18 Fledermaus

Fledermaus (Quelle: Wikipedia)

Fledermäuse faszinieren und ängstigen die Menschheit seit Jahrhunderten. Als nachtaktive Tiere, die lautlos durch die Dunkelheit gleiten, erscheinen sie vielen unheimlich oder gar übernatürlich. Ihre besondere Rolle in der Kulturgeschichte ist eng mit Aberglauben, Mythologie und der menschlichen Furcht vor der Nacht verbunden.

Bereits in frühen Kulturen waren Fledermäuse ambivalente Wesen. In der chinesischen Kultur galten sie noch als Glücksbringer, da das Wort für Fledermaus (fu) gleich klingt wie das Wort für Glück. In vielen indigenen Kulturen Amerikas galten sie als Geistwesen oder Mittler zwischen Welten.

In der westlichen Welt, insbesondere im mittelalterlichen Europa, wurden Fledermäuse hingegen zunehmend negativ wahrgenommen – als Kreaturen der Nacht, eng verwoben mit Tod, Krankheit und dem Teufel. Ihre Fähigkeit, sich kopfüber aufzuhängen, und ihre scheinbar blinden Flugmanöver machten sie zu etwas „Unnatürlichem“.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit, zur Zeit der Hexenverfolgungen, wurde jede Abweichung vom „Normalen“ verdächtigt. Fledermäuse wurden durch mehrere Faktoren mit Hexen in Verbindung gebracht:

  • Nachtaktivität: Hexen galten als Wesen, die nachts fliegen, heimlich reisen und Rituale im Verborgenen abhalten – genau wie Fledermäuse.
  • Verbindung zum Teufel: In der christlich geprägten Dämonologie wurden Fledermäuse als tierische Verkörperungen dämonischer Kräfte interpretiert. Der Teufel selbst wurde oft mit Fledermausflügeln dargestellt.
  • Zutaten für Zauber: In Hexensalben und Zauberrezepten tauchten Fledermausbestandteile auf – z.B. „Fledermausblut“ oder „Fledermausflügel“ –, was ihren Ruf als magische, unheimliche Tiere festigte.
  • Fliegen: Hexen wurden als fliegende Wesen dargestellt, oft auf einem Besen reitend. Die Vorstellung, dass sie sich in Tiere wie Eulen, Katzen oder Fledermäuse verwandeln konnten (Tierverwandlung), war weit verbreitet.

In der Populärkultur des 19. und 20. Jahrhunderts wurde dieses Bild weiterentwickelt. Der Vampir-Mythos, insbesondere durch Bram Stokers Dracula (1897), verband Fledermäuse endgültig mit dem Okkulten und dem Bösen. Seitdem sind sie ein fester Bestandteil von Horror und Gothic – von Halloween-Dekorationen bis zu Comicfiguren wie Batman.

Fazit: Fledermäuse wurden zu Begleitern von Hexen, weil sie nächtliche, mysteriöse Wesen sind, die sich außerhalb der „natürlichen Ordnung“ bewegen – genau wie die gesellschaftlich geächteten Frauen, die man als Hexen verfolgte. In einer Welt, in der alles Unbekannte als gefährlich galt, war die Fledermaus ein ideales Symbol für das Dunkle, Magische und Unheimliche.