
Ausgangspunkt: Schlafparalyse
Am Beginn steht ein universelles menschliches Erlebnis: die Schlafparalyse als Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, in dem der Geist schon wach, der Körper aber gelähmt ist und eine bedrohliche Präsenz erlebt wird. Dieses neurophysiologische Phänomen wird als nächtlicher Dämon gedeutet, der sich „auf die Brust setzt“ und Atemnot, Druckgefühl und Todesangst verursacht.
HADD / Agentendetektion
Die These greift hier den in der Kognitionspsychologie diskutierten Mechanismus der „Hyperactive Agency Detection“ (HADD) auf: In unklaren, angstbesetzten Situationen konstruiert das Gehirn reflexhaft handelnde Akteure. Aus einem diffusen Präsenzgefühl wird so ein personalisiertes Wesen – zunächst als Nachtgeist oder Dämon, der das Schlafparalyse-Erlebnis erklärt. Erstmals greifbar werden Phänomene dieser Art nach Erfindung der Schrift im antiken Mesopotamien. In der Geschichte hat dieser Dämon in den verschiedenen Kulturen unterschiedliche Namen und voneinander abweichende Ausprägungen. Als nächtlicher weiblicher Schadensagent bleibt er aber immer erkennbar. Im deutschen Sprachraum erscheinen in der germanischen Mythologie „Alben“ und im späteren christlichen Kontext „Druden“, die beide über die Zeit im Begriff „Albdrude“ verschmelzen.
Kulturelle Zähmung des Dämons
Über lange Zeiträume wird diese bedrohliche Figur – die Albdrude – kulturgeschichtlich „gezähmt“: Mit der Aufklärung verlieren Dämonen erklärende Kraft, die Gestalt wird abgeschwächt, vermenschlicht oder verniedlicht. Der entscheidende Schritt der These ist: Die Elwedritsche erscheint als Endpunkt dieser Zähmung – die einst existenzielle Nachtangst wird in ein harmloses, vogelartiges Fabelwesen überführt.
Historische Belege und Entwicklungspfad
Die These ist erklärend (explanativ), indem sie einen Entwicklungspfad vom subjektiven Erleben über die Dämonenvorstellung bis zur Elwedritsche nachzeichnet. Belege aus Auswanderertraditionen (etwa Banat und Pennsylvania) zeigen, dass ältere, bedrohliche Varianten der Gestalt existierten, bevor sich in der Pfalz das heutige, eher niedliche Bild mit Scherzjagden durchsetzte.
Memetik: Warum dieses Meme überlebt
Memetisch wird die Elwedritsche als „kultureller Überlebensprofi“ beschrieben: Sie ist einprägsam, emotional aufgeladen und eng an soziale Rituale (Jagd, Geschichten, Lokalkolorit) gebunden. Deshalb überlebt dieses kulturelle Muster („Mem“) durch Weitergabe über viele Generationen. Dabei verändert es sich immer wieder, ohne seinen inhaltlichen Kern gänzlich zu verlieren. Humor spielt dabei die Schlüsselrolle – die ursprüngliche Angst wird in gemeinschaftliches Lachen transformiert, was die Weitergabe des Mems über Generationen hinweg besonders effektiv macht. Das Ritual der lustigen, aber immer erfolglosen Elwedritsche-Jagd zeigt, wie Humor als kulturelles Werkzeug eingesetzt wird, um Ängste zu bewältigen.
Gesamtlinie der Argumentation
Die wichtigste Argumentationslinie lautet damit: Ein universelles neuropsychologisches Angstphänomen (Schlafparalyse) wird durch Agentendetektion zu einem Dämon, der über Jahrhunderte kulturell entschärft wird und schließlich als Elwedritsche in einer humorvollen, regionalen Form weiterlebt. Die moderne Figur der Elwedritsche ist nach dieser These das memetische Endprodukt eines langen Prozesses der Angstbewältigung, in dem sich eine Gesellschaft ihre Nachtängste in ein identitätsstiftendes, spielerisches Fabelwesen verwandelt.
Das ist in aller Kürze die „psychologisch-memetische These“ zur Erklärung, was hinter Elwedritschen wirklich steckt. Der Ansatz wurde zwischen 2020 und 2025 entwickelt und ist Grundlage des Buches „Elwedritsche – Dunkle Gefährten“ (2025).
Michael Werner (2025)

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