33 Was andere berichten

33 Was andere berichten

Aus dem Chiemgau: „Unruh“ als Vorläufer von „Traumfängern“ schützt vor der Drud (2025). „In der Schlafkammer schwebte von der Decke die „Unruh“. Dieser Hexenkranz ist ein Vorläufer der heute modernen Mobile. An ihnen hingen früher einmal nur Druidensterne. Diese Art war jedoch bei uns nicht bekannt. Die „Unruh“ schützte gegen den „Kram“, den durch die Drud verursachten Krampf, den wir als Alpdruck kennen.“ Quelle: Chiemgau Alpenverband 

Aus der Süddeutschen Zeitung: Die Drud dringt durch das Fenster oder das Schlüsselloch herein (2016). „Mitten in der Nacht schreckt man auf – schweißgebadet und nach Luft ringend. Ein Albtraum. Der Begriff stammt aus dem Volksglauben: Alben sind nächtliche Drückgeister, die sich auf die Brust eines Menschen setzen und diesem dadurch die Luft wegbleibt. Im alpenländischen Raum ist das die „Drud“, ein geisterhafter und zugleich gestaltwandlerischer weiblicher Dämon, der mit dem Teufel im Bund steht. „Die Drud dringt durch das Fenster oder das Schlüsselloch herein, überrascht den nächtlichen Schläfer und drückt ihm derart auf Brust und Hals, dass er in Todesängste verfällt“, schreibt Hans Baumgartner im Buch „Bayerische Sagen“.“ Quelle: Süddeutsche Zeitung

Schwäbische: Wie man sich vor Hexen und Schrättele schützt (2019). „A Schrättele isch koi Hex und a Hex isch koi Schrättele“, stellt Paul Sägmüller klar. „Schrättele sind Frauen, die dazu verdammt waren, als Schrättele zu gehen. Man sagte ihnen nach, dass sie sich Schlafenden heimlich auf die Brust setzen und ihnen die Luft abdrücken.“ Derart Geplagte, so hieß es, wurden „vom Schrättele druckt“. Im Buch steht auch, wie man sich davor zu schützen versuchte: etwa mit Schrättelesrechen, -steinen oder -gattern, an die Stalltür gehängter Sense oder einem schwarzen Ziegenbock. „Wenns Schrättele den gsäha hot, hots denkt, dr Deifel isch scho do.“ Quelle: Schwäbische

Verbund Oberösterreichischer Museen (2025): Die Drud kann als Feder, Hummel, Schlange, Katze und Kröte, aber auch als schöne junge Frau erscheinen. „Drud und Hexe konnte man mit einem Drudenmesser abwehren. Auf dessen Klinge mussten sieben oder neun Kreuze und Halbmonde eingeprägt sein. In Zell an der Pram z.B. kannte man auch Lochsteine oder Drudensteine, die man als Schutz vor Fenster und Stall hängte, das Loch musste aber natürlich entstanden sein. Das wichtigste Abwehrzeichen gegen Druden war aber der Drudenfuß (Pentagramm), der auf Wiegen und Betten gemalt wurde. In der Antike galt er als Zeichen der Venus, im Mittelalter als Abwehrmittel gegen alle Dämonen. Der Drudenfuß wurde auch zur Teufelsbeschwörung genutzt. In einer Volksüberlieferung heißt es, die Drud würde eine Fußspur ähnlich einem Drudenfuß hinterlassen.“ Quelle: Verbund Oberösterreichischer Museen

ZentralPlus – News plus mehr für Luzern und Zug (2015): Um die Wesen aus dem Reich der Schatten fernzuhalten, ritzten in Bayern die Bauern Pentagramme in die Stalltüren. „Eine besondere Rolle spielt das Pentagramm im europäischen Volksglauben, wo man ihm seit dem frühen Mittelalter eine magische Schutzwirkung gegen Dämonen, Nachtmahre und den Teufel zuspricht. Man glaubt, es bewahre vor den unruhigen Geistern der Toten, die zu bestimmten Zeiten an die Orte zurückkehren, wo sie sich als Lebende aufgehalten hatten. Mehr als die einzelne Seele fürchtete man das Heer der unerlösten Toten, das in dunklen Winternächten als heftiger Wind ins Jenseits zieht und alles mit sich reisst, was nicht niet- und nagelfest ist. Angeführt wird das gespenstische Heer von einem dämonischen Reiter, der in den Sagen der Zentralschweiz Türst genannt und mit Wodan assoziiert wird.“ Quelle: ZentralPlus

