
„Druden“ bzw. „Albdruden“ trieben im deutschsprachigen Raum ihr Unwesen. In manchen Gegenden sprach man vom „Mahr“ oder „Nachtmahr“. Von hier ist es nicht weit zum englischen „nightmare“, aber auch das französische „cauchemar(e)“ hat „Mahr“ als Wortbestandteil. Sogar im slawischen „Kikimora“ lässt sich der „Mahr“ erkennen. All diese Erscheinungen sind Ausprägungen desselben Mems, dessen Ursprung in Mesopotamien zu suchen ist.
Das Wort „Drude“ geht vermutlich auf das altnordische „trudan“ zurück, das „treten“ bedeutet. Allerdings gibt es im germanischen Götterpantheon auch eine Tochter Thors, die „Thrud“ (altnord. Þrúðr »Kraft«) genannt wird. Sie ist damit die Enkelin von „Wodan“ (im Skandinavischen: Odin). Von ihr ist wenig bekannt und noch weniger gesichert.
Unter einer Drude versteht man einen lebenden Menschen, der in der Lage ist, seine Gestalt zu wandeln und so zu einem bzw. einer Schlafenden zu gelangen, um ihn bzw. sie zu quälen. Von „Drude“ zu unterscheiden ist das Wort „Alp“. Unter einem Alp, der einen Schlafenden quälte, stellte man sich in früherer Zeit einen selbständigen Dämon oder aber einen Verstorbenen vor, der keine Ruhe finden kann. Deshalb ließ man im Mittelalter Totenmessen für Verstorbene lesen, damit sie Ruhe finden konnten. Ab dem Spätmittelalter jedoch fiel die Bedeutung zunehmend mit dem der „Drude“ zusammen. (Quelle)
Neben „Drude“ kennt man im Deutschen das Wort „Hexe“ (altnordisch: „hagazussa“). „Hag“ bedeutet hier „Hecke“ (auch „Wald“), „zussa“ möglicherweise „Elbin“. „Die Elbin, die in der Hecke sitzt“ könnte eine angemessene Übersetzung sein. Am Rand des zivilisatorisch genutzten Raumes musste sie bleiben, wenn es den Menschen gelang, alle Abwehrmaßnahmen aufrechtzuerhalten. Dazu gehörten Bannsprüche, der Einsatz von Pentagrammen und Hühnergöttern (vgl. Bild). Sogenannte „Drudenmesser“ konnten in das Schlüsselloch der Schlafstube gesteckt oder aber das Fußende des Bettes gerammt werden, um die Drude abzuwehren. Auch das Platzieren eines Besens vor der Türe so, dass die Besenreißer das Schlüsselloch verdecken, sollte helfen. In diesem Fall, so der Volksglaube, musste die Drude zunächst alle Besenreißer zählen, bevor sie ihre schädigende Handlung ausführen konnte (vgl. auch der Drudenkopf-Spruch aus dem Braucherei-Kontext, der der Drude befiehlt, u.a. alle Zaunstecken der Welt zu zählen). Das Zählen sollte sich bis zum Morgengrauen hinziehen, damit die Macht der Drude mit dem Sonnenaufgang schwand. Dieses Sicherungssystem hielt wie eine „Alarmanlage“ das Böse ab.

Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Druden und Hexen. Eine Hexe hat sich dem Teufel willentlich ergeben – sie kann demnach nicht erlöst werden. Bei der Drude ist das anders. Eine Frau wird unwillentlich zur Drude, zum Beispiel, weil der Pfarrer bei der Taufe einen Fehler gemacht und sich versprochen hat. Die Drude kann erlöst werden, zum Beispiel indem man ihr ein schwarzes Tier (in vielen Geschichten eine Henne oder eine Katze) gibt, das sie totdrücken kann.
In der Literatur ist die Trennung zwischen Druden und Hexen unscharf – mal werden die Begriffe synonym verwendet, mal getrennt mit unterschiedlichen Aspekten. Manchmal liest man: „Aus jungen Druden werden alte Hexen“ (Quelle hier).
Je nach Region erscheint das Phänomen im deutschen Sprachraum als „Drude“ (Bayern, Pfalz), als „Schrättele“ (Schwaben, Schweiz) oder als „Mahr“ (Schweiz, Österreich, aber auch in Norddeutschland).

