Erster umfassender Ansatz zur Erklärung des Phänomens „Elwedritsche“

Von Patrick J. Donmoyer
Jede menschliche Migration bringt die Saat ihrer Kultur – Sprache, Bräuche, Traditionen, Rituale, Geschichten, Gedichte und Lieder – mit sich und pflanzt sie ein, um in einem neuen und unbekannten Land ein Gefühl von Heimat zu schaffen.
Wie alle Diaspora-Kulturen haben auch die Deutschen in Pennsylvania nicht nur Aspekte der Traditionen bewahrt, die sie aus ihren Herkunftsgemeinschaften in Europa mitgebracht haben und dort längst vergessen sind, sondern diese Traditionen haben sich auch an einen neuen Ort und neue Möglichkeiten angepasst und sind auf neue und farbenfrohe Weise aufgeblüht. Trotz der jahrhundertelange Veränderungen und des Wachstums halten diese Gemeinschaften die Verbindung zu ihren Ursprüngen aufrecht, und ihre Gärten erblühen weiterhin.
Von 1683 bis 1775 brachten etwa 81.000 deutschsprachige Einwanderer, zumeist Pfälzer, ihre Saat über den Atlantik und pflanzten ihre Gärten im Südosten Pennsylvanias. Während einige von ihnen weiter nach Westen zogen und sich in ganz Nordamerika ausbreiteten, schlugen diejenigen, die blieben, Wurzeln in einer neuen kulturellen Kernregion, die das Aufblühen neuer amerikanischer Gemeinschaften sowohl prägte als auch von ihnen geprägt wurde.

Als ich noch ein Kind war, wurde ich eines Nachts beim Zelten in den Wald eingeladen, um einen geheimnisvollen Bewohner der wilden Grenzgebiete zu suchen, die sich an die von Menschen bewohnten Bereiche anschließen. Das Tier, das nicht fliegen konnte, wurde als Hybrid beschrieben und war eine Mischung aus Säugetier und Vogel. Mit jeder Erzählung der Geschichte dieses Geschöpfs erweiterte sich seine Form um neue Kombinationen und Möglichkeiten – ein wahrer Gestaltwandler, dessen Grenzen so weit reichen, wie unsere Vorstellungskraft zulässt. Wir haben die Elbedritsch nie gesehen. Aber wir hörten ihre Schreie in der Dunkelheit (begleitet von etwas, das wie menschliches Lachen klang). Und als wir schließlich mit einem schweren Gewicht in der Tasche von unserer Jagd zurückkehrten, entdeckten wir nur einen Stein.
Seit Generationen steht die Elbedritsch (manchmal auch Elderbritsch, Elfedritschli, Elgedritschel, Albetwitsch, sogar Elefandritsch genannt!) für jenes schwer fassbare Element, das wir jagen, aber nie fangen, nie vollständig beschreiben und schon gar nicht zähmen können. Und genau wie die Pennsylvania-Deutschen, die es sich vorstellen, hat sich auch die Elbedritsch eine Reihe von Ritualen, Geschichten und Praktiken ins neue Land mitgebracht, von denen einige in Europa längst vergessen sind.
Dr. Michael Werner, Herausgeber der Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“ und bekannt als Brückenbauer zwischen den Menschen in der Pfalz und Pennsylvania, ist dem verschlungenen Weg der Elbedritsch von Pennsylvania zurück in die Pfalz und von dort weiter zu den Ursprüngen des Phänomens bis in den fruchtbaren Halbmond gefolgt. Anhand von Geschichten, Liedern und Ritualen nähert sich Dr. Werner schrittweise der Elbedritsch durch Raum und Zeit bis zu ihrem Ursprung in den frühen neolithischen Kulturen unserer indoeuropäischen Vorfahren. Seine Studie ist die erste, die einen umfassenden und ausführlich begründeten Vorschlag macht, was hinter der pfälzisch-pennsylvanischen Elbedritsch wirklich steckt.
Dr. Werner erinnert uns daran, dass ein Verständnis der pfälzischen Kultur unvollständig ist, wenn man nicht auch die im ländlichen Pennsylvania praktizierten und bewahrten Traditionen mit berücksichtigt. Unsere gemeinsamen Sprachen, Sitten und Gebräuche, unser Glaube, unsere Kunst und unsere Traditionen finden ihren Widerhall auf den Höhenzügen und in den Tälern Pennsylvanias ebenso wie in den Wäldern der Pfalz mit Blick auf die fruchtbaren Ufer des Rheins. Vielleicht hören auch Sie dort den Ruf der Elbedritsch – er erinnert uns daran, tiefer zu blicken und dem gewundenen Waldpfad zu seiner Quelle zu folgen. Diesen Ansatz verfolgt das Buch „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“.
Zur Person: Patrick Donmoyer ist Direktor des Pennsylvania German Cultural Heritage Centers in Kutztown (PA)