Bayern 2 Radiowissen: So alt wie die Menschheit – die Geschichte des Aberglaubens (2013): „Seit ein paar Jahrzehnten kommt die Volkskunde zu dem Schluss: Aller Aberglaube ist gesunkenes Kulturgut unserer Vorfahren oder Überbleibsel einer veralteten Wissenschaft, die einmal aktuell und anerkannt war, zum Beispiel die Alchemie, Astrologie oder Volksmedizin. Auch die Philosophie und Kosmologie, wie sie etwa der Gelehrte Pythagoras vertrat, taucht als abgebröckeltes und in seiner Bedeutung gewandeltes Einzelwissen wieder auf. Die historischen Wurzeln des Aberglaubens und des Brauchtums sind also weniger im Mystischen als vielmehr im konkreten Alltag früherer Gesellschaften zu finden und darin, wie sie die Welt erlebt, gedeutet und gestaltet haben.“ Quelle: Bayern 2

Peter Brugger, Professor für Verhaltensneurologie und Neuropsychiatrie an der Universität Zürich (2013): „Abergläubische Menschen stellen leicht Bezüge her. Diese Fähigkeit haben sie mit kreativen Menschen gemein. Kreativität zeichnet sich gerade durch die Fähigkeit aus, über herkömmliche Kategoriengrenzen hinweg zu assoziieren. Man denke nur an den Traum einer sich in den Schwanz beißenden Schlange, die den Chemiker Friedrich August Kékulé auf die Ringstruktur des Benzolmoleküls aufmerksam machte. Diese „kreative“ Seite des Aberglaubens könnte der Grund sein, warum er trotz aller unbestrittenen Nachteile evolutionär überlebt hat.“ Quelle: Das Gehirn

Mittelbayerische Zeitung: Von Hexen, Druden und dem Viehaushorchen (2017): „Andreas Schmeller widmet in seinem Bayerischen Wörterbuch den „Hechsen“ nur wenige Zeilen. Eine längere Abhandlung gibt es jedoch zu den Druden, die ebenfalls in den „Zwölfernächten“ besonders aktiv sein sollen: „Eine jener Art Hexen und Unholdinnen, deren besondere Liebhaberei es ist, sich schlafenden Personen in allerlei furchtbaren Gestalten recht breit und schwer auf die Brust zu setzen und ihnen die ängstlichen Empfindungen zu verursachen, die man anderswo den Alp oder das Alpdrücken nennt. Dieser an sich gleichgültige Wahn hatte früher das Bedenkliche, dass der gemeine Mann nicht selten bestimmte, besonders ältere Weibspersonen aus seiner Gegend für Truden zu halten und als solche anzufeinden beliebte.“ (…) Im Volksglauben kann eine Drud ihre Seele vom Körper lösen und durch Tür- und Fensterritzen und Schlüssellöcher schlüpfen. Wie bei Schmeller beschrieben, knien oder setzen sie sich auf die Brust des Schlafenden und drücken diesen, so dass derjenige keine Luft mehr bekommt. Fängt sie zu drücken an, so hilft nur noch der Spruch: „Drud, komm morgen, i will dir was borgen!“ Daraufhin hört sie zu drücken auf und muss sich am nächsten Tag als erstes in ihrer wahren Gestalt zeigen. Auch Tiere können von ihr gedrückt werden, besonders Pferde. War eine Drud im Stall, so merkt man dies, weil die Pferde stark schwitzen und in die Mähnen und Schweife lauter kleine, schwer entwirrbare Zöpfchen eingeflochten sind.“ Quelle: mittelbayerische.de