1486 erschien in Speyer der sogenannte „Hexenhammer“, der „malleus malificarum“ und damit ein Anleitungsbuch, das helfen sollte, Hexen zu erkennen. Erst 300 Jahre, 29 Auflagen und 30.000 Exemplare später fanden die Hexenverbrennungen in Europa ein Ende. Diese rund zwölf Generationen waren durch Kriege, schlechte Ernten („kleine Eiszeit“) und Krankheiten wie die Pest traumatisiert. Hexen stellten willkommene Sündenböcke für das erlittene Leid dar. Einen guten Überblick zur Hexenverfolgung gibt es hier.
Im Zusammenhang mit dem Konzept der Hexen und Druden steht übrigens der Wechselbalg. Der Glaube war, dass Säuglinge ausgetauscht werden konnten, und zwar gegen den Nachwuchs von Hexen und Druden, die ggf. sogar vom Teufel selbst gezeugt wurden. Den besten Schutz gegen diesen Austausch bot die Taufe. Der Begriff „Wechselbalg“ taucht im 11. Jahrhundert auf, war in der Zeit des 30jährigen Krieges weit verbreitet und verlor erst im Laufe des 19. Jahrhunderts an Bedeutung.
Die Welt dieses Aberglaubens liegt noch nicht lange zurück. Die letzte legale Hexenverbrennung in Europa fand 1782 in der Schweiz statt, aber auch heute im 21. Jahrhundert sterben weltweit täglich vermeintliche Hexen.

Kein Wunder, dass die Furcht vor dem Schadzauber von Hexen und Druden weit verbreitet war. Neben dem Glauben an einen christlichen Gott existierte die Angst vor dem Bösen und der Kampf gegen das Teuflische. Beide Seiten gehörten zusammen.
Eine Studie zum „Hexenwahn“ (Forschung + Lehre, 2022) stellte fest: „Glaube an Hexerei immer noch weit verbreitet“. 40% der Menschen in insgesamt 95 Ländern sind davon überzeugt, dass Menschen mit übernatürlichen Kräften anderen Schaden zufügen können. Dazu fällt einem eigentlich nichts mehr ein.
In 46 Ländern werden aktuell vermeintliche Hexen verfolgt, wie der Vatikan berichtet. Beispiele aus der Presse gibt es in Papua-Neuguinea und Westafrika. Zahlen legen nahe, dass heute mehr Menschen dem Hexenwahn zum Opfer fallen als dies während der Zeit der Hexenverfolgungen in Europa in der frühen Neuzeit der Fall gewesen ist. Einen Artikel zu diesem Thema veröffentlichte die Rheinische Post. Der „Internationale Tag gegen Hexenwahn“ ist jährlich am 10. August.
Dies alles zeigt, dass die Angst, die zur Entstehung der „Elwedritsch“ beitrug, ein tief menschliches Urphänomen ist.

Der Rubenheimer Aberglauben-Experte Gunter Altenkirch hat in den vergangenen 70 Jahren Zeitzeugen-Protokolle zu verschiedenen Aspekten der dörflichen Alltagskultur in der Saarpfalz erstellt. Er schreibt: „Die Drud wurde vielfach erwähnt, nicht immer so, wie in der Literatur beschrieben, aber es sind die Vorstellungen der Alten gewesen. Und zu Hexen habe ich weit über tausend Hinweise (…). Hexen waren quasi Begleiter des täglichen Lebens in früheren Zeiten. Es gibt mehr Hinweise auf diese als auf den Teufel.“ (August 2025)
Eine Frau aus dem saarländischen Rilchingen direkt an der Grenze bei Sarreguemines (Lothringen) berichtet beispielsweise im Jahr 1968: „Uns wurde früher, wo wir noch Kinder waren, oft von der Drud erzählt. Die kam in der Nacht, und wenn wir gemerkt haben, daß die im Zimmer ist, haben wir nicht mehr einschlafen können. Gegen die Drud und gegen den Schluckser, den die Drud auch machen kann, haben wir von der Oma gelernt, sollten wir Schäfchen zählen.“ Eine Altersangabe zur Gewährsperson gibt es nicht. Vermutlich jedoch war diese Frau noch in der Kaiserzeit Anfang des 20. Jahrhunderts Kind gewesen. Ein Aspekt ist besonders spannend: Die Großmutter nennt nicht nur die Ursache des Schluckaufs (die Drud!), sondern sofort auch die Therapie (Schäfchen zählen!). Die Drud und ihr schädigendes Verhalten erfordern eine Gegenmaßnahme. Wo es eine Therapie gibt, lässt sich auch die Angst vor der Drud bewältigen.
Ein Video zum Wirken von Druden in Bayern gibt es hier:

Einen guten, weil kurzen Überblick zur Hexenverfolgung lieferte das ZDF in seiner Reihe Terra X im Jahr 2021:

Und zum kulturellen Hintergrund von Hexen gibt es ein weiteres gutes Video:

