekorative und religiös geprägte Volkskunst eine positiv besetzte Lebensordnung sichtbar machen. Die Elwedritsch wiederum lässt sich im Rahmen eines kognitiv-evolutionären Modells als Beispiel für die kulturelle Transformation nächtlicher Bedrohungsvorstellungen in regionale Folklore untersuchen. Als theoretische Bezugspunkte dienen die Forschung zur Schlafparalyse, die Hyperactive Agent-Detection (HADD), die Compensatory Control Theory, die Dual Inheritance Theory sowie Ansätze zur Ritual- und Humorforschung. Die Verbindung dieser Ansätze wird als Forschungshypothese ausgewiesen. Eine direkte historische Verbindung zwischen pennsylvanisch-deutscher Volkskunst und der Elwedritsch ist bislang nicht nachgewiesen. Der Beitrag schlägt vier prüfbare Forschungsfragen vor, mit denen sich die Hypothese an Quellen testen lässt.
Schlüsselwörter: Pennsylvania German, Volkskunst, Apotropäik, Braucherei, Elwedritsch, Schlafparalyse, kulturelle Evolution, symbolische Kontrollgewinnung, Ritual
1. Einleitung: Drei Forschungsfelder, eine gemeinsame Fragestellung?
Die Erforschung der Elwedritsch, die Untersuchung apotropäischer Schutzzeichen und die Erforschung der pennsylvanisch-deutschen Volkskunst erscheinen zunächst als unterschiedliche Themen. Die Elwedritsch gehört zur regionalen Sagen- und Brauchüberlieferung der Pfalz. Apotropäische Zeichen und Handlungen werden in der Religions-, Kunst- und Volkskunde im Hinblick auf ihre zugeschriebene Schutzfunktion untersucht. Die Volkskunst der Pennsylvania Germans umfasst dagegen ein breites Spektrum materieller und visueller Ausdrucksformen, darunter bemalte Möbel, Frakturmalerei, Taufscheine, Textilien, Blumenmotive, Herzen, Distelfinken und geometrische Ornamente.
Eine vergleichende Betrachtung eröffnet jedoch eine gemeinsame Frage: Wie gestalten Menschen ihre Lebenswelt symbolisch, wenn sie Gefahren, Kontrollverlust oder Unsicherheit erfahren?
Die hier vertretene These lautet, dass sich drei unterschiedliche kulturelle Reaktionsweisen analytisch unterscheiden lassen: die Personifikation des Bedrohlichen, die symbolische Abwehr des Bedrohlichen und die positive Gestaltung einer als wünschenswert verstandenen Lebensordnung. Diese Unterscheidung ist zunächst ein theoretisches Modell. Sie behauptet weder, dass alle drei Phänomene historisch aus einer gemeinsamen Tradition hervorgegangen seien, noch, dass sämtliche Motive der pennsylvanisch-deutschen Volkskunst ursprünglich magische Funktionen besessen hätten.
Die Untersuchung knüpft an die vergleichende Perspektive von elwedritsch.de und Hiwwe wie Driwwe an. Sie erweitert die Elwedritschforschung um die Frage, ob sich die kulturelle Verarbeitung von Bedrohung nicht allein an Dämonenvorstellungen und Abwehrpraktiken, sondern ebenso an positiven Symbolwelten untersuchen lässt.
2. Apotropäische Praktiken: Bedrohung symbolisch begrenzen
2.1 Begriff und Schlafparalyse
Der Begriff apotropäisch bezeichnet Handlungen, Zeichen oder Gegenstände, denen die Funktion zugeschrieben wird, Unheil, böse Mächte oder schädliche Einflüsse abzuwehren. In unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten begegnen Gebete, Segensformeln, Amulette, Zeichen an Gebäuden und andere Schutzpraktiken. Ihre konkrete Bedeutung muss jeweils aus dem historischen Kontext erschlossen werden.
