Die psychologisch-memetische These zum Ursprung der Elwedritsche wurde im Zeitraum zwischen 2020 und 2025 sukzessive entwickelt, um den bisherigen rein volkskundlichen Erklärungsansatz zu ergänzen. Ausgangspunkt waren Beobachtungen bei den Pennsylvaniadeutschen in den USA, die einen Weg zur Beantwortung der Frage wiesen, weshalb es überhaupt Elwedritsche gibt.
Diese Frage wird in der bisherigen rein volkskundlichen Betrachtung des Themas ausgeklammert (vielleicht mit der Ausnahme des Hinweises auf eine dörfliche Belustigungskultur). Man beschränkt sich auf die Beschreibung vorhandener Quellen und stellt die unterschiedlichen Ausprägungen des Brauches (Gestalt der Elwedritsche, Formen der Elwedritsche-Jagd) in verschiedenen Regionen dar. Damit endet jede Aussage mit der frühesten vorhandenen schriftlichen Erwähnung der Elwedritsche im 19. Jahrhundert.
Schon der Blick nach Pennsylvania, wo die Nachfahren im 18. Jahrhundert ausgewanderter Pfälzer leben, zeigt, dass die klassische Volkskunde hier zu kurz greift. Denn hier ist der Nachweis offenkundig, dass die Elwedritsche älter sind als die älteste in der Pfalz verfügbare schriftliche Quelle. Wer sich von diesem Punkt aus noch weiter in die Vergangenheit wagt, findet keine Elwedritsche mehr, sondern deren Vorformen. Hierfür findet man dann wiederum Quellen.
Insgesamt ist die psychologisch-memetische These kein konfrontatives Modell zum rein volkskundlichen Ansatz. Sie ist eine integrative Theorie, die die deskriptive Beschreibung der Volkskunde ausdrücklich anerkennt und darauf aufbauend einen explanativen (erklärenden) Weg beschreitet. Im Zentrum stehen die Fragen: Was steckt hinter der Elwedritsch wirklich, und warum gibt es sie überhaupt? Es geht darum, die Biografie und den Stammbaum der Elwedritsch zu ergründen.
Dass die rein volkskundliche Erklärung und die psychologisch-memetische These gut zusammenpassen, wird aus der nachfolgenden Gegenüberstellung deutlich. Gemeinsam schaffen sie ein besseres Verständnis des für Pfälzer so wichtigen Fabeltiers.
| Aspekt | Rein volkskundliche Beschreibung | Psychologisch-memetische Erklärung |
|---|---|---|
| Grundannahme | Die Elwedritsche ist eine regionale Spaß- und Scherzkreatur. | Die Elwedritsche ist das memetisch transformierte Erbe eines alten Nacht- bzw. Dämonenmotivs. |
| Hauptfokus | Beschreibung von Bräuchen, Ritualen, Darstellungstraditionen. | Erklärung der zugrunde liegenden psychologischen Mechanismen (Angst, Projektion, Schlafparalyse). |
| Ursprungserklärung | Entstanden aus lokalen Humortraditionen und geselligen „Jagdspielen“. | Entstanden als kulturelle Verarbeitung von Nachtängsten, Albdruden, Schlafphänomenen und Agentenwahrnehmung. |
| Verhältnis zu Dämonenvorformen | Vorformen werden oft als „lockere Analogien“ betrachtet. | Werden als direkter psychologischer und narrativer Ursprung verstanden. |
| Sprachentwicklungen | Mundartliche Verkleinerungsformen und lautliche Veränderungen. | Sprachwandel als Folge memetischer Miniaturisierung eines bedrohlichen Wesens. |
| Transformation Dämon → Tierchen | Wird allenfalls beschrieben, aber nicht erklärt. | Wird als psychologische Entdämonisierung & kulturelle Zähmung gedeutet. |
| Brauchformen (Jagd, Geschichten) | Kern des Phänomens; erklärt soziale Funktion (Spaß, Gemeinschaft). | Sekundäre Ritualisierung eines früher tiefen Bedrohungs- bzw. Schutzmotivs. |
| Erklärungsreichweite | Lokal und historisch begrenzt. | Universell (Anschluss an weltweite Dämonen- und Nachtwesenmuster). |
| Warum überlebt die Figur so lange? | Tradition und regionaler Humor. | Hohe memetische Fitness durch Verbindung von Urangst + Humor + Identität. |
| Warum diese Art Mischwesen? | Gestaltungsfreiheit & Spaß. | Darstellung als Gestaltwandler mit Projektion typischer Angstmerkmale (Flügel, Krallen, nächtliche Fähigkeiten). |
| Stärke des Ansatzes | Gute Beschreibung der Brauchpraxis und regionalen Entwicklung. | Tiefe Ursachenerklärung + Integration von Psychologie, Neurowissenschaft, Linguistik, Memetik und Volkskunde. |
| Schwäche des Ansatzes | Kein „Warum“ des Urmythos, keine Erklärung für Dämonennähe. | Weniger eindeutig datierbar; verbindet viele Indizien und Analogien statt direkter Quellen. |
| Gesamtcharakter | deskriptiv (beschreibend) | explanativ (erklärend) |