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Haus (erbaut ca. 1500) in Stadt Stolberg (Harz) mit sechsstrahliger Rosette links oberhalb der Tür

Erwin Ledig, April 2025:

„Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass sich hinter den Elwedritsche so viel Spannendes verbirgt.“

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Sebastian Arnold, April 2025:

„Ein neues Fachbuch der Tritschologie ist immer willkommen. Die Elwetritsche-Forschung ist in den letzten Jahren etwas eingeschlafen – leider. Der international vergleichende Forschungsansatz ist neu, äußerst interessant und kann einen wertvollen Beitrag für den Kenntnisstand zu dieser geheimnisvollen Spezies liefern.“

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Hedda Brockmeyer, „Theater in der Kurve“ (Neustadt an der Weinstraße), Mai 2025:

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Simone Neusüß M.A. (Landau in der Pfalz), Mai 2025:

„Vielen Dank für das neue Buch. Ich habe es mit Interesse gelesen und Neues gelernt! Was mir noch dazu einfiel: Die Verschiebung von Elbedritsche zu Elwedritsche hat sicher etwas mit dem Einfluss des Französischen zu tun, oder? (Unsere Nachbarn, die Nordelsässer, sprechen B annähernd wie W aus.) Die Reefschlang heißt auf Griechisch Ouroboros, bei den Germanen gibt es die Midgardschlange als Weltenschlange. Die Raben kündigen Unheil an, weil sie als Aasfresser Marker für Schlachtfelder, also Krieg und Tod, sind. Odin mit seinen beiden Wölfen und den zwei Raben weist auf Krieg hin. Auch können Menschen, Wölfe und Raben gemeinsam jagen und sind dann sehr effektiv. Die Wilde Jagd und der Jäger am Himmel deuten auf Sternbilder hin. Es gibt dazu einige: die Jagdhunde, der Große und der Kleine Hund, der Jäger. Wenn die Erde eine Scheibe ist und die Sonne sich um die Erde dreht, dann gibt es ein Problem: In der Nacht und im dunklen Winter sind wir auf der „falschen“, gefährlichen Seite, nämlich in der Unterwelt, dem Reich der Toten(-Geister). Dann läuft nicht die Sonne über uns, sondern der Sternenhimmel. Es sind Himmelshunde oder -Wölfe, die die Sonne und den Mond verfolgen, bedrohen und manchmal erwischen (Finsternisse). Bei den Germanen stellen Skalli, Hati und der Fenriswolf eine Bedrohung dar. Wasserflächen sind Orte, an denen man ganz konkret in die Unterwelt zu den Totengeistern fallen kann. (Oder in Trance als Schamane reisen.) Umgekehrt kann die Holle neues Leben daraus hervorziehen, denn Enkel sind im zyklischen Weltbild wiedergeborene Ahnen. Wasserflächen stellen optisch alle drei Welten dar: die Spiegelung der Oberwelt, die Oberflächenspannung der fragilen Hierwelt und der Blick in die unergründliche Tiefe der Unterwelt. Der Geist muss zur selben Öffnung raus, durch die er gekommen ist. Das gilt auch umgekehrt: Ist z.B. der Haushund durch eine Tür entlaufen, muss er durch diese Tür mittels eines angepinnten Spruchs wieder nach Hause gelockt werden. (Das schrieb mir eine Japanerin.) Beim Drudenzopf kann die Erklärung nicht nur in Kopfläusen liegen? Ich stieß auf Wachs in den Haaren als Erklärung. Beim Hexenglauben ging es häufig um die Komponenten Pferde, Stall, Geflochtene Zöpfe, Katze, Alte Frau und Hinken. Diese Elemente gehen wohl bis in die Antike zurück. Nach altem Volksglauben treiben sich Geister und Hexen nachts in den Ställen herum. Laut Jacob Grimm zerzausen Hexen den Pferden die Haare oder flechten ihnen feine Zöpfe. Beides lässt sich vom Menschen nicht lösen, die zerzausten Haare lassen sich nicht mehr kämmen, die Zöpfe nicht entflechten. Wilhelm von Auvergne berichtete für die Zeit um 1250 von weißgekleideten Frauengeistern in Wäldern und Ställen, wo sie Kerzenwachs [!] auf die von ihnen sorgfältig geflochtenen Mähnen der Pferde tropfen lassen. Der Süden (S-Dtl., Alpen) stand lange unter keltischem Einfluss, so dass man mal vergleichen müsste, was sich in den heutigen keltischen Rückzugsgebieten (NW-Europa) erhalten hat. Auf jeden Fall haben die Druiden heilige Haine. (Auch hier im Präsens, denn es gibt ja viele Neodruiden, wie den OBOD.) Die Pferdegöttin Epona ist z.B. laut Ginzburg mit dem Hexenglauben verquickt. Schnüre und Knoten spielten in Alt-Amerika eine große Rolle, etwa bei der Knotenschrift, Quipu, in Peru. Man bindet auch Hundewelpen eine rote Schnur um den Hals, um sie zu schützen. Bislang dachte ich nur, dass die Farbe relevant ist, womöglich aber auch der Knoten. Dort heißt es auch, dass sich die Seele bei einem Schock vom Körper löst. Findet sie nicht zurück, wird die Person verrückt. Ein treuer Hund hilft dabei, dass Seele und Körper wieder zusammenfinden. (Das kann ich selbst bestätigen.) Die neun Symbole auf dem Drudenmesser stehen vielleicht für die neun Welten, denn auch die Albdrude kann in alle Welten reisen, indem sie schwimmt, läuft und fliegt. Wie ein Wasser-Zugvogel übrigens, der zudem noch im Herbst wegfliegt. Die Holle schüttelt im Winter seine Federn vom Himmel, im Frühjahr kehrt er zurück. Der Wasservogel war in der Bronzezeit heilig, sein Fuß wird später durch das Pentagramm symbolisiert. Es gilt der alte Zauber, dass Gleiches Gleiches abwehrt. Man glaubte, dass die Albdruden einen vogelartigen Fußabdruck haben, wie ein Schwan oder eine Gans, und dass man Gleiches mit Gleichem abwehren kann, „Similia similibus“. Wie in der Homöopathie, „Similia similibus curentur“. Es heißt, dass die Götter im Katholizismus zu Heiligen degradiert wurden. Im Protestantismus wurden die Heiligen zu Dämonen. Luther, noch tief verwurzelt im Spätmittelalter, sah sich umgeben von heil- und unheilbringenden Heerscharen, mit denen er kämpfte. Mit seinen Reden trug er zur Ausbreitung des Hexenwahns bei, auch sog. Wechselbalge wollte er töten lassen. Es handelte sich dabei juristisch nicht um Infantizid, denn bei einem behinderten Kind wurde die Tötung nur als Beseitigung eines Geisterwesens angesehen.“