Für die Untersuchung nächtlicher Bedrohungsvorstellungen ist die Forschung zur Schlafparalyse besonders relevant. Während einer Schlafparalyse kann die betroffene Person bei eingeschränkter Bewegungsfähigkeit eine bedrohlich wirkende Präsenz wahrnehmen. De Sá und Mota-Rolim (2016) zeigen in ihrem Überblick, dass vergleichbare körperliche Erfahrungen in unterschiedlichen Gesellschaften durch verschiedene kulturelle Vorstellungen erklärt werden. Die Interpretation reicht von Geistern und Dämonen bis zu regionalen Nachtwesen. Ness (1978) untersuchte die auf Neufundland verbreitete Vorstellung der Old Hag und stellte ihre phänomenologische Nähe zur Schlafparalyse heraus. Hufford (1982) widerspricht einer rein kulturellen Erklärung dieser Überlieferungen und vertritt eine erfahrungszentrierte These: Die stabile Gestalt der Erfahrung selbst präge die Tradition mit. Cheyne et al. (1999) differenzieren die dabei auftretenden Halluzinationstypen (Eindringling, Druck auf der Brust, vestibulär-motorische Erlebnisse), die sich auf Alp- und Drudenvorstellungen beziehen lassen.
Diese Befunde belegen nicht, dass eine bestimmte Sagengestalt unmittelbar aus der Schlafparalyse entstanden ist. Sie zeigen vielmehr, dass ähnliche körperliche Erfahrungen kulturell unterschiedlich gedeutet und in lokale Überlieferungen integriert werden können. Damit liefern sie eine empirisch begründete Grundlage für vergleichende Untersuchungen nächtlicher Dämonenvorstellungen.
2.2 Kognitive Voraussetzungen
Im Rahmen eines kognitiv-evolutionären Ansatzes lässt sich zusätzlich fragen, welche kognitiven Mechanismen die Wahrnehmung einer unsichtbaren oder mehrdeutigen Bedrohung begünstigen. Barrett (2000) beschreibt mit dem Konzept des Hyperactive Agent-Detection Device (HADD) eine Tendenz, bei mehrdeutigen Reizen handelnde Akteure zu vermuten; der Gedanke geht auf Guthrie (1993) zurück. Das Konzept kann als theoretischer Ausgangspunkt dienen, um die Entstehung bestimmter Agentenvorstellungen zu untersuchen. Es ist jedoch in der Forschung umstritten: Seine empirische Basis gilt als begrenzt, und alternative Modelle, etwa Boyers (2001) Ansatz der minimal kontraintuitiven Konzepte, erklären die Verbreitung übernatürlicher Vorstellungen ohne eine eigene Detektionsinstanz. HADD ist deshalb weder ein direkter Nachweis für den Ursprung der Elwedritsch noch eine hinreichende Erklärung historischer Schutzbräuche.
2.3 Pennsylvanisch-deutsche Schutzpraktiken: Braucherei
Die Pennsylvania Germans verfügen über eine gut belegte Tradition schützender und heilender Praktiken, die als Braucherei oder Powwow bezeichnet wird. Dazu gehören gesprochene Segens- und Beschwörungsformeln, handschriftlich oder gedruckt überlieferte Rezept- und Schutzsammlungen sowie Schutzbriefe (Himmelsbriefe). Eine zentrale gedruckte Quelle ist Hohmans Der lange verborgene Freund (1820; engl. The Long Lost Friend). Kriebel (2007) und Donmoyer (2017) untersuchen Braucherei als historische Praxis im Spannungsfeld von Medizin, Religion und Alltag.
Für den vorliegenden Vergleich ist dieser Strang wichtig, weil er im Unterschied zu den oft nachträglich zugeschriebenen Bedeutungen der Scheunenzeichen (Abschnitt 3) durch Texte und zeitgenössische Aussagen belegt ist. Er markiert damit die am besten dokumentierte pennsylvanisch-deutsche Entsprechung zur Abwehrseite des hier vorgeschlagenen Modells.