ARD alpha (2020): „Albtraumforscher sammelt Träume und Gehirnscans: Patrick McNamara ist Neurowissenschaftler, Dozent der Psychiatrie der Universität Boston – und Albtraumforscher. Die verschiedenen grausamen Geschichten, die seinen Patienten den Schlaf raubten, brachten ihn auf eine Idee: Er fing an, Tausende Träume zu sammeln, auszuwerten und die Gehirnscans ihrer Urheber zu vergleichen. (…) Aber wie schaffen es die Ungeheuer in unseren Kopf? In den Gehirnscans der Albtraumgeplagten konnte McNamara deutlich sehen, welche Gehirnregion beim Träumen besonders aktiv ist: Das limbische System, das für Emotionen verantwortlich ist. Besonders dem Teil, der als Amygdala bezeichnet wird, spricht er die Urheberrechte für die schlimmen Geschichten zu (…).“ Quelle: ARD

Obermain-Tagblatt (2019): Wann heid nochds die Drud kummt. „Verstopft man das Schlüsselloch, so kann man den Geist loswerden, ja sogar fangen mit einer Stecknadel, einem Strohhalm oder einer Feder in der Hand. Man wehrte ebenso die Trud ab, indem man einen Trudenfuß über dem Bett, am Türrahmen oder dem Fenster anbrachte oder ein Trudenmesser neben sich ins Bett legte oder eine Stecknadel ins Schlüsselloch. Der Trudenfuß ist ein fünfzackiger Stern, das Trudenmesser ein geschmiedetes Messer, auf dessen Klinge neun Halbmonde oder Kreuze eingestanzt sind.“ Quelle: obermain.de

Register der Volksfrömmigkeit, Schweiz (2002): „Ds Toggäli (Anmerkung: Drud/Mahr) isch ä Mänsch, wo i dr Nacht als Chatz dur d’ Schlissäl- und Aschtlecher zu dä Buebä i d’ Chammärä schliift und nä üf d’ Bruscht hockät. Mä wird ganz schtiif, wennd’s eim plagät. Wenn’s aber eim gratät und är sich z’ rodä chunnt und ds Toggäli gleitig verwitscht, dä chas nimmä fort. Äs muess sich dä z’rugg verwandlä und litt als scheens blutts Meitli näbem im Bett. Diese Aussage behauptete, dass ein Mensch zugleich eine Katze und irgendein strickförmiges Wesen sein konnte, und zwar in jeder Gestalt, derb körperlich. (…)
Der Glaube an das Toggäli, ein Geistwesen, war im ganzen Alpenraum verbreitet. Es war ein Nachtgespenst, auch Propanz genannt, und hiess in anderen Gegenden auch Schrättele, Schrättlig, Schratt, Schrattl, Alb, Mahr oder Nachtmahr, aber auch Trud. Dieser Geist plagte auch Tiere. Das Toggäli drang meist um Mitternacht durch Astlöcher, Schwundrisse, Schlüssel- und andere kleinere Löcher, selten aber durch geöffnete Türen und Fenster ins Zimmer. Der Schlafende hörte, wie es schleifend über den Stubenboden daherkam und sich ihm näherte. Dann hockte es ihm plötzlich auf die Brust und drückte ihm die Kehle zu, bis dieser vor Angst aufschrie. Furchtbare Angst packte den Betroffenen, machte ihr wehrlos; er meinte zu ersticken. Mit dem Erwachen verschwand auch das Toggäli wieder. Trat das Toggäli öfters auf, zehrte das Opfer, der Unterlieger, immer mehr ab.“ Quelle: urikon.ch

Franz Irsigler, Vorwort zu „Volks- und Aberglauben“ von Gunter Altenkirch (2017): „Im einleitenden Teil geht Altenkirch weit zurück bis in vorchristliche Zeit. Er folgt dem immer mehr vergessenen oder verdrängten Wissen um die gallo-germanischen Götter Wodan, Donar und Holda; Spuren der Verehrung findet er noch im 20. Jahrhundert. (…) Wodan lebt weiter im Wodansbart, als „alter Herrgott“ und sogar in Schinderhannes-Erzählungen. Donar, einer der Blitzgötter oder das „personifizierte Gewitter“ bei den Kelten, der Segen spendend seinen schwerne Hammer in den Schoß der Braut legt und vom Blitz getroffenem Baumholz Heilkraft verleiht, hatte den heiligen Petrus als Nachfolger (…). Die schöne Holda, die aber auch hässlich sein konnte wie Frau Holle im Grimm’schen Märchen, lebt in der Marienverherung weiter, aber der Holdaglaube blieb bis ins frühe 20. Jahrhundert lebendig.“