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Patrick Donmoyer, M.A. (Kutztown, PA), Mai 2025:

“Wow. Grooss Dank! Gaar schee un guud geduh!“

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Leni Bohrmann (Neustadt an der Weinstraße), Mai 2025:

„Gestern habe ich dein Buch auf der sonnigen Gartenbank sitzend verschlungen. Das muss man wirklich so ausdrücken, denn ich bin eigentlich keine Leseratte. Dein Buch hat mich aber so in seinen Bann gezogen, dass ich es in einem Rutsch durchgelesen habe und dir jetzt gerne nochmal schreiben möchte. Mir gefällt so gut daran, wie wenig das Buch belehren, sondern vielmehr begeistern möchte. So ist zumindest mein Eindruck. Kein trockener Geschichtsunterricht, bei dem man mit Daten und Zahlen beworfen wird. Die Texte lesen sich total gut, der Humor kommt nicht zu kurz, und deine Faszination für die Thematik überträgt sich sofort auf mich. Ständig bin ich am Staunen  und Wundern („Ach DAHER kommt das mit den Glücksschweinchen?! Abgefahren!“). Immer wieder erinnere ich mich an Sprüche, die meine Großeltern schon gesagt haben („Das Christkind sieht alles!“) oder an Horror- und Fantasyfilme, die ich gesehen habe (die Monster kommen aus dem Nebel, von hinter den Spiegeln, aus dem Dunkeln der Nacht). Du machst so ein großes Fass auf – Migration, Menschheitsgeschichte, Kultur, Sprache – da öffnet sich ein ganzer Kosmos, und trotzdem schaffst du es, alles auf wenigen Seiten unterhaltsam zusammenzufassen. Das muss man erst mal hinkriegen. Also: Ganz herzlichen Dank für diese großartige Reise!“

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Pascal Rambau (St. Ingbert), Mai 2025:

„Interessanterweise ist mir der Begriff Elwetritsche seit meiner Kindheit sehr gut bekannt. Meine Oma (1923-2019) hat diesen Begriff regelmäßig benutzt: Auf meine Frage: „Was is dann?“ oder „Was is los?“ kam häufig die Antwort: „Do hinne komme die Elwetritsche und hann Kabottcher òff.“ Das finde ich deshalb erwähnenswert, weil meine Oma aus Rentrisch, also aus Preußen, stammt. Allerdings war ihre Mutter aus St. Ingbert, also dem letzten Zipfel der damaligen Pfalz. Von daher mag also der Ausdruck kommen. Inwiefern in der „richtigen“ Pfalz die Kombination mit Kabottche (Chapeau) geläufig war, weißt du sicher besser als ich.“

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Marianne Wilbert (Stromberg), Juli 2025:

Zunächst nochmal herzlichen Dank, dass Sie sich dieses spannenden Themas angenommen haben. Wie mitgeteilt, habe ich meine ersten Lebensjahre in der Großfamilie meiner Mutter in Spall (Landkreis Bad Kreuznach) verbracht, bis wir in den 1960er Jahren nach Bad Kreuznach verzogen sind. Alle Dorfbewohner waren damals noch evangelisch. Geboren bin ich 1955, da war Platt unsere Sprache. Autos und Traktoren gab es zu der Zeit erst sehr wenige. Im Dorf habe ich alle Menschen gekannt. Daher bin ich den ganzen Tag „im Dorf erum gezoo“ und habe sehr viel aufgeschnappt. Die Begriffe Elwetritsche und Dilldapp habe ich beide gekannt, ohne diesen Wesen irgendwelche Eigenschaften hätte zuweisen können. Die Familie meiner Großmutter stammte aus dem südlichen Soonwald, die Mutter meines Großvaters aus Mengerschied, nördlich des Soonwaldkamms. Meine Oma, die mir viele Geschichten erzählt hat, sagte immer, dass sie länger mit ihrer Schwiegermutter zusammengelebt hat, als mit ihrer eigenen Mutter. Daher weiß ich nicht, aus welcher Region der Ausdruck Hollezobbe kommt. Jedenfalls bekam ich geschimpft, wenn ich mit „vestruwwelte Hoor“ heimkam und beim Kämmen gejammert habe, weil es so gezogen und geziept hat. Es hieß dann „wo bische widder erum gezoo? Du hoschd widder so viel Hollezobbe in de Hoor.“ Wenn ich nachmittags nochmal auf Wanderschaft ging, wurde ich ermahnt: Komm nit so spät heem, sonscht helt dich die Grauelkatz. Allerdings weiß ich nicht mehr, an was dieser Zeitpunkt festgemacht war. Es gibt in Spall keine Kirche, deren Geläut man hätte hören können. Vielleicht erinnert sich meine Mutter noch daran. Meines Wissens ist die Wilde Jagd in Spall nicht mehr beachtet worden. Vielleicht das Verbot zu waschen, daran kann ich mich aber leider nicht mehr erinnern. Bewusst habe ich zum ersten Mal davon gehört, als mich die Großmutter meines Mannes in den 1980er Jahren davor warnte, zwischen den Jahren zu waschen. Sie kam nach dem 1. Weltkrieg aus aus einem Dorf bei Metz/Lothringen hierher. Ihre Großeltern väterlicherseits kamen nach dem Deutsch-Franz. Krieg aus dem Raum Aachen nach Lothringen. Ihr Großvater mütterlicherseits stammte aus Weiskirchen/Saar, seine Frau aus Lothringen. Nochmal zum Waschen zwischen den Jahren: die Großmutter meines Mannes hat mich zwar davor gewarnt, aber keine Erklärung gegeben, warum ich das nicht tun solle. Das habe ich später erfahren, als ich mich mehr mit Volkskunde beschäftigt habe. Meine Cousine wurde noch in den 1980er Jahren von ihrer Schwiegermitter angehalten, nicht mit ihren neugeborenen Kind nach draußen zu gehen, bevor es getauft sei. Mein Großvater ging am Ostersonntag vor Sonnenaufgang an eine Quelle, um Osterwasser zu holen. Auf dem Weg durfte nicht gesprochen werden. Die Cousine meiner Mutter (mit der Großmutter aus Mengerschied) hat vom Brauchen gesprochen. Es war für mich etwas Geheimnisvolles, das ich als Kind nicht entschlüsseln konnte. Auch daran kann meine Mutter sich nicht erinnern. Allerdings ist eine Freundin, die aus eine Dorf bei Saarbrücken kommt, noch etwa in den 1960er Jahre zu einer Braucherin gebracht worden. Sie erzählt, dass sie sich sehr gefürchtet habe, weil sie das Gemurmel und Händefuchteln nicht einordnen konnte. Zum Brauchen habe ich erst kürzlich einige ca. 100 Jahre alte Publikationen gefunden. Bei Interesse schicke ich Ihnen die Informationen. Ganz in der Nähe von Spall steht der 11-Uhr-Stein, der sich einmal um sich selbst dreht, wenn er die Mittagsglocke läuten hört. Allerdings ist sein Standort so weit von der nächsten Kirche entfernt, dass er keine Läuten hören kann. Ich glaube, das hat aber einen anderen Hintergrund. Jetzt habe ich Ihnen erzählt, was mir seit der Lektüre Ihres Buchs durch den Kopf geht.

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Bernhard Kukatzki (Schifferstadt), Juli 2025:

„Bezüge (Anm.: zwischen der im jüdischen Kontext genannten Lilith und den Albdruden bzw. pfälzischen Elwedritschen) sind nicht undenkbar, so ist in der Pfalz im 18. Jahrhundert der Gebrauch eines gedruckten Lilith-Amuletts nachgewiesen. Es befindet sich in meiner Judaica-Sammlung, ist etwa DIN A5 groß.“

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Martin Thorenz (Pirmasens), November 2025:

„Leider komme ich erst jetzt wieder dazu, in den ‚Elwedritsche‘ zu lesen und stoße auf Seite 68 auf den Drudenzopf. Was soll ich sagen, es fällt mir wie Schuppen von den Augen! In Pirmasens heißt es ‚Hollazopp‘. Und ich dachte immer, das sei der Dialektausdruck für ‚Holunderzopf‘, was zugegeben keinen Sinn ergibt. Aber offensichtlich ist damit Frau Holda/Holle gemeint.“

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Marianne Wilbert (Stromberg), Dezember 2025:

„Vor einiger Zeit hatte ich Ihnen von der Grauelkatz und den Hollezobbe im Hunsrück erzählt. Nun habe ich zufällig im „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Hrsg. Hanns Bächtold-Stäubli, Eduard Hoffmann-Krayer,  unveränderter Nachdruck 2021, Stichwort Weihnachtsgebäck-Weihnachtsbrot auf Seite 258, rechte Spalte unten 2. Das Weihnachtsbrot“ einen interessanten Eintrag gefunden: …nach Wuttke hat die Zopfform Beziehungen zu Frau Holle, die in zwölf Nächten in die Häuser kommt und nachschaut, ob die Mädchen ihre Zöpfe ordentlich geflochten haben, widrigenfalls sie sie ihnen einen Hollenzopf zaust. Kaum jemand in unserer Region konnte etwas zu den Hollezobbe sagen, die meisten kannten sogar den Ausdruck nicht. Daher bin ich mit der Erklärung, dass Holle selbst die Haare zerzaust, sehr zufrieden!“

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Anmerkung: Ich freue mich sehr über Kommentare und Anregungen und veröffentliche diese gerne an dieser Stelle. Um Verständnis bitte ich aber, dass ich ggf. Texte kürzen oder deren Veröffentlichung ablehnen werde, wenn es Gründe dafür gibt.