3. Pennsylvanisch-deutsche Volkskunst: mehr als Dekoration?
Die materielle Kultur der Pennsylvania Germans bietet ein reiches Untersuchungsfeld für die Beziehung zwischen Symbolik, religiöser Lebenswelt und sozialer Zugehörigkeit. Dazu gehören die Frakturmalerei, dekorierte Möbel, Taufscheine, textile Arbeiten und die bekannten geometrischen Scheunenmalereien, die heute häufig als Hex Signs bezeichnet werden.
Yoder und Graves (2000) untersuchen die Geschichte, Verbreitung und Bedeutungszuschreibungen dieser Scheunenzeichen. Donmoyer (2013) vertieft die Auseinandersetzung mit ihren Formen, ihrer lokalen Verwendung und der Entstehung des modernen Hex-Sign-Mythos. Beide Arbeiten machen deutlich, dass die Bedeutung der Zeichen nicht pauschal aus ihrer heutigen Bezeichnung abgeleitet werden kann. Die Gleichsetzung sämtlicher Scheunensterne mit magischen Schutzzeichen ist historisch nicht hinreichend abgesichert.
Gerade diese Differenzierung ist für die vorliegende Untersuchung zentral. Ein Stern, eine Rosette oder eine Blume kann dekorative, religiöse, identitätsstiftende oder möglicherweise apotropäische Funktionen haben. Welche Funktion im konkreten Fall vorliegt, muss anhand von Datierung, Ort, Verwendung, zeitgenössischen Aussagen und vergleichbaren Belegen untersucht werden.
Ähnliches gilt für die pennsylvanisch-deutsche Frakturmalerei. Herzen, Tulpen, Vögel, Lebensbäume und andere Motive strukturieren die visuelle Welt von Taufscheinen, Familienaufzeichnungen und weiteren Objekten. In diesen Zusammenhängen können sie religiöse Überzeugungen, familiäre Bindungen, Segenswünsche und Vorstellungen eines guten Lebens ausdrücken. Daraus folgt jedoch nicht, dass jedes Motiv eine festgelegte symbolische Bedeutung besaß oder bewusst als Schutzzeichen eingesetzt wurde.
Für die kulturwissenschaftliche Analyse ist deshalb eine Unterscheidung zwischen defensiver Symbolik und positiver Symbolik hilfreich. Defensive Symbolik zielt auf die Abwehr einer als gefährlich verstandenen Macht. Positive Symbolik bringt dagegen erwünschte Werte, Hoffnungen und Ordnungen zum Ausdruck. Beide Funktionen können sich überschneiden, sind aber nicht identisch.
4. Symbolische Kontrollgewinnung als theoretischer Zusammenhang
Die Compensatory Control Theory von Kay et al. (2009) beschreibt, wie Menschen auf wahrgenommenen Kontrollverlust reagieren können, indem sie Ordnung, Struktur oder übergeordnete Kontrollinstanzen stärker wahrnehmen oder suchen. Empirisch wurde dieser Mechanismus zuerst von Kay, Gaucher, Napier, Callan und Laurin (2008) für den Zusammenhang von Kontrollverlust, Regierungs- und Gottesvorstellungen geprüft. Whitson und Galinsky (2008) zeigen zudem, dass Kontrollverlust die Wahrnehmung scheinbarer Muster in mehrdeutigen Reizen verstärkt. Dieser Befund verbindet die kognitive Ebene aus Abschnitt 2 unmittelbar mit der Frage nach symbolischer Ordnungsbildung. Die Theorie eröffnet damit eine Möglichkeit, religiöse und symbolische Praktiken im Zusammenhang mit Unsicherheit zu untersuchen.