Gunther Altenkirch, Volks- und Aberglauben (2017, S. 45): „Als die ältesten Belege des Aberglaubens werden in unseren Dörfern bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Steinäxte, sogenannte Donnerkeile aufbewahrt und zu allerlei zauberischen Handlungen benutzt. Ihre Verwendung als magischer Gegenstand war bis ins 19. Jahrhundert genauso weit verbreitet wie das Hufeisen. Das Volk nannte diese steinzeitlichen Werkzeuge Donneräxte, Donnerkeile oder Hagelsteine. Sie entstanden nach dem Volksglauben durch Blitz und donner innerhalb eines Gewitters. (…) Kindern um den Hals gehängte Donnerkeile sollten sie vor dämonischen Angriffen schützen. Häufig fanden sie in der Heilkunde und Tierheilkunde Verwendung. Das schien auch nötig zu sein, denn Hexen sollten mit den Donnerkeilen auf Menschen geschossen haben, die Folge war ein Hexenschuss.“

Christl Fischer: Sagenhaftes Bayern (2019, S. 18): „Der hl. Drei Königstag ist außerdem der krönende Abschluss der Perchtenumzüge. Das bekannteste Mittel, sich die Geister an diesem letzten schlimmen Tag vom Leibe zu halten, war das räuchern. Man räucherte alles, den Stall, die Wiesen, die Felder, das Haus, die Tiere, und zudem besprengte man alles noch zusätzlich mit Weihwasser. Außerdem zeichnet man an sein Bettende den Drudenfuß, den man jedes Jahr erneuern sollte, somit hatte man Gewissheit, dass einem die Drud nicht drücken würde.“

Mystischer Bayerischer Wald (Facebook-Seite), September 2025: „In früherer Zeit glaubte man, dass Frauen, außer der Mutter, für die neugeborenen Kinder von Schaden sein konnten. Man glaubte, dass wenn Frauen die Kinder besuchten und ihnen Komplimente gaben oder das Kind zu sehr bewunderten, dass dieses sich ins Negative umschlug und ein Fluch auf die Kinder gezogen wurde. Darum durften die Tanten und die anderen Frauen das Kind erst sehen, wenn es schon über drei Monate alt war. Genauso hat man früher andere nicht zum Hof zugehörige Frauen nicht in den Stall gelassen, sie hätten Unglück über die Tiere bringen können, wenn sie die Tiere zu stark bewundert hätten.“

Christl Fischer: Sagenhaftes Bayern (2019, S. 34-35), Über Dämonenabwehr an Karfreitag: „Am Gründonnerstag, der Vorabend des Karfreitags, war die letzte heilige Messe vor Ostern. Ab circa 20 Uhr schwiegen alle Kirchenglocken, um auf den Tod Jesus Christus aufmerksam zu machen. Aber die Menschen hatten große Angst, war es doch auch der Klang der Kirchenglocken, die die Dämonen abhielten, auf die Erde zu kommen. Was konnte man also tun, wie konnte man sich vor ihnen schützen? Man musste Lärm machen. Da bauten sich die Leute aus Holz Holzratschen. Die Ministranten oder auch die Dorfjugend ging am Karfreitag und Karsamstag von Haus zu haus, und fingen, indem sie die Kurbel betätigten, zu ratschen an.“

Christl Fischer: Sagenhaftes Bayern (2019, S. 59/60), Über Dämonenabwehr an Fronleichnam: „Am Mittwoch, also der Vorabend des „Prangertages“, sollte kein Mensch nach dem Gebetsläuten, auch Engel des Herrn Läuten genannt, das Haus verlassen. Es heißt, in jener Nacht gehen die Dämonen um, sie sind auf der Suche, verdorbene Seelen zu ergattern. Früher schossen sogar in manchen Gegenden Bayerns am Vorabend des Fronleichnamstages die Böllerschützen in die Luft. Am anderen Morgen, also am Feiertag selber, wurde dieses Spektakel wiederholt. Man glaubte, dass der Lärm der Böller die Dämonen vertreiben würde. Wie man es ja auch an Weihnachten oder Silvester machte.“