07 Lamashtu – Dämonin der Geburt

Assyrische Schutztafel (Louvre, Paris), die von Lamashtus Gegenspieler Pazuzu gehalten wird. Unten in der Mitte ist Lamashtu dargestellt.

Lamashtu war ursprünglich Tochter des Gottes Anu, eine Himmelsgöttin und Windgöttin. Der Glaube an den Dämon Lamashtu ist in ganz Vorderasien verbreitet und zählt zur babylonischen und assyrischen Mythologie. Lamashtu ist bekannt für die Tötung unschuldiger Lebewesen.

In dieser Funktion ist sie verantwortlich für Kindbettfieber, Fehlgeburten, Schüttelfrost und Fieber. Ihre Opfer waren meist Schwangere, Wochenbetterinnen und Säuglinge. Nach assyrischen Quellen raubte sie Müttern die Säuglinge von der Brust und verseuchte die Menschen mit Pestatem. Gelang es ihr nicht, ein Kind vor oder bei der Geburt zu bekommen, gab sie sich als Amme aus, um es in ihre Gewalt zu bekommen und mit Gift zu töten.

Auch Männer ließ tödlich erkranken und konnte das Vieh krank machen. Ihr Ziel war immer, die Opfer zu töten und deren Blut zu trinken sowie die Knochen mit Sehnen abzunagen.

Lamashtu bekämpfte man einerseits mit medizinischen Mitteln und magischen Gegenständen. Diese wurden prophylaktisch genutzt, z.B. Amulette oder Ketten. Ein Beispiel kann man sich hier ansehen. Schutz konnte auch durch die Sicherung von Fenster und Türen durch sieben magische Hundefiguren und die Beschwörung der Götter erreicht werden.

Amulett mit einer Beschwörungsformel in Keilschrift zum Schutz vor der sumerischen Kindbettdämonin Lamashtu (Quelle: Wikipedia)

Ihr Körper war behaart oder gefiedert. Ihr Kopf war der eines Hundes, eines Vogels oder eines Löwen – mit Eselsohren und Eselzähnen. Am Oberkörper hatte sie hängende Brüste, an denen sie einen Hund oder auch ein Schwein saugen ließ. An ihren Füßen waren Vogelklauen. In ihren Händen hielt sie jeweils eine Schlange.

Im Laufe der Kulturgeschichte taucht Lamashtu an anderen Orten in veränderter Form und mit neuen Namen auf: Im Volksglauben des – indoeuropäischen – Iran (vgl. Rubrik Indoeuropäische Perspektive mit Informationen zur indoeuropäischen Nacht-Dämonin Bakhtak) verlangt das Kindbettgespenst Āl eine Reihe von Abwehrmaßnahmen. Dieses Wesen wird in Lexika der Safawidenzeit erwähnt, etwa im 1651 verfassten Wörterbuch Burhān-i-Qātiʿ. Eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Handschrift namens Kitāb-i Kulsūm Nane (persisch, „Buch der Frau Kulsum“) gibt Aufschluss über die alten Bräuche der Frauen im Haushalt. Darin werdenVorschriften erwähnt, die zum Schutz der Schwangeren vor der Āl zu beachten sind. Es muss etwa ein halb aus der Scheide herausgezogener Säbel vorhanden sein, ansonsten droht die Āl zu kommen und sich der Leber der Frau zu bemächtigen. Der Säbel wird laut dem erwähnten Kitāb auch gebraucht, um als apotropäische Handlung gegen das Entwenden der Leber an den Seiten des Hauses einen Strich zu ziehen. Außerdem vermögen über dem Kopf der Wöchnerin aufgehängte Zwiebeln durch ihren Geruch, die Āl fernzuhalten. Es gibt Wechselbalg-Geschichten, wonach die Āl nach der Geburt das Baby abholt und ein schlechtes Kind an seiner Stelle zurücklässt. Die Āl ist auch unter anderen Namen bekannt, so in der türkischen Mythologie als Albastı (die in rotem Gewand Kindbettfieber bringt) und bei den Armeniern heißt sie Alḱ. Die im Orient sehr verbreitete Figur lassen sich letztlich alle auf die sumerische Lamashtu zurückführen, die älteste bekannte Kindbettdämonin (Quelle: Wikipedia).

Lamashtu wird manchmal auch als eine wichtige Wurzel des slawischen Vampirglaubens angesehen. Dies gilt in der zeitlichen Folge auch für Dämonen anderer Kulturen, die in ihrer Tradition stehen: Lilith (Lilitu), Lamia und Stryx (vgl. entsprechende Kapitel). Die behaupteten Verbindungen sind nachvollziehbar, aber vermutlich eher lose. Belege für Vampirismus im engeren Sinne finden sich ab dem 11. Jahrhundert in Russland und in der Folge vor allem im südosteuropäischen Raum.

Zur Vertiefung des Themas steht hier ein Video zur Verfügung:

Lamashtu – Gottestochter und frühe mesopoatmische Dämonin

Der Fachbereich Altorientalistik der Universität Leipzig hat einen informativen Podcast mit dem Thema „Hexen, Geister und Dämonen – Die unheimliche Seite des Alten Orients“ herausgegeben. Hier begegnet man Lamashtu, Lilitu, Magie, Zauberern und Hexen, Abwehrritualen gegen den Bösen Blick und vielem mehr:

Podcast des Fachbereichs Altorientalistik der Universität Leipzig