Auf die hier behandelten Themen übertragen, ergeben sich drei analytische Dimensionen:
| Dimension | Funktion | Beispielbereich | Beleglage |
|---|---|---|---|
| Personifikation | Das Unbestimmte wird zur erzählbaren Gestalt | Alb-, Alp-, Drudenvorstellungen; Elwedritsch | Schlafparalyseforschung belegt Deutungsvielfalt; konkrete Genealogie der Elwedritsch offen |
| Abwehr | Handlungsoption gegenüber der vermeintlichen Gefahr | Braucherei, Schutzbriefe; gegebenenfalls einzelne Zeichen | Braucherei gut belegt; Schutzfunktion der Hex Signs nicht gesichert |
| Positive Ordnung | Sichtbarmachung einer religiös oder familiär geordneten Lebenswelt | Fraktur, Taufscheine, Möbelmalerei | gut dokumentiert; Bedeutungszuschreibung motivabhängig |
Diese drei Dimensionen lassen sich als unterschiedliche Formen symbolischer Kontrollgewinnung untersuchen. Die Theorie behauptet dabei nicht, dass Menschen ihre Symbole bewusst zu diesem Zweck auswählen. Ebenso wenig ist nachgewiesen, dass alle genannten Formen auf denselben psychologischen Mechanismus zurückgehen. Es handelt sich um eine vergleichende Forschungsheuristik, die durch historische und ethnografische Einzelstudien geprüft werden muss.
Die Dual Inheritance Theory (DIT) bietet hierfür einen übergeordneten Rahmen. Sie untersucht das Zusammenspiel genetischer und kultureller Evolution sowie die Weitergabe kultureller Merkmale zwischen Menschen und Generationen (Boyd & Richerson, 1985; Richerson & Boyd, 2005; Henrich, 2016). Für die vorliegende Fragestellung ist insbesondere die kulturelle Überlieferung von Erzählungen, Ritualen und Symbolformen relevant. Motive können übernommen, verändert, neu kombiniert oder in andere soziale Kontexte eingebettet werden.
Damit lässt sich eine wichtige Unterscheidung treffen: Die Wiederkehr ähnlicher Symbole oder Dämonenvorstellungen kann auf direkte Übertragung, gemeinsame kulturelle Vorläufer, unabhängige Entstehung oder eine Kombination dieser Prozesse zurückgehen. Ähnliche Formen allein beweisen keine historische Abstammung voneinander.
5. Die Elwedritsch zwischen Bedrohungsvorstellung und humoristischer Folklore
Die Elwedritsch ist in der Pfalz Gegenstand unterschiedlicher Erzählungen, regionaler Identitätsbildung und ritualisierter Jagdbräuche. Im kognitiv-evolutionären Ansatz wird untersucht, ob bestimmte Erscheinungsformen der Elwedritsch mit älteren Vorstellungen nächtlicher Bedrohung, etwa Alb-, Alp- oder Drudenmotiven, vergleichend in Beziehung gesetzt werden können. Als Grundlage für diesen Vergleich sind die einschlägigen Handbuch- und Dialektwerke heranzuziehen, namentlich das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (Bächtold-Stäubli & Hoffmann-Krayer, 1927–1942) und das Pfälzische Wörterbuch (Christmann & Krämer, 1965–1998).
Die Forschung zur Schlafparalyse zeigt, dass nächtliche körperliche Erfahrungen in unterschiedlichen Kulturen mit Vorstellungen bedrohlicher Wesen verbunden worden sind (de Sá & Mota-Rolim, 2016; Ness, 1978). Daraus ergibt sich als Vergleichshypothese, dass auch pfälzische Nachtwesenvorstellungen auf vergleichbare Erfahrungsmuster zurückwirken konnten und dass die Elwedritsch Motive dieses Vorstellungsfeldes aufnimmt oder umdeutet. Für eine konkrete historische Genealogie der Elwedritsch wären jedoch zusätzliche sprachgeschichtliche, archivalische und motivgeschichtliche Belege erforderlich.
