09 Lamia – Die Kindsmörderin

A seventeenth-century depiction of Lamia by Edward Topsell (c. 1572 – 1625)

Lamia (altgriechisch Λάμια Lámia) war nach der griechischen Mythologie die Tochter von Belos sowie Enkelin des Gottes Poseidon und seiner Frau Lybia.

Als Erwachsene wurde Lamia Königin von Libyen und eine Geliebte von Zeus. Dessen eifersüchtige Ehefrau Hera strafte Lamia mit Wahnsinn. In solchem Geisteszustand tötete sie ihre Kinder. Manche Version der Geschichte erzählen, dass Hera selbst die Kinder umbrachte. In ihrer Trauer wurde die einst schöne Lamia hässlich und raubte aus Neid und Verzweiflung die Kinder anderer Mütter, um sie zu töten. Sie versteckte sich in düsteren Höhlen und verlor die Fähigkeit zu schlafen; Zeus verlieh ihr aber die Macht, ihre Augen aus den Augenhöhlen zu nehmen, damit sie schlafen konnte. Wenn sie die Höhle verlassen wollte, um Unheil zu stiften, setzte sie die Augen wieder ein. Von Zeus erhielt sie auch die Gabe, sich in jede gewünschte Gestalt verwandeln zu können.

Sie wird als Bestie beschrieben, der es nach dem Fleisch und dem Blut junger Menschen dürstete. Ihr wurde eine ausländische Herkunft nachgesagt und sie wurde vereinzelt als Libyerin oder Korintherin bezeichnet. Die Parallelen zwischen den beiden Wesenheiten Lamashtu und Lemia scheinen eindeutig, einzig die Tatsache, dass Lemia auch androgyn beschrieben wird, passt nicht recht ins Bild.

Ergänzende Informationen über Lamia erhält man im Artikel Lamia, the Man-Devouring Goddess of Greek Mythology. Oder im nachfolgenden Video …

Lamia – Dämonin der griechischen Antike

Ein weiterer Beleg, dass die kindermordende Dämonin aus Mesopotamien bis in die griechische Welt vorgedrungen ist, zeigt sich in der griechischen Dämonin Gello. Da der Name stammt vermutlich aus dem akkadischen bzw. sumerischen „Gallû“. Gello war ein weiblicher Dämon, der wie Lilîtu/Lilith als jung gestorbenes Mädchen galt, deren Geist die Kinder heimsucht. Wie Lamashtu war Gello bekannt dafür, ungeborene Kinder zu töten und die Neugeborenen mit ihrer Milch zu vergiften. Insgesamt scheint Gello also sowohl Eigenschaften mit Lilîtu als auch mit Lamaštu zu teilen, während ihr Name einer andern Kategorie von Dämonen entlehnt ist.