
„Kannscht du Micke fange?“ lautet noch heute eine beliebte Frage in Pennsylvania. Die korrekte Antwort ist: „Ya, wann sie hocke bleiwe.“ Spätestens nach dieser Replik wird der amerikanische Fragesteller respektvoll sagen: „Ei, du schwetscht ya deitsch. Noht kenne mer dich net verkaafe!“ Das könnte der Beginn einer Freundschaft werden. Im Fall von Michael Werner, promovierter Linguist und Publizist, hält diese Freundschaft mit den Pennsylvaniadeutschen und dem Pennsylvaniadeutschen schon mehr als 30 Jahre. Er zählt heute zu den ganz wenigen Experten für diese besondere Sprach- und Kulturgruppe in Deutschland, die viele Gemeinsamkeiten mit Mundarten und Bräuchen in der Pfalz, Rheinhessen, Südhessen, der rechtshreinischen Kurpfalz und der Saarpfalz aufweist.
Dr. Michael Werner ist ein pfälzischer Sprachwissenschaftler und Publizist, der als Gründer und langjähriger Herausgeber des Projekts „Hiwwe wie Driwwe“ als Vermittler zwischen pfälzischer und pennsylvaniadeutscher Kultur gilt. Mit seiner psychologisch‑memetischen These zum Ursprung der Elwedritsche hat er zudem einen neuartigen, fachübergreifenden Erklärungsansatz für eines der bekanntesten pfälzischen Fabelwesen vorgelegt.
Herkunft und Ausbildung
Michael Werners Familie stammt aus Ebertsheim. Er selbst wurde 1965 in Frankenthal (Pfalz) geboren. Bereits in seinem Studium in Mannheim beschäftigte er sich intensiv mit pfälzischen Dialekten. Werner promovierte in Germanistik und Allgemeiner Linguistik und verbindet seither wissenschaftliche Dialektforschung mit publizistischer und kultureller Vermittlungsarbeit.
Weg nach „Pälzylvania“
Seit den frühen 1990er Jahren widmet sich Werner den historischen Verbindungen zwischen der Pfalz und den Pennsylvaniadeutschen, also den Nachfahren vor allem pfälzischer und schweizerdeutscher Auswanderer in den USA. 1993 gründete er ein Deutsch‑Pennsylvanisches Archiv, 1996 die pfälzisch‑pennsylvaniadeutsche Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“, die bis heute als einzige regelmäßig erscheinende pennsylvaniadeutsche Zeitung gilt.
„Hiwwe wie Driwwe“ und kulturelle Projekte
Als Gründer und Herausgeber von „Hiwwe wie Driwwe“ betreut Werner seit drei Jahrzehnten eine Plattform, die Sprache, Literatur und Alltagskultur „hiwwe“ (in Pennsylvania) und „driwwe“ (in der Pfalz) zusammenbringt. Er war Mitbegründer des Deutsch‑Pennsylvanischen Arbeitskreises e. V., initiierte die musikalische „New Paltz Band“ und wirkte an den Kinodokumentationen „Hiwwe wie Driwwe – Pfälzisch in Amerika“ (2019) und „Hiwwe wie Driwwe 2“ (2024) als Experte mit. Ebenso beriet er die Münchener „Constantin Film“ beim Drehbuch der Netflix-Komödie „Rumspringa“, in der ein junger Amish im Hipster-Berlin landet. Den Hauptdarsteller Jonas Holdenrieder („Fuck yu, Göhte“, „Ballon“) unterrichtete er in Pennsylvanisch-Deitsch (2021). Daneben war er Geburtshelfer der „Grundsau Lodsch No. 19 im alte Land“ in Bockenheim an der Weinstraße – einer Initiative, die jährlich zum Murmeltiertag (Groundhog Day) einen Wetterbericht für die nachfolgenden sechs Wochen herausgibt (seit 2020). Vor kurzem hat er mit weiteren Sprachinteressierten die „Pfälzische Mundart-Stiftung“ begründet und ist dort stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates (2025). Seit 1998 engagiert Michael Werner sich im „Förderkreis Mundart Bockenheim e.V. – zunächst in der Jury, seit 2015 zusätzlich auch im Vorstand. Seit 2022 moderiert er die beiden Mundart-Wettbewerbe des Vereins („Pfälzischer Mundartdichter-Wettstreit“ und „Pälzer Prosa Preis“).
Die Elwedritsche und die memetische These
In mehr als dreißig Jahren Forschungsarbeit zu den Pennsylvaniadeutschen stieß Werner auf Quellen, die er zur Grundlage einer psychologisch‑memetischen Erklärung des Ursprungs der Elwedritsche machte. Sein Ansatz grenzt sich explizit von der scherzhaft‑pseudowissenschaftlichen „Tritschologie“ ab und kombiniert kulturhistorische, linguistische, neurologische und psychologische Argumente, um das vermeintliche Fabeltier und die Praktiken der Elwedritsche‑Jagd als Ausdruck kollektiver Ängste, Erinnerungen und sozialer Mechanismen zu deuten.
Publikationen und Auszeichnungen
Werner publizierte neben zahlreichen Artikeln mehrere Bücher, darunter das Buch „Hiwwe wie Driwwe – Der Pennsylvania ReiseVERführer“ (2021) sowie „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ (2025), das die globalen und regionalen Hintergründe des Elwedritsche‑Phänomens nachzeichnet. Für seine Arbeit an der pfälzisch‑pennsylvaniadeutschen Kultur erhielt er verschiedene Ehrungen, etwa die Hermann‑Sinsheimer‑Plakette für Literatur und Publizistik und den Emichsburg-Preis der Gemeinde Bockenheim. Er gilt heute als einer der profiliertesten Experten für die kulturellen Beziehungen zwischen der Pfalz und Pennsylvania.
Beruflich ist Michael Werner seit Ende der 1980er Jahre in der Medienbranche tätig, war freier Journalist, Marketing-Leiter sowie CEO von Special Interest Verlagen und COO eines B2B-Fachverlages.
In seinen Lesungen, Konzerten, Vorträgen und Multimedia-Präsentationen nimmt Michael Werner seine Zuhörer mit in eine faszinierende Welt, die uns heute ebenso fremd wie vertraut vorkommt. Er erzählt von ausgewanderten Pfälzern und ursprünglich schweizerdeutschen Amish und Mennoniten, von der allmählichen Entstehung des Pennsylvaniadeutschen als Ausgleichsmundart auf Basis des Pfälzischen, vom „Murmeltiertag“ (Groundhog Day), Elwedritschen und Belznickel in der neuen Welt. Geschichte und Geschichten dieser Auswanderung im 18. Jahrhundert werden lebendig, und die Eigenheiten der pennsylvanisch-deutschen Mundart werden ausführlich vorgestellt.
Auszeichnungen
2007: 10th Prof. J. William Frey Lecturer (Franklin & Marshall College, Lancaster/PA)
2012: Medienpreis Pfalz, Nominierung (Bezirksverband Pfalz, Kaiserslautern)
2015: Preis der Emichsburg (Gemeinde Bockenheim) als 2. Vorsitzender des Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreises e.V.
2020: Hermann-Sinsheimer-Plakette für Literatur und Publizistik (Verbandsgemeinde Freinsheim)



Gerne kommt Michael Werner von Mainz aus auch zu Ihnen. Anfragen an: info@hiwwe-wie-driwwe.de