Eine zweite Forschungsfrage betrifft die Transformation des Bedrohlichen in Humor und gemeinschaftliches Spiel. McGraw und Warren (2010) zeigen mit der Benign Violation Theory, dass humoristische Reaktionen dort entstehen können, wo eine Normverletzung zugleich als ungefährlich oder akzeptabel wahrgenommen wird. Auf Elwedritschbräuche übertragen, lässt sich daher untersuchen, ob die Inszenierung einer vermeintlichen Jagd das Unheimliche in eine sozial kontrollierte und humoristisch gerahmte Situation überführt.
Auch die Ritualforschung ist hier relevant. Collins (2004) beschreibt, wie Interaktionsrituale durch gemeinsame Aufmerksamkeit, emotionale Synchronisierung und Gruppenzugehörigkeit soziale Bindungen hervorbringen können. Eine Elwedritschjagd kann unter diesem Gesichtspunkt als gemeinschaftliche Aufführung untersucht werden. Ob und in welchem Ausmaß diese Mechanismen bei bestimmten historischen oder gegenwärtigen Elwedritschveranstaltungen tatsächlich wirksam sind, muss anhand konkreter Beobachtungen geprüft werden.
Der Zusammenhang zwischen nächtlicher Bedrohung, Humor und Ritual ist damit theoretisch plausibel, aber nicht automatisch historisch bewiesen. Insbesondere darf aus einer möglichen funktionalen Ähnlichkeit nicht auf eine lückenlose Entwicklung vom Nachtgeist zur modernen Jagdfigur geschlossen werden.
6. Eine vergleichende Synthese: Abwehr und positive Lebensordnung
Die Verbindung zwischen pennsylvanisch-deutscher Volkskunst, apotropäischen Praktiken und Elwedritschüberlieferung liegt nach diesem Modell nicht in einer nachgewiesenen gemeinsamen Herkunft. Sie liegt zunächst in der Möglichkeit, alle drei Bereiche als unterschiedliche Antworten auf Unsicherheit und als Bestandteile kulturell organisierter Lebenswelten zu untersuchen.
Die apotropäische Praxis richtet sich gegen eine befürchtete Gefahr. Positive Volkskunst kann dagegen erwünschte Lebensbedingungen, religiöse Hoffnungen und familiäre Werte sichtbar machen. Die Elwedritschüberlieferung bietet schließlich einen Zugang zur Frage, wie bedrohliche oder unheimliche Vorstellungen erzählerisch verändert und in gemeinschaftliche Praktiken eingebunden werden können.
Diese Funktionen sind weder vollständig voneinander getrennt noch in jedem Fall vorhanden. Ein Symbol kann zugleich dekorativ, religiös und schützend verstanden werden. Eine Sagengestalt kann sowohl Angst erzeugen als auch Unterhaltung ermöglichen. Ein Ritual kann Schutz versprechen und gleichzeitig soziale Zugehörigkeit stärken.
Die pennsylvanisch-deutsche Volkskunst erweitert den Blick deshalb um eine Dimension, die bei der Erforschung von Dämonen und Schutzpraktiken leicht übersehen wird: Kulturelle Bewältigung besteht nicht allein darin, das Negative abzuwehren. Sie kann ebenso darin bestehen, das Positive sichtbar zu machen, familiäre und religiöse Ordnung zu stabilisieren und einen vertrauten Lebensraum symbolisch auszugestalten.
Die Abwehr des Bedrohlichen und die positive Gestaltung einer symbolisch geordneten Lebenswelt lassen sich als komplementäre kulturelle Strategien untersuchen. Die Elwedritsch erweitert diese Perspektive um die Frage, wie das Unheimliche in Erzählung, Humor und Ritual transformiert wird. Eine direkte historische Verbindung der drei Bereiche ist damit nicht belegt; als vergleichendes, kognitiv-evolutionäres Forschungsprogramm ist der Zusammenhang jedoch präzise formulierbar und empirisch prüfbar.
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